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Nach Absage an Xavier Naidoo: Wer soll für Deutschland zum Eurovision Song Contest?

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Fans beim ESC 2015: Wer soll in Stockholm für Deutschland singen? Zur Großansicht
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Fans beim ESC 2015: Wer soll in Stockholm für Deutschland singen?

Der NDR wollte einen Star zum Eurovision Song Contest schicken. Dumm nur, dass man Xavier Naidoo nach lauten Protesten wieder zurückziehen musste. Hier sind die fünf meistdiskutierten Alternativen.

Die Absage an Xavier Naidoo stürzt Deutschland in eine historische Krise. Aber ist nicht jede Krise auch eine Chance? Deutschland ist ein Land mit Reserven, auch in der Popkultur. Furchtlos hat sich schon Wolfgang Wendland von der Punkband Die Kassierer ins Spiel gebracht, am anderen Ecke des Spektrums übt der Wendler schon eifrig Tanzschritte.

Diesmal aber will die Wahl wohl bedacht sein. Ein ESC ist schließlich keine Stehparty mit Sekt und Konfetti, auf der stolze Nationen beschwipst Karaoke singen. Es handelt sich um ernste Sache, um einen erzdemokratischen Wettbewerb zur Ermittlung europäischer Werte. Wie soll Deutschland sich geben?

Fünf Vorschläge zur Güte.

Bushido: Kontrovers? Jetzt erst recht! Zur Großansicht
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Bushido: Kontrovers? Jetzt erst recht!

Bushido steht für ein modernes, multi kulturelles und weltoffenes Deutschland. Ein tätowiertes Land, in dem strebsame Menschen trotz Herkunft aus Problemvierteln (Tempelhof) oder eines steinigen Bildungswegs (Gymnasium) den Erfolg haben können, den sie verdienen - ebenso wie den Bambi-Integrationspreis.

Wer ihm blöd kommt, bekommt etwas "auf die Fresse" oder wird abgemahnt. Ehre, wem Ehre gebührt (i.e. Bushido). Auf der anderen Seite ist er auch in der Lage, historische Feindschaften wie etwa mit Sido oder Fler zu begraben. Mit Xavier Naidoo verbindet ihn das Bekenntnis zu einem traditionellen Rollenbild ("Es ist ganz normal, Männer lutschen keine Schwänze"). Kontrovers? Jetzt erst recht!

Musikalisch pflegt er die transatlantische Freundschaft und folgt streng den Vorgaben des rhythmischen Sprechgesangs amerikanischer Prägung. Genretypisch ist auch die Perfomance, ein Ententanz aus angedeuteten Kniebeugen und hippem Armgefuchtel.

Anne-Sophie Mutter: Stalkt die Jugend, gewissermaßen Zur Großansicht
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Anne-Sophie Mutter: Stalkt die Jugend, gewissermaßen

Anne-Sophie Mutter steht für das bildungsbürgerliche Premiumdeutschland, die Heimat von Wagner, Brahms und Beethoven. Mutter hält sich auf der Bühne immer schön gerade, trägt meistens feierliche Abendgarderobe und ist ohne ihre Stradivari von 1710 nicht zu haben.

Zwar umweht sie ein Hauch von Haarspray (Betonfrisur), Gestüt und CDU. Dennoch könnte sie die richtige Einstellung für den ESC mitbringen, verglich sie das Spielen doch unlängst mit einem Tennismatch, das sei auch ein Kampf. Einen Kampf müsse man annehmen, und: "Ich freue mich über jede Auszeichnung!"

Das ist - im Verein mit ihrer typisch deutschen Perfektion - die richtige Einstellung. Neulich wagte sie sich bereits erstmals auf das Terrain der Jugend, wie sie der "Welt" erklärte: "Ich stalke sie gewissermaßen und gehe jetzt mal in deren Klub".

In Stockholm könnte sie beispielsweise mit einer gefidelten Variante von Stockhausens "Gesang der Jünglinge im Feuerofen" auftreten - und damit die vielgepriesene Toleranz der ESC-Community auf eine interessante Probe stellen.

Heino: Kommt älteren europäischen Nachbarn irgendwie bekannt vor Zur Großansicht
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Heino: Kommt älteren europäischen Nachbarn irgendwie bekannt vor

Heino repräsentiert das denkbar deutscheste Deutschland. Allein seine äußere Erscheinung wird vor allem älteren europäischen Nachbarn irgendwie bekannt vorkommen. Zugleich steht er für ein Deutschland, dass sich auch selbst auf den Arm zu nehmen versteht - und sei's auch nur, damit es kein anderer macht. Wenn es um Bühnenerfahrung und Playbackroutine geht, kann Heino hierzulande niemand den Eierlikör reichen.

