Amtlich

Amtlich Die wichtigsten Metal-Alben des Monats

Baroness in Roskilde: Zeigt mal Muckies, Leute Fotos
Thorsten Dörting

Das Album des Jahres stammt von Baroness - oder etwa nicht? Die Blutklumpen von Nachtmystium sind jedenfalls auch sehr fein, genau wie ein kleiner, gemeiner Island-Trip mit Arstidir Lifsins. Die Sensation ist allerdings: Manowar sind nicht mehr ganz so nackt wie früher.

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Liebe "Amtlich"-Freunde und -Hasser,

bevor es losgeht: Aus technischen Gründen mussten wir splitten. Daher folgt nächsten Donnerstag ausnahmsweise ein kleiner Nachschlag. Dann sind hier zu lesen: Ein Review des neuen Testament-Albums, ein paar Worte zu A Forest Of Stars und ein paar Glückwünsche.

Bis denne und los.

Baroness - "Yellow & Green"
(Relapse Records, erscheint am 20. Juli)

1. Ich halte es für so gut wie ausgeschlossen, dass im Jahr 2012 noch ein Album erscheint, das so gelungen ist, so mutig und so aufregend wie dieses.

2. Die Spielzeit von "Yellow & Green" beträgt 75:09 Minuten. Auch wenn dieses (Doppel)-Album seine Schwächen hat: Jede einzelne davon bereitet Genuss. Diese Kritik ist daher in leicht wahnsinnige 75 Punkte unterteilt, um jede einzelne Minute zu würdigen.

3. Für janz Doofe: Dies ist dann also Punkt 3. Steht aber auch daneben.

4. Ehrlich gesagt: Ich habe diese Textform gewählt, weil ich nach mehreren Anläufen den Versuch als gescheitert ansehen muss, die herausragende Musik mit kongenialer Sprachkraft zu loben.

5. Diese Liste ist also eine journalistische Kapitulationserklärung (vgl. dazu: M. Lanz).

6. Noch viele Journalisten werden sehr viele Worte über "Yellow & Green" verlieren und auf die eine oder andere Art zugeben müssen, an einer angemessenen, allumfassenden Würdigung gescheitert zu sein.

7. Ich erhielt das Album des Jahres am 23. April 2012 um 12:11 Uhr als Download-Link per Mail. Die exakte Zahl kenne ich nicht, aber ich untertreibe eher, als dass ich übertreibe, wenn ich schätze: Ich habe "Yellow & Green" seitdem mindestens 35 Mal gehört.

8. Wenn mir das damals jemand prophezeit hätte, hätte ich ihn entweder für einen prophetisch unbegabten Astrophysiker gehalten oder für irre (vgl. dazu: J. Wigger). Nach den ersten paar Durchläufen war ich zwar angetan - aber auch ein wenig enttäuscht.

9. Als Beleg für diese erste Einschätzung folgt ein (echtes!) Zitat aus einer Mail, die ich am 27 April 2012 um 11:34 Uhr an den Europa-Promoter von Relapse Records geschickt habe, also vier Tage nach Erhalt des Albums:

"send them back into the studio ;)

the vocals are too dominant, the underlying layers get lost, the guitars are a bit too quiet.

this is, of course, just a first impression - but i fear it will stand. a 'could-have-been-album-of-the-year'."

10. Es kam anders, denn "Yellow & Green" kam mit Macht zurück. Immer wieder, immer anders. Die Emotionsforscherin Kylie Ann Minogue OBE hat dieses psychologische Phänomen mal prägnant als "Can't Get You Out Of My Head"-Syndrom beschrieben, bevor sie eine Zweitkarriere als Mobile Entsorgungsanlage der Deponieklasse IV (Gefährliche Abfälle, d.h. Botox, Dioxin und andere Toxine) einschlug.

Baroness: Die Herren Baizley, Adams, Maggioni und Blickle Zur Großansicht
Jimmy Hubbard/ Relapse Records

Baroness: Die Herren Baizley, Adams, Maggioni und Blickle

11. Das Gesamturteil in meiner Mail war also falsch. Die Bemerkungen zum Einsatz von Gesang und Gitarren waren dagegen insofern richtig, weil mir die zwei schon sehr feinen Vorgänger "Red" und "Blue" als Maßstab dienten: Baroness haben mit Album Nummer Drei einen gewaltigen Schritt gewagt. Korrigiere: Sehr viele Schritte. Sie unternehmen, um an dieser Stelle mal die "Lausitzer Rundschau" zu zitieren, eine "Musikalische Wanderung durch die Musikgeschichte".

