Amtlich Special: Die wichtigsten Metal-Alben des Monats

Von Thorsten Dörting, Boris Kaiser und Jan Wigger

2. Teil: Männer, macht die Beine breit! - Vanderbuyst und Züül

Year Of The Goat aus Schweden: Sollte man mal gehört haben. Nee, echt jetzt.Zur Großansicht
Thorsten Dörting

Year Of The Goat aus Schweden: Sollte man mal gehört haben. Nee, echt jetzt.

Vanderbuyst - "The Flying Dutchmen"
(Ván/Soulfood)

Züül - "To The Frontlines"
(High Roller Records)

Während Boris "Bubsi" Kaiser werktags die journalistische Glaubwürdigkeit seines in Dortmund ansässigen Arbeitgebers mit dem frivolen Drehen feuilletonistischer Locken auf Götzens Glatze leichtfertig aufs Spiel setzt, reist er am Wochenende regelmäßig in die deutsche Hauptstadt, wo er sich im Spa des Adlon zunächst die letzten Spuren echten Malochergeruchs mit Bio-Öl von weißen Trüffeln aus dem Latium (siebeneurofuffzich der Milliliter) aus den Poren rubbeln lässt, um danach vor den versammelten Alphatierjournalisten der Berliner Republik seine eitlen Wortkunstexperimente zu rezitieren (siehe Attic-Review). Tja, liebe Leute - der Metal wäre längst tot, müsste er sich auf Verbündete wie ihn verlassen. Aber zum Glück verteidigen ja andernorts - etwa in Carbondale, Illinois oder in Holland - standhafte Männer eine sehr simple Wahrheit: Handwerk hat noch immer goldenen Boden, zumindest im moralisch-musikalischen Sinne.

Dass nun mit Vanderbuyst und Züül ausgerechnet drei Holländer bzw. fünf US-Amerikaner besser als unser Ruhrpott-Kaiser begriffen haben, was ein bodenständiges, geerdetes Arbeitsethos ist und wo genau des Metallwerkers Herz am rechten Fleck sitzt, mag überraschen. Denn der Kaaskopp an sich trägt ja von Geburt an Oranje und die Nase viel zu hoch, während der Ami an sich das Begriffspaar "Arbeit" und "Ethos" zwar kennt, aber nur so, wie es ihm jeden Sonntag in seiner evangelikalen Kirchengemeinde gedeutet wird, nämlich nicht als Aufforderung ehrliche, saubere Handarbeit abzuliefern, sondern als Gebot, jeden Tag bis zur Besinnungslosigkeit zu knechten, damit Gott ihn lieb hat findet.

Vanderbuyst - Flying Dutchmen (Album-Prelistening)
Mehr Videos gibt es hier auf tape.tv!
Aber mittlerweile - Kollege Kaiser ist beileibe nicht das einzige Negativbeispiel - scheinen ja sogar die Holländer und die Amerikaner den Deutschen in Sachen grundanständigen Malochertums den Rang abgelaufen zu haben. Verwundern kann das natürlich kaum, denn weder das holländische noch das US-amerikanische Volk sind dem moralzersetzenden Wirken eines Peer Steinbrück ausgesetzt. Der Mietmund und Linksschauspieler von der SPD verlangte kürzlich sogar von einer Supermarkt-Kassiererin ein fünfstelliges Vortragshonorar, weil er sie beim Bezahlen versehentlich angerülpst hatte; ein Gebaren, mit dem Steinbrück das sozialdemokratische Kernversprechen halbwegs gerechter Einkommensstrukturen derart lustvoll verspottet, wie er es sonst nur mit Fragestellern im Fernsehen tut, wenn bei einem Interview mal wieder so ein dahergelaufener Mikrofonhalter von ARD oder ZDF nicht begreifen will, warum nur der Peer allein weiß, wie die Sache hier jetzt zu wuppen ist, und zwar egal welche.

Die demonstrative Gesinnungsbreitbeinigkeit von Silverback Steinbrück spricht übrigens dafür, dass er über Gen-Material verfügt, mit dem er auch Macker-Mucker wie den Züül-Bassisten Bob Scott oder den Vanderbuyst-Chef Willem Verbuyst gezeugt haben könnte, die ja bekanntlich beide in Waisenhäuser aufwachsen mussten, und deren Eltern bis heute nicht bekannt sind. Dass die zwei Früchtchen aus Peer Steinbrücks Lenden sein könnten, ist - zugegeben - eine ungewöhnliche Hypothese, zu der aber der berühmte Vergleich aus dem Munde von Old Stonebridge passt, mit dem der SPD-Rittmeister die in ihrer Steueroase nach deutschem Hinterziehergeld lechzenden Schweizer mit Indianern gleichsetzte, deren räuberisches Treiben man endlich beenden müsse, wie einst mit der "siebten Kavallerie vor Yuma, die man ausreiten lassen kann." Aus solchen Sätzen spricht eine Dickhodigkeit, dass man schon glauben will, Scott und Verbuyst stammten von Steinbrück ab. Dagegen spricht dann aber doch ein Charaktervergleich der drei Herren: Dem vermeintlichen Papa Peer geht die (in ihrem Fall musikalisch verbürgte) An- und Bodenständigkeit von Bob Scott und Willem Verbuyst ab, den beiden Musikern fehlt dafür Peer Steinbrücks Hang zum Karrierepragmatismus, und der sieht in Blue Jeans außerdem kacke aus.

