Amtlich

"Amtlich" Exklusiv Kylesa - "Ultraviolet" komplett im Album-Stream

Kylesa: Manchmal ist das Leben halt gemein zu einem. Zur Großansicht
Geoff L Johnson Photography

Kylesa: Manchmal ist das Leben halt gemein zu einem.

Südstaaten und harte Gitarren? Es gibt ja Leute, die dabei immer noch vor allem an Lynyrd Skynyrd denken. Diese Leute verdienen unser Mitleid. Und unsere Hilfe: Das neue Album von Kylesa - "Ultraviolet" - gibt's im "Amtlich"-Spezial exklusiv vorab zu hören. In voller Länge.

Wer Nacht für Nacht davon träumt, dass ihm die Zähne ausfallen und sich der Mund füllt mit einem Brei aus Blut, aus Knochensplittern und aus Zahnresten, während er doch eigentlich die ganze Zeit einem Menschen, der ihm nahe steht, dringend etwas sagen will, der hat ein Problem.

Wenn also das neue Kylesa-Album "Ultraviolet" (Season of Mist, erscheint am 28. Mai), das sechste der Band und Nachfolgewerk des auch in genrefernen Kreisen abgefeierten "Spiral Shadows", so klingt, wie es klingt, mag das am nächtlichen Albdruck von Laura Pleasants liegen, der die schönste Ex-Punkette aus ganz Greensboro, North Carolina, auf einer ihrer letzten Tourneen regelmäßig heimsuchte und der, man ist ja küchenpsychologisch geschult, nur Symptom und Verarbeitungsversuch eines tiefen Einschnitts in ihrem täglichen Leben gewesen sein muss; sie durchlitt offenbar eine Phase, die der Amerikaner an sich gern als "hands down the worst period of my life" bezeichnet, man kennt das ja.

Details dazu verrät uns die Sängerin und Gitarristin in Interviews kluger- und sympathischerweise nicht, das gilt genauso für ihren Band-Kompagnon Philip Cope, ebenfalls Gesang und Gitarre und - ungewollt - offenbar ebenfalls eher auf der schattigen Seite des Lebens unterwegs in den letzten Jahren.

Davon erzählt die Musik ihres Doppel-Drums-Quintetts dann wiederum genug, das uns auf "Ultraviolet" in überraschend düstere Gefilde führt. Bisher war das Sludgestonershoegazer-Ensemble Kylesa ja eher für seine energiesatten, virtuos und kraftvoll vorwärts getriebenen, durch psychedelisches Kreiselgitarrengeschrammel und angepunkte Gesangsschichten gebrochenen Songs bekannt, die zeitweise von wütender Trauer getränkt waren.

All das bieten Kylesa auch hier. Doch nie zuvor haben sie eine so entschlossene Dichte im Material erreicht und statt wilder Gefühlswallungen weht einem auf "Ultraviolet" oft eher das untergründige Dauerrauschen eines Schmerzes ans Ohr, vertont hier und da als dezent untergemischtes, waberndes Elektrosound-Gebuzze. Hier hat das Leben jemanden verändert, für immer.

Kylesa 2013? Nicht schwärzer als zuvor. Eher grauer. Ruhiger. Schöner? Ja, irgendwie auch das.


Wir freuen uns, "Ultraviolet" im exklusiven Album-Stream präsentieren zu dürfen.
Eine ausführliche Rezension folgt.

tdo

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Forum - Amtlich - und Ihre Meinung zum Metal?
insgesamt 510 Beiträge
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1.
Kuechenchef 05.05.2011
Tides from Nebula habe ich neulich live gesehen, es scheinen recht nette, unprätentiöse Zeitgenossen zu sein. Der musikalische Eindruck war obendrein exzellent. Was aber letztlich nichts daran ändert: postrock ist ja doch irgendwie nur eine Krücke für manche erwachsene Männer, die zwar einerseits auf Pomp, Bombast und Pathos nicht immer verzichten mögen, deren Fremdschämtoleranzgrenze (womöglich verschoben im Laufe der Jahre) aber andererseits deutlich zu hoch angesiedelt ist, um "Gesang" und/oder "Texte" klassischer Metal-Kapellen noch ertragen zu können. Blood Ceremony ist ganz ok, Black Mountain ist mir aber lieber, denn da wird weitesgehend auf Flöten verzichtet. FLÖTEN. Vielleicht das Heavy Metal-Instrument schlechthin, denn zumindest für meine Ohren klingen sie, als kämen sie direkt aus der Hölle. Warum Iren mit verzerrten Gitarren jammern und nölen dürfen, die ohne aber nicht, erschließt sich mir abschließend irgendwie aber trotzdem oder gerade deshalb rein gar nicht.
2.
Volker Paul 06.05.2011
Zitat von KuechenchefTides from Nebula habe ich neulich live gesehen, es scheinen recht nette, unprätentiöse Zeitgenossen zu sein. Der musikalische Eindruck war obendrein exzellent. Was aber letztlich nichts daran ändert: postrock ist ja doch irgendwie nur eine Krücke für manche erwachsene Männer, die zwar einerseits auf Pomp, Bombast und Pathos nicht immer verzichten mögen, deren Fremdschämtoleranzgrenze (womöglich verschoben im Laufe der Jahre) aber andererseits deutlich zu hoch angesiedelt ist, um "Gesang" und/oder "Texte" klassischer Metal-Kapellen noch ertragen zu können. Blood Ceremony ist ganz ok, Black Mountain ist mir aber lieber, denn da wird weitesgehend auf Flöten verzichtet. FLÖTEN. Vielleicht das Heavy Metal-Instrument schlechthin, denn zumindest für meine Ohren klingen sie, als kämen sie direkt aus der Hölle. Warum Iren mit verzerrten Gitarren jammern und nölen dürfen, die ohne aber nicht, erschließt sich mir abschließend irgendwie aber trotzdem oder gerade deshalb rein gar nicht.
Herr jeh ... fein, fein. Aber die Pentagram-Scheibe finde ich trotzdem gut.
3. Frei ohne Titel
Shiraz 23.05.2011
Zitat von sysopJan Wigger und Thorsten Dörting besprechen in der neuen Kolumne "Amtlich" aktuelle Metal-Alben - jeden ersten Donnerstag im Monat. Ihre Meinung? Welches sind besten neuen Metal-Werke?
Ich habe nie verstanden, warum Metal manchmal in der Kategorie Musik erscheint. Halte das für ein Missverständnis. Eigentlich ist es nur Lärm, vergleichbar einem Presslufthammer oder einem startenden Flugzeug.
4. re
marks & spencer 23.05.2011
Zitat von ShirazIch habe nie verstanden, warum Metal manchmal in der Kategorie Musik erscheint. Halte das für ein Missverständnis. Eigentlich ist es nur Lärm, vergleichbar einem Presslufthammer oder einem startenden Flugzeug.
Dann bleiben Sie doch lieber bei Ihren Schlagern.
5. Nix Versteh
kingofmetal 24.05.2011
Zitat von ShirazIch habe nie verstanden, warum Metal manchmal in der Kategorie Musik erscheint. Halte das für ein Missverständnis. Eigentlich ist es nur Lärm, vergleichbar einem Presslufthammer oder einem startenden Flugzeug.
Gut, dass Sie zugeben, keine Ahnung zu haben. Metal ist nämlich viel lauter... :-)
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