12. Für diese Reise haben Baroness auf "Yellow & Green" das richtig schwere Gitarrengerät daheim gelassen, mit heavy Gepäck erwandert man sich halt keine weit entfernten Ziele.

13. Vermutlich schlagen sie wegen der langen Wege auch ein gemächliches Tempo an.

14. Dafür singen sie beseelt, vielstimmig und kräftig wie die Pfadfinder vom Fähnlein Fieselschweif.

15. Klingt nach Wanderlust? Ja. Aber fast nie nach "Wanderlust". Alte Baroness-Fans lieben den gleichnamigen Hit vom "Red"-Album, der ein urtypisches Beispiel für den wuchtig schreddernden Prog-Sludge-Sound ist, den alte Baroness-Fans halt so lieben. Äh.

16. Alte Baroness-Fans schreien daher jetzt: "Ausverkauf!"

17. Ich schreie zurück: "Bullshit!"

18. Erstens: Was wäre lukrativer für eine Metal-Band mit einer stetig wachsenden Fanbasis, als sich genauso konservativ zu verhalten wie Metal-Fans nun einmal zumindest in musikalischer Hinsicht oft sind - und folglich das immer selbe Album in Variation aufzunehmen?

19. Zweitens: Aus wem soll denn bitte die Zielgruppe bestehen, an die sich Baroness angeblich ranwanzen?

20. Überlegen wir doch mal.

21. Diese Musik ist kein Metal, obwohl bollernde Nackenbrecher wie die erste Single "Take My Bones Away", treibende Hardrocker wie "Sea Lungs" oder "The Line Between" und überhaupt all das fuzzy riffing and soloing den Eindruck erwecken könnten.

22. Diese Musik ist kein Prog, obwohl die kompositorische Intelligenz sehr hoch ist und sich in all ihren Manifestationen erst völlig offenbaren wird, wenn wir alle längst unter der Erde verfaulen und einzig Kylie "Deponieklasse IV" Minogue noch lebt und so ungesund vor sich hin strahlt wie ein blondgelocktes Fukushima. Hören Sie sich "Cocainium" oder "Psalms Alive" an, die absolut störungsfrei zwischen flockiger Trällerei und milder Ballerei wechseln. Wie das sein kann? Ganz einfach: The Song is King, elegante Virtuosität sein Diener. Der Hörer schnallt zunächst gar nicht, wie ihm gerade geschieht. Es geschieht einfach.

23. Das ist so ähnlich wie mit diesem Satz, der keinen anderen Sinn hat, als zu demonstrieren: Der Leser schnallt zunächst gar nicht, wie ihm gerade geschieht. Es geschieht einfach.

24. Mit dem Unterschied: Diesen Break im Textfluß haben Sie eben selbst bemerkt. Hoffentlich.

25. Wie auch immer, weiter geht's: Diese Musik ist kein klassischer Rock, denn der Penis bleibt hier brav in der Hose, die übrigens genauso wenig wie das Schuhwerk aus Leder ist, jetzt mal rein genre-symbolisch gesprochen. Und wenn es auf diesem Album um Verlangen geht, dann hat das nichts mit dem Jucken zwischen den Beinen zu tun, das Sie spüren, wenn Sie "Doreen, 19, die dralle Diätassistentin aus Dessau von der Drogerie von da drüben" sehen oder "Frank, 22, den feschen Frankfurter aus der Finanzbuchhaltung" (courtesy of Inka Bause). Gemeint ist eine universale, menschliche Sehnsucht. Hä? Ja.

26. Diese Musik ist kein Pop, obwohl der meist mehrstimmige Gesang dicht ist und dominant, obwohl "Eula", "Back Where I Belong" oder "Mtns. (The Crown & Anchor) in den finsteren Winkeln unseres Pop-Universums als Powerballaden tituliert werden und obwohl viele Hooklines so hartnäckig im Ohr hängen bleiben wie der Ruf an Til Schweiger, er sei ein Schauspieler. Aber schon allein das gezielt eingesetzte Gebell des Gesangsduos John Dyer Baizley und Pete Adams zerstreut jeglichen Pop-Verdacht.

