Amtlich: Die wichtigsten Metal-Alben des Monats

Von Thorsten Dörting und Boris Kaiser

"Heavy Metal is more than just music" - die Herren von Twilight Of The Gods um den stets angriffslustigen Primordial-Sänger Alan Averill wissen, wo der Hammer hängt. In Solitude rufen dagegen nach hübschen schwedischen Krankenschwestern. Klingt aber auch ganz gut!

Alan Averill: Der Mann teilt halt gerne mal aus. Zur Großansicht
Gareth Averill

Alan Averill: Der Mann teilt halt gerne mal aus.

Liebe "Amtlich"-Freunde und -Hasser,

herzlich willkommen im Monat September! Zwar im mittlerweile sehr fortgeschrittenen Monat September, zugegeben. Aber immerhin. Wer also befürchtet - oder gar gehofft - hatte, diese Kolumne sei eingestellt worden, der irrt. Ganz im Gegenteil: Künftig kommen wir sogar häufiger, dafür aber kürzer: Wir stellen um aufs beliebte Blog-Format. Was eigentlich nur heißt, dass wir Alben- und Konzertreviews sowie das eine oder andere Kochrezept des Kollegen Kaiser als Einzeltexte veröffentlichen werden. Und das dann eben ein paar Mal im Monat, statt wie bisher gebündelt in einem Artikel.

Bis denne!

Twilight Of The Gods - "Fire On The Mountain"
(Season Of Mist/Soulfood, erscheint am 27. September)

Die Gitarristen Patrik Lindgren (Thyrfing) und Rune Eriksen (Aura Noir), Bassist Frode Glesnes (Einherjer) sowie Drummer Nick Barker (u.a. Lock Up) sind verdiente Recken, aber mal ehrlich: Es schüttelt einen nicht vor Begeisterung und Vorfreude, wenn man sich ein gemeinsames Projekt der Herren vorstellt, denn zu viele ähnlich gelagerte Zusammenrottungen hat es in den letzten Jahren gegeben, zu überfüllt ist der Markt. Dass Primordial-Vorsteher Alan Averill alias Nemtheanga ebenfalls Teil des Spiels ist, verleiht dem Ganzen allerdings eine andere Dimension: Der Sänger gilt als einer der imposantesten Charaktere der Metalszene, redet in der Regel Klartext, scheut - wie wohltuend! - keine Konfrontationen und sieht seine Musik als erfüllende Lebensaufgabe und nicht nur als profanes Hobby. Ergo: Twilight Of The Gods, die ursprünglich als Bathory-Tribut-Band anfingen und nun doch ein Album mit eigenen Songs vorlegen, sind mehr als ein typischer Newcomer - sie haben bereits am Anfang ihrer Karriere einen Ruf zu verlieren.

Twilight of the Gods: Vier Glatzen und 'n Langhaariger? Spaß! Zur Großansicht
Steinar Sortland

Twilight of the Gods: Vier Glatzen und 'n Langhaariger? Spaß!

Der erste Hördurchgang von "Fire On The Mountain" überrascht: Vor allem in der durchaus erhabenen Atmosphäre, der Melodieführung und vereinzelten Chören finden sich Bathory wieder - aber bei weitem nicht so offensichtlich, wie man es erwartet hat, selbst eine Band wie Atlantean Kodex, deren am 4. Oktober erscheinendes neues Album "The White Goddess" ja bekanntlich alles in den Schatten stellen wird, orientiert sich vereinzelt wesentlich deutlicher an Quorthons prägendem Proto-Black/Viking-Metal als Twilight Of The Gods. Dass "Fire On The Mountain" nie wie eine bloße Bathory-Verneigung wirkt, hat zudem einen ganz simplen Grund: Twilight Of The Gods klingen weniger hart, weniger harsch. Black Metal weicht einer angenehm rootstreuen, aber perfekt im Jetzt funktionierenden Mischung aus unaufgeregtem Siebziger- und Achtziger-Heavy-Metal und einer rauen Heavy-Rock-Schlagseite, die sich in den Grooves, aber vor allem auch den immer songdienlichen, zurückhaltenden Riffs niederschlägt; Letztere rufen von den drei im Presse-Info erwähnten Einflüssen Judas Priest, Iron Maiden und Manowar vor allem die Rob-Halford-Band ins Gedächtnis. Selbst nach intensiver, wochenlanger Beschäftigung fällt es schwer, einzelne Songs des Albums herauszustellen: Alle sieben haben das gewisse Etwas, setzen süchtig machende Widerhaken, bieten unwiderstehliche Momente. In ihrer großen Kunst der Zurückhaltung sind Twilight Of The Gods Gentlemen zwischen vielen schaumschlagenden Clowns. (Gesamtwertung: 8,5) Boris Kaiser