Daher folgen wir der These, die kürzlich das wissenschaftliche Fachblatt Journal Of Genetics & Medical Musicology in einem von seiner Stammleserschaft (A. Himmelstein, F. Silbereisen und "der Irre von der Esso-Tanke") vielbeachteten Artikel vertrat. Demnach soll der niederländische Breitbeinmucker Verbuyst der Sohn einer Erotikdienstleisterin aus Amsterdam sein, die sich mit sexualgymnastischen Höchstleistungen ihr Berufspseudonym "Spagaat Konigin" hart erarbeitete, und die Ende der Siebziger aufgrund mangelhafter Arbeitsschutzvorkehrungen beim Geschäftsverkehr mit dem Rockmusiker Michael S. aus Hannover einen Unfall hatte ("Oh nee! Condoom gescheurd!!!"), als dessen Spätfolge neun Monate eben dieser Willem Verbuyst auf die Welt kam, der seine Hardrocker von Vanderbuyst mit seinem glorreichen Seventies-Gitarrengezocke nun zu ihrem dritten Album geführt hat.

Züül-Mann Bob Scott, der in Sachen breitbeinigen Musizierens dem Niederländer in Nichts nachsteht, verdankt seine Existenz - und damit auch sein Talent - hingegen einem Experiment des bereits in jungen Jahren sehr innovationsfreudigen Rick Rubin, der als Teenager einem Trödler einen alten Filmhut von John Wayne abluchste und aus einem darin gefundenen Haar etwas DNA-Material extrahierte, um damit Linda Di'Anno künstlich zu befruchten, die in Kalifornien lebende Schwips-Cousine siebten Grades von Paul Di'Anno, deren Gebärmutter Rubin damals für nur 6 Dollar und eine Kiste Budweiser mieten konnte, weil die Wohlfahrt mal wieder Zahlungsstopp gegen Linda verhängt hatte, ein Familienleiden, Sie verstehen. Die Befruchtung gelang jedenfalls, neun Monate später kamen zwei kerngesunde, zweieiige Zwillinge zur Welt. Doch während Bob Scotts Bruder Rob heute als arbeitsloser Pferdeflüsterer in New York kaum ein Auskommen findet, gelang es Bob dank seines Talents zum Bassspiel und seiner genetisch bedingten Vorliebe für den Metal der frühen Achtziger seinem Leben einen Sinn zu geben, den er bei Züül und auch bei den High Spirits jedes Mal aufs Neue findet.

So.

Kundige Leser wissen längst, wohin die Zeitreise geht: Vanderbuyst und Züül mit ihren sechs bzw. zehn Bandbeinen fest auf dem Boden der analogen Tatsachen und machen auf eine grundehrliche (und -sympathische) Art und Weise und mit ihrer eigenen Hände Arbeit eine Mugge, die irgendwann zwischen 1975 und 1982 mal neu gewesen sein soll, was natürlich beide Bands als irrelevant betrachten. Züül treiben ihre Songs mit unwiderstehlicher Energie nach vorne, ihre Musik ist rau, roh und trotz toller Doppelläufe ("Skullsplitter"!) ein schmutzig räudiges Etwas mit punkigen Einschlägen, ein wenig wie bei den frühen Maiden, mit meist simplen Strukturen, die aber nie langweilen, sondern mitreißen. Die Holländer haben dagegen fast durchgehend gute Laune, und am ehesten treffen sich die beiden wohl bei dem grandiosen Stampfhammer "Waiting In The Wings" von Vanderbuyst. (Gesamtwertung: 7,5 für beide) Thorsten Dörting

Anspruch: Naja, wir finden ja auch, dass dieses Elektrizitätsding neumodischer Schnickschnack ist, aber man muss auch mal mit der Zeit gehen. (5, beide)

Artwork: Kann mir jemand erklären, warum Drummer Barry van Esbroek auf dem Cover eindeutig liegt und nicht fliegt, wie es uns der Albumtitel weismachen will? Und warum er sich lasziv mit der linken Hand durchs Kopfhaar streicht? Doro? Bist du's? Doro??? (4,5, Vanderbuyst)

Hey Jungs, coole Sache, dass ihr die Kita-Kritzelei meines Neffen fürs Cover genommen habt, aber vergesst bloß sein Honorar nicht! Wie gesagt: Er mag am liebsten die gelben Gummibärchen. (6, Züül)