27. Diese Musik ist kein Indie, weil keine Briten mitmachen und auch kein stylisch schratiges Sensibelchen mit Wuschelkopf, das sich als Mediendesignstudent von irgendeiner kaschemmigen Bezahl-Fachhochschule in Berlin die elterliche Kohle aus der Tasche ziehen lässt, und dessen Freundin ihn verlasssen hat, weil er die Zutaten für die vegane Tofu-Bolognese zusammen mit seiner heimlich (!) gekauften Bio-Putenbrust in einem einzigen Jute-Beutel in die gemeinsame Altbaubutze in F-Hain transportiert hat und er nun vor lauter Kummer "fragil intime Pop-Splitter" (Deutschlandradio Kultur) raushaucht. Weitere Indizien für Nicht-Indietum: Baroness besitzen und beherrschen Instrumente, sie sind auch mit anderen sozio-ökonomischen Lebenswelten als Doppel-Lehrer-Haushalten vertraut und heißen nicht The Baroness.

28. Diese Musik ist kein heißer Retro-Scheiß, denn obwohl Baroness viele große musikalische Geister vergangener Jahrzehnte durch ihre Melodien spuken lassen, ist ihr Kopf John Dyer Baizley nicht nur hell und wach, sondern vor allem sehr eigenständig beim Durch-die-Wand-wollen.

29. Diese Musik ist kein Emo. Sie fürchtet das Pathos nicht, ihre Dringlichkeit ist ergreifend, aber erwachsen. Daher belächelt sie Weltschmerz und Wehleidigkeit. Billy Corgan, your Job.

30. Diese Musik ist kein Post-Rock, denn, oh my god, was für brillante Momente klassischen Rock-Songwritings sind hier zu erleben. Hier zertrümmert keine postmoderne Abriss-Kolonne mit Seitenscheitel traditionelle Songstrukturen, im Gegenteil: Baroness haben einen Bautrupp musikalisch begabter Doozers entführt, um die Winzlinge im Keller des Tonstudios für die Konstruktion ihrer zierlichen Klangminiaturen zu missbrauchen.

31. Wie? Sie kennen die "Fraggles" nicht?

32. Es ist, was es nicht ist - wir könnten dieses Spiel jetzt ewig weiterspielen. Wäre öde, oder? Gut.

33. Nach all den "Kein"-Punkten dort oben versuche ich es jetzt mal mit einem "ein". Dieses Album ist ein Mensch. Es lebt, es atmet, und von Zeit zu Zeit zeigt es uns eine Facette von sich, von der wir bisher nichts geahnt haben.

34. So geht es uns auch mit unseren liebsten Menschen: Ihren Charakter ganz und gar erfassen zu können, bleibt uns versagt.

35. Okay, das war peinlich. Da ich das Album aber nun schon mal als Mensch bezeichnet habe, ist es jetzt auch egal: Wer sucht einen Freund?

36. "Yellow & Green" könnte einer sein.

37. Wie kann ein Album ein Freund sein? Nun ja, es ist da, wenn du es brauchst. Das ist sehr simpel - und zugleich sehr viel.

38. Als Freund begleitet es dich. Bei seliger Trunkenheit, ob mit oder ohne Alkohol, feiert es mit und befeuert deine gute Laune. Wenn du verreist, kommt es mit als Stückchen Heimat zum Hören, als Vertrauter, mit dem du die Fremde erkunden und deuten kannst.

39. Aber als Freund ist es natürlich auch da, wenn du nicht weißt, wohin mit Trauer, Wut oder Verzweiflung.

40. Es zwingt dich als Freund sogar dazu, dorthin zu gehen, wo Trauer, Wut oder Verzweiflung in deinen kleinen schwarzen Herzenshöhlen hausen, damit du dich ihnen stellst. Das sollte ein Freund ab und an tun. Ganz vertreiben kannst du die kleinen Monster zwar nie, aber so schaffst du es, sie zu bändigen.

41. "Yellow & Green" ist dazu in der Lage, weil die Musik darauf in den kleinen schwarzen Herzenshöhlen eines anderen Menschen geboren wurde. Sie kennt sich dort also aus.

