Von Thorsten Dörting, Boris Kaiser und Jan Wigger
Attic - "The Invocation"
(Ván/Soulfood)
"Na klar", erwiderte Dörting, "Jan und ich finden die Band nur so mittel, also musst du ran. Da beißt die Maus keinen Faden ab."
"Nun gut", meinte ich keck. "Kann ich besprechen. Ich bin eh im Gelsenkirchen-Thema, denn ich habe vor wenigen Minuten nach dem erneuten Lesen des 'Ruhr Nachrichten'-Livetickers in der 'ZOOM Erlebniswelt' angerufen, um denen unsere tote Giraffe anzudrehen. Und weißt du was, Thorsten? Die nehmen Kollege Langhals mit Kusshand und pappen einfach einen 'Nicht stören - Tamu träumt von S04'-Sticker auf das Vieh. Papadopoulos soll Pate werden."
Es dauerte nach dem Intro "The Hidden Grave" nicht lange, bis die ersten Schreie des jungen Frontmanns Meister Cagliostro (der als Ketzer verurteilte Alchemist Alessandro Graf von Cagliostro lebte im 18. Jahrhundert und sah - man kann sich davon auf der Wikipedia-Seite überzeugen - exakt aus wie eine holländische Fleischkrokette auf Beinen, vielleicht auch wie Geert Wilders) klarmachten, wohin die Reise in der kommenden Dreiviertelstunde geht: Ähnlich wie In Solitude, Portrait oder A Tortured Soul bedienen sich die Gelsenkirchener lustvoll bei dem, was die auf Dauereis liegenden Mercyful Fate hinterlassen haben, und das Soloschaffen von King Diamond war in ihrer Sozialisation nicht weniger wichtig.
Natürlich evozieren von famos ausgearbeiteten Hooklines getragene, mit geschmeidigen Gitarrensoli versehene Genrepretiosen wie "Join The Coven", "The Headless Horseman" oder "Satan's Bride", deren Old-School-Horrorthematik nie lächerlich, sondern stets wunderbar charmant anmutet, auch jede Menge andere Bands, ab und zu sogar eine anspruchsvolle US-Metal-Truppe wie Helstar, die das Label im Presseinfo völlig zu Recht nennt; letzten Endes sollten aber vor allem Supporter von Meilensteinen wie "Melissa", "Don't Break The Oath", "Abigail" und "Conspiracy" zu diesem großartigen, in ein paar Jahren mit Sicherheit als Klein-Klassiker geltenden Debüt greifen. Weiß (nicht nur) der Teufel. (Gesamtwertung: 8,5) Boris Kaiser
Anspruch: "Black magic reigns tonight". Mal Christian Kracht fragen, ob er darauf 'ne Kokosnuss verwetten würde. (5)
Artwork: Ein irrer Priester, ein umgedrehtes Kreuz, 'ne nackte Blonde und was zu saufen. Alles richtig gemacht. (8,5)
Aussehen: 'Ne Mischung aus Celtic Frost '84, "Auf Kohle geboren" und dem Donald-Duck-Alter-Ego Phantomias. Mit einem Wort: goil. (8)
Aussagen: "Olé, hier kommt der BVB!" (10) Boris Kaiser
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