Aussehen: Vertrauen Sie diesen Typen einen Golf II an, und sie verwandeln ihn in einen Ford Mustang GT Bullitt. Vertrauen Sie diesen Typen ihre Villa an, und sie verwandeln sie in einen Bauplatz. (8,5, beide)

Aussagen: Immer schön bescheiden sein, ein flotter Dreier reicht zum Glücklichsein. (Vanderbuyst, 9). Vanderbuyst sind Streber! (Züül, 10). Thorsten Dörting

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insgesamt 455 Beiträge
Kuechenchef 05.05.2011
Tides from Nebula habe ich neulich live gesehen, es scheinen recht nette, unprätentiöse Zeitgenossen zu sein. Der musikalische Eindruck war obendrein exzellent. Was aber letztlich nichts daran ändert: postrock ist ja doch [...]
Tides from Nebula habe ich neulich live gesehen, es scheinen recht nette, unprätentiöse Zeitgenossen zu sein. Der musikalische Eindruck war obendrein exzellent. Was aber letztlich nichts daran ändert: postrock ist ja doch irgendwie nur eine Krücke für manche erwachsene Männer, die zwar einerseits auf Pomp, Bombast und Pathos nicht immer verzichten mögen, deren Fremdschämtoleranzgrenze (womöglich verschoben im Laufe der Jahre) aber andererseits deutlich zu hoch angesiedelt ist, um "Gesang" und/oder "Texte" klassischer Metal-Kapellen noch ertragen zu können. Blood Ceremony ist ganz ok, Black Mountain ist mir aber lieber, denn da wird weitesgehend auf Flöten verzichtet. FLÖTEN. Vielleicht das Heavy Metal-Instrument schlechthin, denn zumindest für meine Ohren klingen sie, als kämen sie direkt aus der Hölle. Warum Iren mit verzerrten Gitarren jammern und nölen dürfen, die ohne aber nicht, erschließt sich mir abschließend irgendwie aber trotzdem oder gerade deshalb rein gar nicht.
Volker Paul 06.05.2011
Herr jeh ... fein, fein. Aber die Pentagram-Scheibe finde ich trotzdem gut.
Zitat von Kuechenchef... erschließt sich mir abschließend irgendwie aber trotzdem oder gerade deshalb rein gar nicht.
Herr jeh ... fein, fein. Aber die Pentagram-Scheibe finde ich trotzdem gut.
Jeanette1990 23.05.2011
Mein Freund liebt Bände wie Slayers und Sepultura... Er hat tausende CDs von dem. Gut dass wir umgezogen sind, er sollte alles hier verkaufen (http://www.verkaufen.org/), weil wir nicht genug Platz in unserer neue Wohnung haben. [...]
Mein Freund liebt Bände wie Slayers und Sepultura... Er hat tausende CDs von dem. Gut dass wir umgezogen sind, er sollte alles hier verkaufen (http://www.verkaufen.org/), weil wir nicht genug Platz in unserer neue Wohnung haben. Er hat trotzdem alles noch auf seinem MP3 Player und ich muss nicht mehr diese Musik durchhalten. Ich weiss, jede hat seine Geschmäcke und ich liebe ihn auch weil er nicht wie die andere Leute ist (er denkt mehr, versteht alles in dieser Welt) aber diese Musik ! Hilfe... Tut mir Leid... :-)
Shiraz 23.05.2011
Ich habe nie verstanden, warum Metal manchmal in der Kategorie Musik erscheint. Halte das für ein Missverständnis. Eigentlich ist es nur Lärm, vergleichbar einem Presslufthammer oder einem startenden Flugzeug.
Zitat von sysopJan Wigger und Thorsten Dörting besprechen in der neuen Kolumne "Amtlich" aktuelle Metal-Alben - jeden ersten Donnerstag im Monat. Ihre Meinung? Welches sind besten neuen Metal-Werke?
Ich habe nie verstanden, warum Metal manchmal in der Kategorie Musik erscheint. Halte das für ein Missverständnis. Eigentlich ist es nur Lärm, vergleichbar einem Presslufthammer oder einem startenden Flugzeug.
marks & spencer 23.05.2011
Dann bleiben Sie doch lieber bei Ihren Schlagern.
Zitat von ShirazIch habe nie verstanden, warum Metal manchmal in der Kategorie Musik erscheint. Halte das für ein Missverständnis. Eigentlich ist es nur Lärm, vergleichbar einem Presslufthammer oder einem startenden Flugzeug.
Dann bleiben Sie doch lieber bei Ihren Schlagern.
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  • Montag, 03.12.2012 – 19:02 Uhr
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"Abgehört" und "Amtlich" live
"Amtlich"-Gastautor Boris Kaiser
  • Boris Kaiser, 38, ist Textchef beim "RockHard", dem Zentralorgan der deutschen Metal-Szene.







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