42. "Sea Lung"

I can't breathe
Nor can I see the sun
It's so cold in here
Where did I go so wrong?

All these days
I've sail'd cross these wicked seas
And I have petitioned the deep
For water to keep me clean

When my ship comes in
I'll find a way to breathe again

"Breathe in deep
Let the sea fill your lungs
Its better to brace for death
Than die for a promised land"

"Why so sad?
Your tears are no match for mine
I am eternal sea
And you are a drowning man"

43. Seele. Reden wir mal kurz über die Seele. Und zwar nicht in dem Sinne, wie es Hobby-Satanisten in der Szene tun, die kurz vor der Seepferdchen-Prüfung für Kunstblutschwimmer stehen oder Pentagramm-Pinselkurse für Fortgeschrittene besuchen.

44. Sondern so: This music got soul, man. Sie schleppt Trauer, Wut oder Verzweiflung mit sich wie inoperable Geburtsfehler, aber sie verwandelt diese Gebrechen in eine Aura voller Hoffnung, Zuneigung und Anmut.

45. Philosophen haben dafür einen Begriff: Erhabenheit. Scheißen wir mal auf die definitorischen Unterschiede zwischen Kant, Schiller, Podolski oder Adorno.

46. Das Dunkel in uns verwandle sich in Licht - ist das nicht eine der großen Erzählungen, an die wir alle gerne glauben wollen?

47. "Back Where I Belong"

Say goodnight to your mother
Say a prayer for your father
Wake me when the thunderclouds are rolling in
Take me to a hazy Sunday morning

I heard your eyes and I touched your tongue
When we were kids we
never felt so young
Take me to a hazy Sunday morning

48. Die Lyrics von Baizley sind immer Lyrik, aber nicht immer gelungen.

49. "Sometimes I get lost in metaphors", sagte er mir vor ein paar Tagen und belächelte fast entschuldigend die Ernsthaftigkeit seiner Bemühungen. Grundlos: Wäre "lost in clichés" besser?

50. Gut, genug jetzt davon. Wie wär's mit spöttischem Witz? Versuchen Sie's mit "Little Things". For all you moaning, gnawing and lying bitches out there.

51. Übrigens: Ich hatte so ein großes Album von Mastodon erhofft, sie schienen letztes Jahr reif dafür. Ein weiterer Irrtum - mit 9 Punkten für "The Hunter" lag ich um einen Zähler zu hoch.

52. Damals hatten meine Hoffnungen meine ersten Höreindrücke übertönt. Dieses Mal war es umgekehrt.

53. Feldversuch: Sommerabend auf einer Ostsee-Fähre, Sonnenuntergang über dem Meer. Resultat: Die Musik ist stärker als die Welt da draußen, aber sie schließt sie nicht aus, sondern formt sie. Geht die Sonne unter und unsere Welt mit ihr? Oder macht sie endlich dem prachtvollen Nachthimmel Platz? Hängt davon ab, welcher Song läuft.

54. Weinen und Lachen liegen hier Takt an Takt beieinander, manchmal übereinander.

55. Das "Yellow"-Album gleicht dramaturgisch dem idealen Konzert: ein sachte die Spannung steigerndes Intro, die erste Eruption, dann rauscht eine perfekte Welle aus Crowdpleasern, Heartpleasern und Bodytalkern heran. Schließlich ein kathartisches Finale furioso.

56. Das "Green"-Album fließt bedächtig rauschend vor sich hin. Manchmal plätschert es leider etwas.

57. Die Summe ist mehr als die einzelnen Teile. Fragen Sie Aristoteles, Kante oder Nicole Stegmüller aus Mappach, erste Weltmeisterin im Speedpuzzlen. Will sagen: "Yellow & Green" ist zwar kein Konzeptalbum, aber dennoch ein organisches Wesen, ein Album-Album. Obwohl sich (fast) jeder Song auch allein behaupten kann.

58. Was fehlt? Ein Opus im Opus. So ein Dreizehnminüter, der einen Promillewert von 1,3 auf gefühlte 2,8 hochjagt und ins Delirium führt, noch bevor die letzte Pulle geleert ist.

