Ambient-Vorbild Pink Floyd Majestätisches Wabern

Die britische Band The Orb hat sich für ihr neues Werk den legendären Pink-Floyd-Gitarristen David Gilmour ins Studio geholt. Auch das New Yorker Trio Earl Greyhound macht psychedelischen Sound fürs neue Jahrtausend.

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Die britischen Ambient-Meister von The Orb galten schon immer als Pink Floyd der Rave-Generation. Orb-Chef Alex Paterson programmiert seit gut zwanzig Jahren flauschig gebremste Beats, in denen House, Techno, sanft wummernde Bässe und allerlei Geräusche harmonisch narkotisierend ineinanderfließen. Chill-out und Ambient sind Marken, die gern mit dieser elektronischen Musik in Verbindung gebracht werden, die weniger zum Rumspringen taugt als für ausgiebige Tagträumereien. Aufgeregte Raver empören sich gern mal über die Hippie-kompatiblen Klänge, womit man dann wiederum bei Pink Floyd angekommen ist.

Vom Hass der Generation Punk auf die bombastischen Werke der Prog-Rocker ist aber nichts geblieben, selbst John Lydon hat längst zugegeben, dass sein legendäres "I Hate Pink Floyd"-T-Shirt nur eine Pose war und er immer Fan der Band gewesen sei.

Weil dieser Tage gefeierte Nachwuchskräfte wie Radiohead, Muse und Flaming Lips letztlich auch nur Prog-Rock-Bands und die Veteranen von King Crimson, Yes und Pink Floyd längst als coole Exoten rehabilitiert sind, war es nur konsequent, dass Alex Paterson für sein neues Orb-Werk "Metallic Spheres" tatsächlich den Pink-Floyd-Gitarren-Zauberer David Gilmour ins Studio lockte. Herausgekommen bei dieser Generations-Session sind zwei knapp dreißig Minuten lange Tracks, die zwar in einzelne Abschnitte aufgesplittet wurden, letztlich aber eine Stunde lang majestätisch daherwabern. Das klingt selbstverständlich so wie alle anderen Orb-Musiken, erinnert aber auch erstaunlich an die sanft erhabenen Psychedelik-Platten, die Pink Floyd in der ersten Hälfte der siebziger Jahre produzierten.

Das wird nicht nur Chill-out-Freunde aller Altersstufen beglücken, sondern vermittelt auch eine Ahnung davon, wie Pink Floyd in diesem Jahrtausend klingen könnten. Für Traditionalisten, denen solche Experimente suspekt sind, hat David Gilmour rechtzeitig zu Weihnachten noch eine CD mit Songs seines 2006 verstorbenen Kumpels Syd Barrett zusammengestellt. 18 phantastische und altbekannte Songs aus Barretts Zeiten bei Pink Floyd ("Arnold Layne") und die immer noch rätselhaft schöne Musik, die er nach seinem Rauswurf als Solist ablieferte ("Dominoes").

Eine feine Sammlung, die, wie der Titel schon sagt, für die Jugend als Einführung in das faszinierende Werk des legendenumwobenen Syd Barrett taugt und alte Pink-Floyd-Fanatiker mit neuen Mixen, die David Gilmour hier beisteuerte, an die Kasse lockt.

Mit Syd Barrett und Pink Floyd wird auch das junge Trio Earl Greyhound aus New York gern verglichen. Earl Greyhound sehen zwar aus wie aus einem Werbeclip für Vintage-Jeans entsprungen, verstehen es aber auf ihrem neuen, zweiten Album "Suspicious Package", virtuos allerlei Versatzstücke aus Psychedelic und Prog-Rock zu flirrend versponnenen Songs zu kreuzen. Dabei klingen sie - und das ist die Kunst - aber nie gestrig, sondern tatsächlich frisch und zeitgemäß. Aber weil sie eben auch Traditionalisten sind, gibt es ihre fabelhafte Platte auch auf Vinyl zu kaufen. So wie damals in den Siebzigern eben.



insgesamt 28 Beiträge
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Peter Gabriel 12.11.2010
1. Genesis fehtl!
Warum wird in der Aufzählung der Prog Größen eigentlich Genesis vergessen?
BadTicket 12.11.2010
2. Psychedelic
Genesis gehören, zu mindest zu den Zeiten als Peter Gabriel noch dabei war, ganz klar zu den ganz Grossen dieser Epoche. Aber dann müsste auch eine Band wie Emerson, Lake & Palmer und viele andere genannt werden. Die Liste wäre dann so lang, dass der Text unleserlich wird. Was ich aber nicht teilen kann, ist die Aussage "sondern vermittelt auch eine Ahnung davon, wie Pink Floyd in diesem Jahrtausend klingen könnten". Denn Pink Floyd hat sich klar vom Psychedelic weg entwickelt und würde heute wesentlich rockiger klingen. Wer das hören möchte muss einfach Porcupine Tree kennen lernen, für mich ganz klar DIE Band nach Pink Floyd.
andre2010 12.11.2010
3. Und wo .....
.... bleibt Alan Parson ?
Stewankenobi 12.11.2010
4. Porcupine Tree!!!
Zitat von BadTicketGenesis gehören, zu mindest zu den Zeiten als Peter Gabriel noch dabei war, ganz klar zu den ganz Grossen dieser Epoche. Aber dann müsste auch eine Band wie Emerson, Lake & Palmer und viele andere genannt werden. Die Liste wäre dann so lang, dass der Text unleserlich wird. Was ich aber nicht teilen kann, ist die Aussage "sondern vermittelt auch eine Ahnung davon, wie Pink Floyd in diesem Jahrtausend klingen könnten". Denn Pink Floyd hat sich klar vom Psychedelic weg entwickelt und würde heute wesentlich rockiger klingen. Wer das hören möchte muss einfach Porcupine Tree kennen lernen, für mich ganz klar DIE Band nach Pink Floyd.
Porcupine Tree ist für mich die beste Band des letzten Jahrzehnts. Ich war in meiner Teenager Zeit (90er) großer Pink Floyd Fan. Ich liebe alle Alben ab Atom Heart Mother bis hin zur Animals. The Wall ist für mich eher eine Roger Water'sche (größenwahnsinnige) Rockoper als ein typisches Floyd Album, mit ein paar guten Songs. Ich bekomme immer noch Magenschmerzen, wenn man Floyd mit "Another Prick in the Wall" assoziiert. Ich bin nach vielen Ausflügen in die elektronische Musik (höre ich immer noch gerne), Industrial, Grunge, modernen Prog Rock und New New Wave usw. bei Porcupine Tree angekommen. Der kreative Output (Solo und in verschiednen Bands) eines Steven Wilson macht mich einfach immer wieder sprachlos. Sein früheres Hauptprojekt No-Man ist ebenfalls sehr zu empfehlen, die letzten beiden Alben (vor allem das sehr ambient-psychedelische "Together We'Re Stranger") sind fantastisch.
Stewankenobi 12.11.2010
5. Freud'scher Vertipper
Ich meine natürlich "...BRICK in the Wall" ähäm... mit P ist das ein pöses Wort ;-).
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