Anspruch: Simple Strukturen, keinerlei Extreme - und trotzdem die Antithese zum vorherrschenden Kirmes-Sound. Mission erfüllt! (9)

Artwork: Ein ausbrechender Vulkan, 3.000 Bäume, 5.000 Krähen und dann auch noch Wasser? Natürlich hasch ich! (6,5)

Aussehen: Vier Glatzen in Leder und 'n Langhaariger? Spaß ist, was ihr draus macht. (7,5)

Aussagen: "Heavy Metal is more than just music." 'nuff said! (10) Boris Kaiser

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1.
Kuechenchef 05.05.2011
Tides from Nebula habe ich neulich live gesehen, es scheinen recht nette, unprätentiöse Zeitgenossen zu sein. Der musikalische Eindruck war obendrein exzellent. Was aber letztlich nichts daran ändert: postrock ist ja doch irgendwie nur eine Krücke für manche erwachsene Männer, die zwar einerseits auf Pomp, Bombast und Pathos nicht immer verzichten mögen, deren Fremdschämtoleranzgrenze (womöglich verschoben im Laufe der Jahre) aber andererseits deutlich zu hoch angesiedelt ist, um "Gesang" und/oder "Texte" klassischer Metal-Kapellen noch ertragen zu können. Blood Ceremony ist ganz ok, Black Mountain ist mir aber lieber, denn da wird weitesgehend auf Flöten verzichtet. FLÖTEN. Vielleicht das Heavy Metal-Instrument schlechthin, denn zumindest für meine Ohren klingen sie, als kämen sie direkt aus der Hölle. Warum Iren mit verzerrten Gitarren jammern und nölen dürfen, die ohne aber nicht, erschließt sich mir abschließend irgendwie aber trotzdem oder gerade deshalb rein gar nicht.
2.
Volker Paul 06.05.2011
Zitat von Kuechenchef... erschließt sich mir abschließend irgendwie aber trotzdem oder gerade deshalb rein gar nicht.
Herr jeh ... fein, fein. Aber die Pentagram-Scheibe finde ich trotzdem gut.
3.
Jeanette1990 23.05.2011
Mein Freund liebt Bände wie Slayers und Sepultura... Er hat tausende CDs von dem. Gut dass wir umgezogen sind, er sollte alles hier verkaufen (http://www.verkaufen.org/), weil wir nicht genug Platz in unserer neue Wohnung haben. Er hat trotzdem alles noch auf seinem MP3 Player und ich muss nicht mehr diese Musik durchhalten. Ich weiss, jede hat seine Geschmäcke und ich liebe ihn auch weil er nicht wie die andere Leute ist (er denkt mehr, versteht alles in dieser Welt) aber diese Musik ! Hilfe... Tut mir Leid... :-)
4. Frei ohne Titel
Shiraz 23.05.2011
Zitat von sysopJan Wigger und Thorsten Dörting besprechen in der neuen Kolumne "Amtlich" aktuelle Metal-Alben - jeden ersten Donnerstag im Monat. Ihre Meinung? Welches sind besten neuen Metal-Werke?
Ich habe nie verstanden, warum Metal manchmal in der Kategorie Musik erscheint. Halte das für ein Missverständnis. Eigentlich ist es nur Lärm, vergleichbar einem Presslufthammer oder einem startenden Flugzeug.
5. re
marks & spencer 23.05.2011
Zitat von ShirazIch habe nie verstanden, warum Metal manchmal in der Kategorie Musik erscheint. Halte das für ein Missverständnis. Eigentlich ist es nur Lärm, vergleichbar einem Presslufthammer oder einem startenden Flugzeug.
Dann bleiben Sie doch lieber bei Ihren Schlagern.
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  • Boris Kaiser, 38, ist Textchef beim "RockHard", dem Zentralorgan der deutschen Metal-Szene.


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