Metal-Band Atlantean Kodex "Es muss ja nicht immer Satan sein"

Shure Shot Worx

Liebe "Amtlich"-Freunde und Hasser, die bayerischen Epic-Metaller Atlantean Kodex haben letzten Oktober mit "The White Goddess" das beste Genrealbum seit vielen Jahren veröffentlicht. Gitarrist und Bandkopf Manuel Trummer zeigt sich von Rummel und Erfolg aber ziemlich unbeeindruckt. Wie schön.

Hier ein kleines Interview mit ihm.

Bis denne!

SPIEGEL ONLINE: Herr Trummer, Ihr aktuelles Album "The White Goddess" ist damals in Deutschland auf Platz 65 der Media-Control-Charts eingestiegen. Wie haben Sie das eigentlich gefeiert?

Trummer: Nachdem wir die Nachricht vom Charteinstieg erhalten hatten, traf sich die Band mit einer Flasche Graf-Artos-Jahrgangssekt im Lieferwagen eines befreundeten Klempners. Dort quetschten wir den Abend über Ketchup-Tüten aus und diskutierten über Wittgenstein und Darwins Affentheorie.

SPIEGEL ONLINE: Passt zu Ihrem Image. Atlantean Kodex gelten in der Heavy-Metal-Szene ja als sehr bewusst handelnde, reflektierende Band, die sich von den gängigen Mechanismen des Marktes und der Szene distanziert. Wie gelingt es Ihnen trotzdem, immer mehr Fans auf Ihre Seite zu ziehen?

Trummer: Heavy Metal ist heute von Ähnlichkeit geschlagen. Atlantean Kodex bieten eine Alternative zu dieser Gleichförmigkeit. Die Band fällt mit ihrer eigenartigen Musik und ihren merkwürdigen Texten auf, wirkt einzigartig. In dieser kauzigen Widerständigkeit liegt für viele Menschen, die auf der Suche nach etwas Neuem sind, eine gewisse Attraktivität. Auch unser Do-it-yourself-Anspruch und der bewusste Verzicht auf Barrieren zu den Fans stoßen wohl auf breite Sympathie. Zum anderen halte ich - ganz banal - unser neues Album für sehr gelungen und in musikalischer Hinsicht wesentlich eingängiger als das Debüt. Unsere Mischung aus ernsthafter Epik, Wucht und eskapistischer Verträumtheit sehe ich aktuell bei keiner anderen Band. Das Gesamtpaket aus Musik, kryptischen Texten, bodenständiger Ideologie und detailverliebten Artworks scheint zu stimmen. Die Leute merken, dass wir tatsächlich mit Leidenschaft zur Sache gehen. Der bessere Vertrieb und die Zusammenarbeit mit unserer neuen PR-Agentur trugen ebenfalls maßgeblich zur größeren Sichtbarkeit der Band bei.

SPIEGEL ONLINE: Für ihre mythischen, versponnenen, philosophischen Texte greifen Sie immer wieder auf die Geschichte Ihrer bayerischen Heimat zurück. Hat Horst Seehofer Ihnen bereits den Maximiliansorden für besondere künstlerische Verdienste in Aussicht gestellt?

Trummer: Ostbayern bietet einen gewaltigen Fundus an mündlicher und populärmagischer Überlieferung, fernab von Trachtenfolklorismus und Blasmusik. Für eine Heavy-Metal-Band, die sich für die dunklen Seiten der europäischen Kultur interessiert, bietet sich hier eine wahre Schatzgrube. Es muss ja nicht immer Satan sein. Wir stellen uns selbstredend gerne als Botschafter für bayerische Kultur - auch für bezahlte Auslandsaufenthalte - zur Verfügung, sofern unser Landesvater es für notwendig erachtet.

SPIEGEL ONLINE: Welche Heavy-Metal-Platten sollte man sich zulegen, wenn einem "The White Goddess" gefällt?

Trummer: Zu empfehlen wäre folgendes Siebengestirn: "Twilight Of The Gods" von Bathory, "Into Glory Ride" von Manowar, "Mighty & Superior" von Isen Torr, "Death's Crown Is Victory" von Solstice, "Hoagascht" von Lunar Aurora, "Bergtatt" von Ulver sowie "Demons And Wizards" von Uriah Heep.

Das Interview führte Boris Kaiser



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15 Leserkommentare
chuckal 21.03.2014
fridolinfunke 21.03.2014
12badmonkeys 21.03.2014
Gertrud Stamm-Holz 21.03.2014
maryrose 21.03.2014
schweden65volvo 21.03.2014
wittgensteinindmoll 21.03.2014
AndreasBieschke 22.03.2014
archivar1985 22.03.2014
hayakyu-ou 22.03.2014
kponskibeat 22.03.2014
homerjay81 22.03.2014
sexobjekt 22.03.2014
wetterbericht 22.03.2014
Everdying 24.03.2014

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