59. Was ruhig hätte fehlen dürfen? "Twinkler", "Board Up The House", "Collapse".

60. Die stören nicht, bringen aber auch nichts.

61. Nur deutsche Pop-Feuilletonisten, die noch ernsthaft einen Begriff wie "Rockist" für sinnvoll halten, um über Musik zu schreiben, sind von dieser Verpflichtung ausgenommen, denn wer will schon früh Vergreiste zu etwas zwingen? Für alle anderen Menschen gilt: mindestens einmal hören.

62. Selbst das wird nicht dazu führen, dass Baroness bald Stadien füllen.

63. Der erste Grund: John Dyer Baizley. Metaller finden ihn zu smart, zu prätentiös, zu unnahbar. Hipster halten ihn für uncool. Und das geistige Pop-Diskurs-Prekariat ignoriert ihn in der Mehrzahl, weil er weder Dauergast im "NME" ist, noch in Williamsburg wohnt. Einige wenige denken selbst nach und kommen zu dem Schluss, sein Kunstbegriff sei anachronistisch, weil introspektiv.

64. John Dyer Baizley macht also alles richtig.

65. Der zweite Grund: Looks that kill. Baizley wütet bei Konzerten herum wie ein Berserker und wirkt dabei mit seinem Zauselbart wie Kapitän Ahab, der auf der Bühne seinen Moby Dick erlegen will. Deutet man Melvilles Klassiker psychologisch, haut das sogar ungefähr hin.

66. Zweite Gitarre, Zweitgesang: Pete Adams, eine ursympathische, freundliche Southern-Metalsau. Baroness sind from Georgia, doch nur Adams wohnt noch im Süden (Virginia). Man ist sofort versucht, ihm einen Dodge aus den Siebzigern zum Reparieren hinzustellen, wenn Adams einen nicht vorher schon davon überzeugt hätte, erst einmal im örtlichen Diner ein kühles Helles zu schlürfen und mit Thekenkraft Charlene zu flirten, die 57 Jahre alt ist und seit 45 Jahren dort ihren Rücken krümmt.

67. Am Bass: Matt Magioni. Hält sein Arbeitsgerät mit einer distanzierten Noblesse, wie es britische Adlige mit ihren Tennisschlägern getan haben müssen, als Wimbledon vor Urzeiten noch nicht voll mit bloody continentals war.

68. Hinter den Drums: Mr. Allen Blickle, vermutlich ein auf dem Schweizer Elite-Internat Lyceum Alpinum Zuoz zum Gentleman herangereifter Diplomatensproß, der in New York an einem Drumcomputer und allen anderen verfügbaren Instrumenten herumfrickelt, und mit seiner höflichen, etwas verhaltenen und sehr reflektierten Art sowohl optisch als auch geistig besser in ein Off-Theater in Brooklyn zu passen scheint. Bis er beginnt, zu trommeln.

69. Erklärt diese Vielfalt, warum die Musik so grandios ist? Vielleicht.

70. Looks that really kill. Sie mögen Frauen und Meeresgetier? Dann werden Sie die Arbeiten von Baizley lieben, der jahrelang die Malerei des Jugendstil studiert hat. Heute, wenn ein neues (Cover-)Artwork her muss, setzt er sich in das nächst gelegene "Nordsee"-Restaurant, schlägt die aktuelle Ausgabe von "Playmates Of The Year" auf und macht sich ans Werk. Ziemlich groß.

71. Nur spaßeshalber ein paar Referenzen: Fleetwood Mac, King Crimson, Radiohead, Deep Purple, Pink Floyd, Neurosis, Albert Camus, The Melvins, Sonic Youth, Portishead. And most things metal, of course.

72. Die Wandlungen des Zeitgeistes sind so zuverlässig vorhersagbar wie die Wahlergebnisse der FDP. Daher male ich nur das düsterste Szenario aus: In rund 30 Jahren werden Nerds dieses Album als forgotten treasure wiederentdecken.

73. Baroness definieren kein neues Genre, sie bilden ein Genre für sich. Wobei das natürlich für nichts bürgt. Sollte nur gesagt sein.