Heino macht neuerdings gerne Hardrock, hat aber keine Berührungsängste mit dem Schlager. Altersbedingt etwas hüftsteif zwar, könnte er die Halle in Stockholm aber auch bei einem Stromausfall bis in die hintersten Winkel mit seinem Bariton beschallen - das R rollt mühelos in alle Ecken.

Auch bringt er eine Eigenschaft mit, die ihn als ESC-Künstler ganz besonders qualifiziert: Es ist nicht bekannt, dass er jemals einen Song geschrieben hätte. Heino ist "Interpret" mit Leib und Seele.

Helene Fischer: Der ESC ist eigentlich für sie erfunden worden Zur Großansicht
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Helene Fischer: Der ESC ist eigentlich für sie erfunden worden

Helene Fischer steht für ein kleinbürgerliches Knuddeldeutschland mit bizarrem Handelsüberschuss. Ein Deutschland, das seine Hausaufgaben gemacht hat und ums Verrecken niemanden abschreiben lässt. Fischer kombiniert prickelnde Erotik mit menschlicher Wärme und russlanddeutscher Disziplin. Sie füllt jetzt schon die größten Hallen des Landes, die Abendprogramme von ARD und ZDF und die Taschen einer Plattenindustrie, die ihr spätes Glück nicht fassen kann.

Ein flüchtiger Blick nur in die Bilanzen - und ihre Fahrkarte nach Stockholm wäre gelöst. Fischers Händchen für nervtötende Wegwerfmelodien ("Atemlos") ist legendär, beziehungsweise für die Telefonnummern der Leute, die ihr solche Melodien in fünf Minuten zusammensummen.

Es ist nicht so, dass sie ideal für den ESC wäre. Der ESC ist eigentlich für Helene Fischer erfunden worden. Sie ist das Sturmgewehr G36 der deutschen Popkultur, allein deshalb schon ist ihr massenhafter Export ins Ausland überfällig.

Deichkind: Pyrotechnisch aufgemotzte Präsenz Zur Großansicht
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Deichkind: Pyrotechnisch aufgemotzte Präsenz

Deichkind könnten für das subversive Deutschland antreten. Also jenes, das sich in ehrlichem Widerstand gegen alles befindet, wofür der ESC steht. Dabei hat das Hip-Hop- und Elektropop-Kollektiv aus Hamburg unlängst allein für das Video zu ihrem Song "Selber machen lassen" von Samy Deluxe über Kraftklub und Campino bis zu Smudo oder Inga Humpe so gut wie alles auftreten lassen, was Deutschland ganz gut beim ESC vertreten könnte.

Deichkind gehören zu den wenigen deutschen Acts, die mit ihrer pyrotechnisch aufgemotzten Präsenz und fettem Breitwandpop tatsächlich die gigantische Bühne in Stockholm füllen könnten, wenn sie nur wollten. Textzeilen wie "Heute ist der Tag, jetzt geht es endlich los, Sie erreichen Ihre Ziele - denken Sie groß!" sind zwar ironisch gemeint. Vielleicht nimmt "Europa" das ja für bare Münze?

Auch haben Deichkind bereits Erfahrung mit nationalem Liedgut, wie ihr inoffizieller WM-Song "Ich hab eine Fahne" beweist: "Ich habe eine Fahne, und die steck ich jetzt in Brand."

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Vorschläge zum ESC

Wer singt für Deutschland beim Eurovision Song Contest in Stockholm? Xavier Naidoo wird es doch nicht sein - aber wer dann? Wir hätten da fünf Vorschläge, bei wem man auch mal anfragen könnte. Wer ist Ihr Favorit?

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 125 Beiträge
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1. wie wäre es mal mit Boykott?
Giotti 23.11.2015
Ganz ehrlich, wer guckt sich diesen Unfug noch an, außer Australien. Außerdem warden die Punkte eh untereinander verteilt. Da hat Deutschland im Normalfall keine Chance... Ein Boykott würde dieser Farce mal gut tun.
2. Warum nur ein Interpret?
bdxc 23.11.2015
Helene Fischer und Heino im Duett wären vielleicht eine ganz originelle Variante.
3. Unser Franz soll es machen
#hotteffm 23.11.2015
Der Franz sollte zum ESC mit seinem Lied "Gute Freunde kann niemand trennen". Passt doch auch zur momentanen Situation in der EU. Unsere Lichtgestalt, die schon die WM nach Deutschland geholt hat, bringt die Länder der EU wieder zusammen.
4.
EinJemand 23.11.2015
Na nach dem Xavier-Debakel hoffe ich, dass die neue Person eine lupenreine Bio hat und in Interviews nie kritisches von sich gegeben hat... wird sicher genau analysiert. Vielleicht können wir Helge schicken?
5. mein Favorit
wboson 23.11.2015
z.B hier zu lesen ud zu hoeren http://www.br.de/puls/musik/aktuell/alex-diehl-nur-ein-lied-100.html anstatt schon wieder mit Kommerz zu verlieren. Meine 2 EUR-ct.
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