Amtlich

Amtlich Die wichtigsten Metal-Alben des Monats

Helloween: Straight Out Of Hell! Das hätten Sie jetzt nicht vermutet, oder? Zur Großansicht
Sandra Ludewig

Helloween: Straight Out Of Hell! Das hätten Sie jetzt nicht vermutet, oder?

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Ja, Helloween sind zurück - und Millionen Kürbiskopfe glücklich. Saxon werfen den Karnevalsorden Metallonia Colonia auf den Markt. Wer gern in den hohen Norden reist, sollte es mit The Flight Of Sleipnir versuchen. Außerdem: Kleines von Jess And The Ancient Ones und Großes von Fleetwood Mac.

Helloween - "Straight Out Of Hell"
(Dragnet/ Columbia/ Sony)

Hallo Leute, hier ist er nun endlich, mein vorerst letzter Text. Vielleicht auch angelehnt an Yngwie Malmsteen, der in Sam Dunns gewohnt glorioser "Metal Evolution"-Reihe den größten Moment von allen hatte: Denn irgendein Produzent riet Yngwie wohl mal, eventuell nicht ganz so dick aufzutragen, frei nach dem Motto: Weniger ist mehr. Und dann sieht man den Gitarrenkaiser, wie er in einem roten Ferrari in seine Toreinfahrt einbiegt, wo noch etwa neun weitere, völlig identische rote Ferraris parken, und total Joey-Heindle-mäßig und in vollem Ernst folgende rhetorische Frage stellt: "How can less be more? That's impossible. More is more!" Nach dieser Maxime verfahren seit jeher die einstmals hanseatischen Happy-Metal-Honks Helloween, die seit mehreren Ewigkeiten meist aus Teneriffa grüßen, weit weg von allen Untergangsszenarien, die Fronthupe Andi Deris ohnehin noch nie so richtig anbockten: "Alles Bullshit! Wir alle werden das Jahr 2012 überstehen und dann noch positiver und vitaler in die Zukunft schauen!" Puh, harter Tobak, Andi, soll ich die Rezi jetzt an dieser Stelle einfach mal abkürzen und "Wieder mal feinste Ware von den fünf Kürbisköpfen!" schreiben? Nee, das stand sicher schon im "Rock it!", und den besten Satz zur Platte/ zur Gesamtsituation hatte ja sowieso das "Rock Hard" parat: "Ob die Taschentücher heute eine Eiweiß- oder Tränenbeschichtung bekommen, wird sich bald herausstellen."

Also gut, muß ja: "Wanna Be God", offensichtlich als Hommage an Freddie Mercury gedacht, ist echt mal kagge und verhält sich zu den ersten sieben Queen-Alben wie Bohlens Teppichluder zu Germany's-Next-Top-Model-Göttin Tessa. "Nabataea" handelt selbstredend von einem versunkenen und irgendwann später mal ausgegrabenen Königreich in der jordanischen Wüste (was soll man auch machen, wenn grade kein Fußball im Fernsehen läuft?) und "Live Now!" ("das für uns Kleine gedacht ist, wir kleinen Leute sollen unser Leben auch genießen, die Wichtigkeit des Tages erkennen", total unangenehmes Deris-Statement!) davon, wie man vor hundert Jahren mal "Future World" und "I Want Out" geschrieben hat, und das jetzt einfach noch einmal macht.

Helloween: Mist, schon wieder kein Fußball inner Glotze. Zur Großansicht
Sandra Ludewig

Helloween: Mist, schon wieder kein Fußball inner Glotze.

"Far From The Stars" haut als sehr ordentliche Maiden/Lizzy-Nummer so richtig rein, "Burning Sun" sollte Kiske mal einsingen und "Waiting For The Pain" ist lecker Rönnebeck-Stöffche mit den beliebten Gaga-Lyrics. Nicht zu vergessen: "Hold Me In Your Arms", die dringend benötigte Bügelballade, die wohl nur schreiben kann, wer dem Raum Karlsruhe entstammt (Aaah, jetzt kommt wieder böse Post vom längst vergessenen KSC-Fanclub "Quetsche-Power"). Bester Song: "Years", with kudos to "Walls Of Jericho". Hobbit-Metaller, die nichts von der Existenz Bob Dylans wissen, brauchen natürlich auch diese Platte. Not that there's anything wrong with that. (Gesamtwertung: 7) Jan Wigger

