Amtlich Special: Die wichtigsten Metal-Alben des Monats

Von Thorsten Dörting, Boris Kaiser und Jan Wigger

3. Teil: Mit einem Wort: goil - Attic

Year Of The Goat aus Schweden: Sollte man mal gehört haben. Nee, echt jetzt.Zur Großansicht
Thorsten Dörting

Year Of The Goat aus Schweden: Sollte man mal gehört haben. Nee, echt jetzt.

Attic - "The Invocation"
(Ván/Soulfood)

"Ausgerechnet ich als Dortmunder?", fragte ich verwundert, als ich neulich bei Vapiano saß und Pizza mit Trüffelcreme und Teltower Rübchen von meiner neuen Stone-Island-Strickjacke kratzte, des gleichen Modells, das Ulla Klopp auch für Jürgen ausgesucht hat, den Vater von Marcio (alias Rolls-Reus und Götzinho; bei uns so was wie damals Rib & Rob in München, allerdings in hübsch).

"Na klar", erwiderte Dörting, "Jan und ich finden die Band nur so mittel, also musst du ran. Da beißt die Maus keinen Faden ab."

"Nun gut", meinte ich keck. "Kann ich besprechen. Ich bin eh im Gelsenkirchen-Thema, denn ich habe vor wenigen Minuten nach dem erneuten Lesen des 'Ruhr Nachrichten'-Livetickers in der 'ZOOM Erlebniswelt' angerufen, um denen unsere tote Giraffe anzudrehen. Und weißt du was, Thorsten? Die nehmen Kollege Langhals mit Kusshand und pappen einfach einen 'Nicht stören - Tamu träumt von S04'-Sticker auf das Vieh. Papadopoulos soll Pate werden."

Attic - The Invocation (Album-Prelistening)
Mehr Videos gibt es hier auf tape.tv!
Darüber konnte Dörting, nicht nur ein Freund exotischer Tiere, sondern auch ein Mann des Fair Play ("Möge der Bessere gewinnen!"), nicht einmal schmunzeln, aber er war hörbar froh, jemanden gefunden zu haben, der "Attic bearbeitet" (Journalistensprech), und legte mit besten Wünschen auf. Noch ein Balsamico-Lebkuchen-Parfait to go eingepackt, und ich befand mich auf dem Weg nach Hause, wo ich mir "The Invocation" über eine weißrussische Filesharing-Plattform besorgte. (Ván-Records-Chef Sven hat mich bereits von seinen Anwälten abmahnen lassen.)

Es dauerte nach dem Intro "The Hidden Grave" nicht lange, bis die ersten Schreie des jungen Frontmanns Meister Cagliostro (der als Ketzer verurteilte Alchemist Alessandro Graf von Cagliostro lebte im 18. Jahrhundert und sah - man kann sich davon auf der Wikipedia-Seite überzeugen - exakt aus wie eine holländische Fleischkrokette auf Beinen, vielleicht auch wie Geert Wilders) klarmachten, wohin die Reise in der kommenden Dreiviertelstunde geht: Ähnlich wie In Solitude, Portrait oder A Tortured Soul bedienen sich die Gelsenkirchener lustvoll bei dem, was die auf Dauereis liegenden Mercyful Fate hinterlassen haben, und das Soloschaffen von King Diamond war in ihrer Sozialisation nicht weniger wichtig.

Natürlich evozieren von famos ausgearbeiteten Hooklines getragene, mit geschmeidigen Gitarrensoli versehene Genrepretiosen wie "Join The Coven", "The Headless Horseman" oder "Satan's Bride", deren Old-School-Horrorthematik nie lächerlich, sondern stets wunderbar charmant anmutet, auch jede Menge andere Bands, ab und zu sogar eine anspruchsvolle US-Metal-Truppe wie Helstar, die das Label im Presseinfo völlig zu Recht nennt; letzten Endes sollten aber vor allem Supporter von Meilensteinen wie "Melissa", "Don't Break The Oath", "Abigail" und "Conspiracy" zu diesem großartigen, in ein paar Jahren mit Sicherheit als Klein-Klassiker geltenden Debüt greifen. Weiß (nicht nur) der Teufel. (Gesamtwertung: 8,5) Boris Kaiser

Anspruch: "Black magic reigns tonight". Mal Christian Kracht fragen, ob er darauf 'ne Kokosnuss verwetten würde. (5)

Artwork: Ein irrer Priester, ein umgedrehtes Kreuz, 'ne nackte Blonde und was zu saufen. Alles richtig gemacht. (8,5)

