Steel Panther - "Balls Out"
(Universal Republic, bereits erschienen)
Anspruch: "Stop threatening the bitches on my Facebook page/ Or I'm gonna rip your head off in a cocaine rage/ Why you gotta check my prison history?/ Baby, why can't we just let it be a mystery?/ Besides everyone knows it was YOU/ Who blew Justin Bieber at the petting zoo/ Why can't you trust me, baby?" Das sind eben die Nachteile, wenn man in einer Beziehung leben muss. Und wüssten wir's ohne Steel Panther? (8,5)
Artwork: Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eines der beschissensten Booklets der Hair-Metal-Geschichte: Die erbärmlichsten Tattoos (Blumen, Feuerräder, Salamander, Mamas Mädchenname), lip gloss for men, Bandanas, Eierschoner, Badelatschen und Plastikmöpse. Das Plattencover: die traurige Version von Weens "Chocolate & Cheese". (3)
Aussehen: Als hätte man den Bret Michaels des Jahres 1987 viermal klonen lassen und ganz West Hollywood wochenlang nach einer letzten Perücke abgesucht, die noch geschmackloser ist als die drei davor. Open up and say: Rrröööaaarrr! (6,5)
Aussagen: "If you download our CD for free, we will load up your girlfriend with sperm for free!". Noch Fragen, Mr. Big? (9,5) Jan Wigger
Uncle Acid And The Deadbeats - "Blood Lust"
(Killer Candy Records/ Svart Records, bereits erschienen)
Zwei Indizien sprechen dafür. Erstens könnte hinter dem Pseudonym Uncle Acid, der sich im Booklet als Sänger ausweist, rein stimmlich tatsächlich eine Frau stecken, ein bisschen irre wäre sie vermutlich, aber das passt ja zu Linda. Außerdem, und jetzt folgt Indiz Nummer zwo, hat John de Mol, Lindas Bruder, der sein Geld als TV- und Filmproduzent (Endemol) verdient und wegen diverser Verbrechen gegen die Menschlichkeit ("Big Brother", "Nur die Liebe zählt") gesucht wird, vor einigen Jahren die Rechte an der Marke Hammer Films gekauft. Hammer Films, das war eine legendäre Produktionsfirma, die zwischen den fünfziger und siebziger Jahren Schauspieler wie Christopher Lee, Peter Cushing und Oliver Reed im gefühlten Drei-Monats-Takt auf die Leinwand schickte. In sehr atmosphärischen, sehr trashigen Grusel-Horror- und Science-Fiction-Filmen, die allesamt ein unbedingter Stilwille auszeichnete, mussten die Herren dann reihenweise Jungfrauen, Hexen oder sonst was meucheln. Und im Dienst eben jener von John de Mol reanimierten Hammer-Film-Studios stehen nun offenbar Uncle Acid And The Deadbeats. Vermutlich hat der Holländer sie als Vertragsband für die Soundtracks verpflichtet, um den großen Geist der Vergangenheit heraufzubeschwören. Wie sonst soll man sich diese Musik erklären?
Hexen verbrennen, in Serie morden, beim Ficken töten, solche Beschäftigungen gelten ja heutzutage als eher unpopulär, was insofern nicht nachvollziehbar ist, weil unser gesellschaftlicher Konsens manche Tätigkeiten nicht nur toleriert, sondern sogar als vorbildhaft preist, die weitaus menschenverachtender sind: BWL studieren etwa oder Mitglied der sogenannten "Generation Benedikt" sein. Das alles verstehe wer will, ich jedenfalls tue es nicht, zumal mir die eine oder andere Frau zum Abfackeln schon einfiele, gehen wir besser nicht ins Detail. Und auch Uncle Acid und die Deadbeats haben so ihre liebe Mühe mit unseren Konventionen, vermutlich fingen sie ursprünglich mit dem Musizieren an, um ihre als von Mama, Papa und Oma als pervers gescholtenen Gelüste zu sublimieren.