Anspruch: Hahaha. Die Millionen Helloween-Fans zufrieden stellen vielleicht? Und das ist, schau an, schau an, wie immer gelungen: "Das Album hört sich für mich einfach wieder nach Helloween an. Es gibt die schnellen Stücke, es gibt die Balladen, und es gibt wie immer und typisch für Helloween die stylistischen Ausreißer. Das Alum versprüht gute Laune und positive Vibes. Und genau so will ich Helloween hören!" Und wer wären wir, der ersten Amazon-Rezension eines echten Kürbis-Fanatikers zu widersprechen? Außerdem: Sensationell hoher Charts-Einstieg, ihr Penner! (8)

Artwork: "Lächerlich, und aber auch normal." (Helge Schneider) (4,5)

Aussehen: Das waren doch die Türsteher der Rockfabrik Ludwigsburg, oder? (7,5)

Aussagen: "pure Authentizität", "noch kompakter und homogener", "von nichts und niemandem unter Druck setzen lassen", "Optimismus und unbändige Spielfreude", "haben uns die Freiheit genommen", "Hey, ich bin zwar klein, kann aber trotzdem mit meinem Verstand Großartiges vollbringen, und das ist doch klasse", "Die Ballade ist Saschas Frau gewidmet", "Die Essenz muss sein: Der Tag muss geil werden!" "'n büsschen Ingwer fehlt" - was man halt so sagt, wenn man wieder mal auf Tour war, statt Guy Debord zu lesen. Muss es auch geben, Kinners! (7) Jan Wigger

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Forum - Amtlich - und Ihre Meinung zum Metal?
insgesamt 510 Beiträge
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1.
Kuechenchef 05.05.2011
Tides from Nebula habe ich neulich live gesehen, es scheinen recht nette, unprätentiöse Zeitgenossen zu sein. Der musikalische Eindruck war obendrein exzellent. Was aber letztlich nichts daran ändert: postrock ist ja doch irgendwie nur eine Krücke für manche erwachsene Männer, die zwar einerseits auf Pomp, Bombast und Pathos nicht immer verzichten mögen, deren Fremdschämtoleranzgrenze (womöglich verschoben im Laufe der Jahre) aber andererseits deutlich zu hoch angesiedelt ist, um "Gesang" und/oder "Texte" klassischer Metal-Kapellen noch ertragen zu können. Blood Ceremony ist ganz ok, Black Mountain ist mir aber lieber, denn da wird weitesgehend auf Flöten verzichtet. FLÖTEN. Vielleicht das Heavy Metal-Instrument schlechthin, denn zumindest für meine Ohren klingen sie, als kämen sie direkt aus der Hölle. Warum Iren mit verzerrten Gitarren jammern und nölen dürfen, die ohne aber nicht, erschließt sich mir abschließend irgendwie aber trotzdem oder gerade deshalb rein gar nicht.
2.
Volker Paul 06.05.2011
Zitat von Kuechenchef... erschließt sich mir abschließend irgendwie aber trotzdem oder gerade deshalb rein gar nicht.
Herr jeh ... fein, fein. Aber die Pentagram-Scheibe finde ich trotzdem gut.
3. Frei ohne Titel
Shiraz 23.05.2011
Zitat von sysopJan Wigger und Thorsten Dörting besprechen in der neuen Kolumne "Amtlich" aktuelle Metal-Alben - jeden ersten Donnerstag im Monat. Ihre Meinung? Welches sind besten neuen Metal-Werke?
Ich habe nie verstanden, warum Metal manchmal in der Kategorie Musik erscheint. Halte das für ein Missverständnis. Eigentlich ist es nur Lärm, vergleichbar einem Presslufthammer oder einem startenden Flugzeug.
4. re
marks & spencer 23.05.2011
Zitat von ShirazIch habe nie verstanden, warum Metal manchmal in der Kategorie Musik erscheint. Halte das für ein Missverständnis. Eigentlich ist es nur Lärm, vergleichbar einem Presslufthammer oder einem startenden Flugzeug.
Dann bleiben Sie doch lieber bei Ihren Schlagern.
5. Nix Versteh
kingofmetal 24.05.2011
Zitat von ShirazIch habe nie verstanden, warum Metal manchmal in der Kategorie Musik erscheint. Halte das für ein Missverständnis. Eigentlich ist es nur Lärm, vergleichbar einem Presslufthammer oder einem startenden Flugzeug.
Gut, dass Sie zugeben, keine Ahnung zu haben. Metal ist nämlich viel lauter... :-)
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