Von Thorsten Dörting, Boris Kaiser und Jan Wigger
Vanderbuyst - "The Flying Dutchmen"
(Ván/Soulfood)
Züül - "To The Frontlines"
(High Roller Records)
Dass nun mit Vanderbuyst und Züül ausgerechnet drei Holländer bzw. fünf US-Amerikaner besser als unser Ruhrpott-Kaiser begriffen haben, was ein bodenständiges, geerdetes Arbeitsethos ist und wo genau des Metallwerkers Herz am rechten Fleck sitzt, mag überraschen. Denn der Kaaskopp an sich trägt ja von Geburt an Oranje und die Nase viel zu hoch, während der Ami an sich das Begriffspaar "Arbeit" und "Ethos" zwar kennt, aber nur so, wie es ihm jeden Sonntag in seiner evangelikalen Kirchengemeinde gedeutet wird, nämlich nicht als Aufforderung ehrliche, saubere Handarbeit abzuliefern, sondern als Gebot, jeden Tag bis zur Besinnungslosigkeit zu knechten, damit Gott ihn lieb hat findet.
Die demonstrative Gesinnungsbreitbeinigkeit von Silverback Steinbrück spricht übrigens dafür, dass er über Gen-Material verfügt, mit dem er auch Macker-Mucker wie den Züül-Bassisten Bob Scott oder den Vanderbuyst-Chef Willem Verbuyst gezeugt haben könnte, die ja bekanntlich beide in Waisenhäuser aufwachsen mussten, und deren Eltern bis heute nicht bekannt sind. Dass die zwei Früchtchen aus Peer Steinbrücks Lenden sein könnten, ist - zugegeben - eine ungewöhnliche Hypothese, zu der aber der berühmte Vergleich aus dem Munde von Old Stonebridge passt, mit dem der SPD-Rittmeister die in ihrer Steueroase nach deutschem Hinterziehergeld lechzenden Schweizer mit Indianern gleichsetzte, deren räuberisches Treiben man endlich beenden müsse, wie einst mit der "siebten Kavallerie vor Yuma, die man ausreiten lassen kann." Aus solchen Sätzen spricht eine Dickhodigkeit, dass man schon glauben will, Scott und Verbuyst stammten von Steinbrück ab. Dagegen spricht dann aber doch ein Charaktervergleich der drei Herren: Dem vermeintlichen Papa Peer geht die (in ihrem Fall musikalisch verbürgte) An- und Bodenständigkeit von Bob Scott und Willem Verbuyst ab, den beiden Musikern fehlt dafür Peer Steinbrücks Hang zum Karrierepragmatismus, und der sieht in Blue Jeans außerdem kacke aus.
Züül-Mann Bob Scott, der in Sachen breitbeinigen Musizierens dem Niederländer in Nichts nachsteht, verdankt seine Existenz - und damit auch sein Talent - hingegen einem Experiment des bereits in jungen Jahren sehr innovationsfreudigen Rick Rubin, der als Teenager einem Trödler einen alten Filmhut von John Wayne abluchste und aus einem darin gefundenen Haar etwas DNA-Material extrahierte, um damit Linda Di'Anno künstlich zu befruchten, die in Kalifornien lebende Schwips-Cousine siebten Grades von Paul Di'Anno, deren Gebärmutter Rubin damals für nur 6 Dollar und eine Kiste Budweiser mieten konnte, weil die Wohlfahrt mal wieder Zahlungsstopp gegen Linda verhängt hatte, ein Familienleiden, Sie verstehen. Die Befruchtung gelang jedenfalls, neun Monate später kamen zwei kerngesunde, zweieiige Zwillinge zur Welt. Doch während Bob Scotts Bruder Rob heute als arbeitsloser Pferdeflüsterer in New York kaum ein Auskommen findet, gelang es Bob dank seines Talents zum Bassspiel und seiner genetisch bedingten Vorliebe für den Metal der frühen Achtziger seinem Leben einen Sinn zu geben, den er bei Züül und auch bei den High Spirits jedes Mal aufs Neue findet.
So.
Kundige Leser wissen längst, wohin die Zeitreise geht: Vanderbuyst und Züül mit ihren sechs bzw. zehn Bandbeinen fest auf dem Boden der analogen Tatsachen und machen auf eine grundehrliche (und -sympathische) Art und Weise und mit ihrer eigenen Hände Arbeit eine Mugge, die irgendwann zwischen 1975 und 1982 mal neu gewesen sein soll, was natürlich beide Bands als irrelevant betrachten. Züül treiben ihre Songs mit unwiderstehlicher Energie nach vorne, ihre Musik ist rau, roh und trotz toller Doppelläufe ("Skullsplitter"!) ein schmutzig räudiges Etwas mit punkigen Einschlägen, ein wenig wie bei den frühen Maiden, mit meist simplen Strukturen, die aber nie langweilen, sondern mitreißen. Die Holländer haben dagegen fast durchgehend gute Laune, und am ehesten treffen sich die beiden wohl bei dem grandiosen Stampfhammer "Waiting In The Wings" von Vanderbuyst. (Gesamtwertung: 7,5 für beide) Thorsten Dörting
Anspruch: Naja, wir finden ja auch, dass dieses Elektrizitätsding neumodischer Schnickschnack ist, aber man muss auch mal mit der Zeit gehen. (5, beide)
Artwork: Kann mir jemand erklären, warum Drummer Barry van Esbroek auf dem Cover eindeutig liegt und nicht fliegt, wie es uns der Albumtitel weismachen will? Und warum er sich lasziv mit der linken Hand durchs Kopfhaar streicht? Doro? Bist du's? Doro??? (4,5, Vanderbuyst)
Hey Jungs, coole Sache, dass ihr die Kita-Kritzelei meines Neffen fürs Cover genommen habt, aber vergesst bloß sein Honorar nicht! Wie gesagt: Er mag am liebsten die gelben Gummibärchen. (6, Züül)
Aussehen: Vertrauen Sie diesen Typen einen Golf II an, und sie verwandeln ihn in einen Ford Mustang GT Bullitt. Vertrauen Sie diesen Typen ihre Villa an, und sie verwandeln sie in einen Bauplatz. (8,5, beide)
Aussagen: Immer schön bescheiden sein, ein flotter Dreier reicht zum Glücklichsein. (Vanderbuyst, 9). Vanderbuyst sind Streber! (Züül, 10). Thorsten Dörting
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