Mit mehr als nur einem Hauch von Wahn schleppt sich das Trio aus England also durch neun tiefschwarzhumorig schillernde Doom-Metal-Songs, aufgehellt von einer Prise frühen Stoner Rocks (MC5) und ein paar LSD-Pillen; wer unbedingt einen zeitgenössischen Vergleich braucht, der möge an Devil aus Norwegen denken oder die Italiener von Black Oath, nur verfügen die drei Acids über größere Songwriting-Skills. Schwer- und eingängig riffen sie sich durch scheinbar nie enden wollende Täler unserer kümmerlichen Existenz, zwischendurch wird der Hörer dezent psychedelisch durchgeorgelt ("Withered Hand Of Evil"!) und über allem quäkt unheilvoll meckernd das falsettartige Organ von Uncle (oder doch Aunt?) Acid. Selbstverständlich ist das Album analog produziert, da schmirgelt's, knarzt's und pfeift's allerorten und tatsächlich kam "Blood Lust" bereits Mitte des Jahres heraus, mehrheitlich zunächst auf Vinyl, in einer flugs vergriffenen Mini-Auflage. Jetzt hat sich erst mal das ja auch nicht riesige Label Svart Records aus Finnland den Vertrieb für die CD-Version gesichert. Die dort gerade erschienene und bald schon vergriffene Auflage beträgt 1000 Exemplare. Wenn ich's richtig sehe, muss man derzeit noch direkt bei den Finnen ordern, die haben's verdient mit ihrem tollen Programm, nein, ich bekomme da keine Prozente. Sehen Sie's so: Zu Weihnachten sollte jeder etwas Gutes tun. Auch sich selbst. (Gesamtwertung: 8,5) Thorsten Dörting
Anspruch: Dem Bubblegum-Shockrocker Marilyn Manson zeigen, was eine Horror-Harke ist. (8,5)
Artwork: Liebevoll. Hinten, vorne, mittendrin: handgemachte Horrorfilmplakat-Motive im Retrostil. Die weit aufgerissenen Augen und der sinnliche Mund der Vampirhexenamazone auf dem Cover drückt aus, was der Titel des Albums verspricht. Blut. Lust. Und außerdem ist die Front mit einem großgedruckten Hinweis versehen: "Stereo"! (8,5)
Aussehen: Im Booklet findet sich nur ein Foto, das Sänger/in Uncle Acid bei Nacht in den pittoresken Gassen von Cambridge zeigt, in den Slaughterhouse Studios des englischen Uni-Städtchens soll das Album angeblich produziert worden sein. Die fotografierte Person trägt eine breitkrempigen Hut, ist im Dämmerlicht nur schemenhaft zu erkennen, man denkt an Jack The Ripper, das ist schön, hilft uns aber nicht weiter. Gehen wir also für einen Moment von dem unwahrscheinlichen Fall aus, dass die oben dargelegte Linda-De-Mol-Theorie nicht stimmt. Bleibt nur folgende Möglichkeit: Bei den drei Musikern handelt es sich um hochbegabte, überirdisch schöne Filmstudentinnen der Elite-Universität Cambridge, die bei einem satanischen Sex-Ritual mit der Ehefrau des Uni-Rektors (zweckentfremdete Teufelshörner) erwischt und daraufhin exmatrikuliert wurden. Spätestens im Frühjahr werden sie sich deshalb mit einer Mordserie ungeahnten Ausmaßes rächen. Daher mein Rat: Sichern Sie sich rechtzeitig ein Album! Im hohen Alter schlagen Sie die makabre Devotionalie einfach für den Gegenwert eines Einfamilienhauses bei Ebay los ("Daran klebt echtes Blut") und müssen keinen Gedanken mehr an Ihre magere Rente verschwenden. (ohne Wertung)
Aussagen: Fürchten Sie sich allein im Dunkeln? Sie haben Grund dazu. (9,5) Thorsten Dörting
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