74. Ich verweigere die Höchstnote wegen der genannten Schwächen.

75. Und hoffe auf die zehn für Nummer vier.

(Gesamtwertung: 9,5) Thorsten Dörting

Diesen Artikel...
Forum - Amtlich - und Ihre Meinung zum Metal?
insgesamt 515 Beiträge
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1.
Kuechenchef, 05.05.2011
Tides from Nebula habe ich neulich live gesehen, es scheinen recht nette, unprätentiöse Zeitgenossen zu sein. Der musikalische Eindruck war obendrein exzellent. Was aber letztlich nichts daran ändert: postrock ist ja doch irgendwie nur eine Krücke für manche erwachsene Männer, die zwar einerseits auf Pomp, Bombast und Pathos nicht immer verzichten mögen, deren Fremdschämtoleranzgrenze (womöglich verschoben im Laufe der Jahre) aber andererseits deutlich zu hoch angesiedelt ist, um "Gesang" und/oder "Texte" klassischer Metal-Kapellen noch ertragen zu können. Blood Ceremony ist ganz ok, Black Mountain ist mir aber lieber, denn da wird weitesgehend auf Flöten verzichtet. FLÖTEN. Vielleicht das Heavy Metal-Instrument schlechthin, denn zumindest für meine Ohren klingen sie, als kämen sie direkt aus der Hölle. Warum Iren mit verzerrten Gitarren jammern und nölen dürfen, die ohne aber nicht, erschließt sich mir abschließend irgendwie aber trotzdem oder gerade deshalb rein gar nicht.
2.
Volker Paul, 06.05.2011
Zitat von KuechenchefTides from Nebula habe ich neulich live gesehen, es scheinen recht nette, unprätentiöse Zeitgenossen zu sein. Der musikalische Eindruck war obendrein exzellent. Was aber letztlich nichts daran ändert: postrock ist ja doch irgendwie nur eine Krücke für manche erwachsene Männer, die zwar einerseits auf Pomp, Bombast und Pathos nicht immer verzichten mögen, deren Fremdschämtoleranzgrenze (womöglich verschoben im Laufe der Jahre) aber andererseits deutlich zu hoch angesiedelt ist, um "Gesang" und/oder "Texte" klassischer Metal-Kapellen noch ertragen zu können. Blood Ceremony ist ganz ok, Black Mountain ist mir aber lieber, denn da wird weitesgehend auf Flöten verzichtet. FLÖTEN. Vielleicht das Heavy Metal-Instrument schlechthin, denn zumindest für meine Ohren klingen sie, als kämen sie direkt aus der Hölle. Warum Iren mit verzerrten Gitarren jammern und nölen dürfen, die ohne aber nicht, erschließt sich mir abschließend irgendwie aber trotzdem oder gerade deshalb rein gar nicht.
Herr jeh ... fein, fein. Aber die Pentagram-Scheibe finde ich trotzdem gut.
3. Frei ohne Titel
Shiraz, 23.05.2011
Zitat von sysopJan Wigger und Thorsten Dörting besprechen in der neuen Kolumne "Amtlich" aktuelle Metal-Alben - jeden ersten Donnerstag im Monat. Ihre Meinung? Welches sind besten neuen Metal-Werke?
Ich habe nie verstanden, warum Metal manchmal in der Kategorie Musik erscheint. Halte das für ein Missverständnis. Eigentlich ist es nur Lärm, vergleichbar einem Presslufthammer oder einem startenden Flugzeug.
4. re
marks & spencer 23.05.2011
Zitat von ShirazIch habe nie verstanden, warum Metal manchmal in der Kategorie Musik erscheint. Halte das für ein Missverständnis. Eigentlich ist es nur Lärm, vergleichbar einem Presslufthammer oder einem startenden Flugzeug.
Dann bleiben Sie doch lieber bei Ihren Schlagern.
5. Nix Versteh
kingofmetal 24.05.2011
Zitat von ShirazIch habe nie verstanden, warum Metal manchmal in der Kategorie Musik erscheint. Halte das für ein Missverständnis. Eigentlich ist es nur Lärm, vergleichbar einem Presslufthammer oder einem startenden Flugzeug.
Gut, dass Sie zugeben, keine Ahnung zu haben. Metal ist nämlich viel lauter... :-)
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  • Boris Kaiser, 38, ist Textchef beim "RockHard", dem Zentralorgan der deutschen Metal-Szene.


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