Aussehen: 'Ne Mischung aus Celtic Frost '84, "Auf Kohle geboren" und dem Donald-Duck-Alter-Ego Phantomias. Mit einem Wort: goil. (8)

Aussagen: "Olé, hier kommt der BVB!" (10) Boris Kaiser

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insgesamt 456 Beiträge
Kuechenchef 05.05.2011
Tides from Nebula habe ich neulich live gesehen, es scheinen recht nette, unprätentiöse Zeitgenossen zu sein. Der musikalische Eindruck war obendrein exzellent. Was aber letztlich nichts daran ändert: postrock ist ja doch [...]
Tides from Nebula habe ich neulich live gesehen, es scheinen recht nette, unprätentiöse Zeitgenossen zu sein. Der musikalische Eindruck war obendrein exzellent. Was aber letztlich nichts daran ändert: postrock ist ja doch irgendwie nur eine Krücke für manche erwachsene Männer, die zwar einerseits auf Pomp, Bombast und Pathos nicht immer verzichten mögen, deren Fremdschämtoleranzgrenze (womöglich verschoben im Laufe der Jahre) aber andererseits deutlich zu hoch angesiedelt ist, um "Gesang" und/oder "Texte" klassischer Metal-Kapellen noch ertragen zu können. Blood Ceremony ist ganz ok, Black Mountain ist mir aber lieber, denn da wird weitesgehend auf Flöten verzichtet. FLÖTEN. Vielleicht das Heavy Metal-Instrument schlechthin, denn zumindest für meine Ohren klingen sie, als kämen sie direkt aus der Hölle. Warum Iren mit verzerrten Gitarren jammern und nölen dürfen, die ohne aber nicht, erschließt sich mir abschließend irgendwie aber trotzdem oder gerade deshalb rein gar nicht.
Volker Paul 06.05.2011
Herr jeh ... fein, fein. Aber die Pentagram-Scheibe finde ich trotzdem gut.
Zitat von Kuechenchef... erschließt sich mir abschließend irgendwie aber trotzdem oder gerade deshalb rein gar nicht.
Herr jeh ... fein, fein. Aber die Pentagram-Scheibe finde ich trotzdem gut.
Jeanette1990 23.05.2011
Mein Freund liebt Bände wie Slayers und Sepultura... Er hat tausende CDs von dem. Gut dass wir umgezogen sind, er sollte alles hier verkaufen (http://www.verkaufen.org/), weil wir nicht genug Platz in unserer neue Wohnung haben. [...]
Mein Freund liebt Bände wie Slayers und Sepultura... Er hat tausende CDs von dem. Gut dass wir umgezogen sind, er sollte alles hier verkaufen (http://www.verkaufen.org/), weil wir nicht genug Platz in unserer neue Wohnung haben. Er hat trotzdem alles noch auf seinem MP3 Player und ich muss nicht mehr diese Musik durchhalten. Ich weiss, jede hat seine Geschmäcke und ich liebe ihn auch weil er nicht wie die andere Leute ist (er denkt mehr, versteht alles in dieser Welt) aber diese Musik ! Hilfe... Tut mir Leid... :-)
Shiraz 23.05.2011
Ich habe nie verstanden, warum Metal manchmal in der Kategorie Musik erscheint. Halte das für ein Missverständnis. Eigentlich ist es nur Lärm, vergleichbar einem Presslufthammer oder einem startenden Flugzeug.
Zitat von sysopJan Wigger und Thorsten Dörting besprechen in der neuen Kolumne "Amtlich" aktuelle Metal-Alben - jeden ersten Donnerstag im Monat. Ihre Meinung? Welches sind besten neuen Metal-Werke?
Ich habe nie verstanden, warum Metal manchmal in der Kategorie Musik erscheint. Halte das für ein Missverständnis. Eigentlich ist es nur Lärm, vergleichbar einem Presslufthammer oder einem startenden Flugzeug.
marks & spencer 23.05.2011
Dann bleiben Sie doch lieber bei Ihren Schlagern.
Zitat von ShirazIch habe nie verstanden, warum Metal manchmal in der Kategorie Musik erscheint. Halte das für ein Missverständnis. Eigentlich ist es nur Lärm, vergleichbar einem Presslufthammer oder einem startenden Flugzeug.
Dann bleiben Sie doch lieber bei Ihren Schlagern.
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  • Montag, 03.12.2012 – 19:02 Uhr
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"Abgehört" und "Amtlich" live
"Amtlich"-Gastautor Boris Kaiser
  • Boris Kaiser, 38, ist Textchef beim "RockHard", dem Zentralorgan der deutschen Metal-Szene.







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