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Album-Prelistening Long Distance Calling - "The Flood Inside"

Long Distance Calling: So geht's ab im Münsterland Zur Großansicht
Martin Grossmann

Long Distance Calling: So geht's ab im Münsterland

Münster? Hm. Fahrräder, Beamtenhochburg, alberner ARD-"Tatort". Und natürlich: Studenten. Kein Wunder also, dass dort smarte Instrumental-Metaller leben. Das komplette neue Album von Long Distance Calling - "The Flood Inside" - gibt's in unserem "Amtlich"-Spezial exklusiv vorab zu hören.

Einfach mal den Mund halten zu können, ist ja eine Eigenschaft, die man fast gar nicht genug loben kann. Long Distance Calling aus Münster haben das bewusste Schweigen über viele Jahre sogar kultiviert und zur Kunsthandwerkform erhoben: Auf bisher drei Alben entwickelte und verfeinerte die Band einen wuchtigen, progrockigpostmetallischen Instrumentalstil, der selten in einer so eleganten, zugänglichen, aber nie ambienthaft anbiedernden Form zu hören ist.

Das gelegentliche Abweichen vom Pfad der puristischen Tugend durch das Engagement gezielt ausgewählter Gastsänger war da nicht nur verzeihlich, sondern oft ein Gewinn - aber eben auch deswegen, weil diesen Songs der Zauber des Besonderen anhaftete.

Insofern musste man ein bisschen besorgt sein, dass auf "The Flood Inside" (Superball Music/ EMI) nun ein Neumitglied namens Martin "Marsen" Fischer ernsthaft singen soll. Tja. Und wie schlimm isses nun? Was ist vom vierten Album, das offiziell am 1. März erscheint und das im exklusiven Vorab-Streaming komplett zu hören ist, zu halten?

Einerseits. Die kompositorische Qualität hat nicht gelitten, im Gegenteil. Das gilt sowohl für die komplett stimmlosen Stücke, die es auch auf diesem Album gibt, als auch für die mit Fischer bei der Arbeit. Tatsächlich wirkt die Band sogar noch tighter, noch souveräner, noch verspielter, noch variabler und noch selbstbewusster im Umgang mit ihrem musikalischen Handwerkszeug. Und zwar ohne dabei allzu neunmalklug oder schwanzvergleichig zu klingen.

Long Distance Calling "The Flood Inside" - Albumstream
Mehr Videos gibt es hier auf tape.tv!

Das Album-Prelistening für Mobil-User finden Sie hier.

Andererseits wirkt sie aber auch - zugänglicher.

Oje?!? Oh, ja?!? Sprich: Was das heißt? Ob das gut ist oder schlecht? Hören Sie doch erst mal hin. Eine ausführliche Kritik folgt dann in unserer nächsten regulären "Amtlich"-Kolumne, die am 7. März erscheint.

Bis denne: Viel Spaß mit "The Flood Inside"!

tdo

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Forum - Amtlich - und Ihre Meinung zum Metal?
insgesamt 515 Beiträge
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1.
Kuechenchef, 05.05.2011
Tides from Nebula habe ich neulich live gesehen, es scheinen recht nette, unprätentiöse Zeitgenossen zu sein. Der musikalische Eindruck war obendrein exzellent. Was aber letztlich nichts daran ändert: postrock ist ja doch irgendwie nur eine Krücke für manche erwachsene Männer, die zwar einerseits auf Pomp, Bombast und Pathos nicht immer verzichten mögen, deren Fremdschämtoleranzgrenze (womöglich verschoben im Laufe der Jahre) aber andererseits deutlich zu hoch angesiedelt ist, um "Gesang" und/oder "Texte" klassischer Metal-Kapellen noch ertragen zu können. Blood Ceremony ist ganz ok, Black Mountain ist mir aber lieber, denn da wird weitesgehend auf Flöten verzichtet. FLÖTEN. Vielleicht das Heavy Metal-Instrument schlechthin, denn zumindest für meine Ohren klingen sie, als kämen sie direkt aus der Hölle. Warum Iren mit verzerrten Gitarren jammern und nölen dürfen, die ohne aber nicht, erschließt sich mir abschließend irgendwie aber trotzdem oder gerade deshalb rein gar nicht.
2.
Volker Paul, 06.05.2011
Zitat von KuechenchefTides from Nebula habe ich neulich live gesehen, es scheinen recht nette, unprätentiöse Zeitgenossen zu sein. Der musikalische Eindruck war obendrein exzellent. Was aber letztlich nichts daran ändert: postrock ist ja doch irgendwie nur eine Krücke für manche erwachsene Männer, die zwar einerseits auf Pomp, Bombast und Pathos nicht immer verzichten mögen, deren Fremdschämtoleranzgrenze (womöglich verschoben im Laufe der Jahre) aber andererseits deutlich zu hoch angesiedelt ist, um "Gesang" und/oder "Texte" klassischer Metal-Kapellen noch ertragen zu können. Blood Ceremony ist ganz ok, Black Mountain ist mir aber lieber, denn da wird weitesgehend auf Flöten verzichtet. FLÖTEN. Vielleicht das Heavy Metal-Instrument schlechthin, denn zumindest für meine Ohren klingen sie, als kämen sie direkt aus der Hölle. Warum Iren mit verzerrten Gitarren jammern und nölen dürfen, die ohne aber nicht, erschließt sich mir abschließend irgendwie aber trotzdem oder gerade deshalb rein gar nicht.
Herr jeh ... fein, fein. Aber die Pentagram-Scheibe finde ich trotzdem gut.
3. Frei ohne Titel
Shiraz, 23.05.2011
Zitat von sysopJan Wigger und Thorsten Dörting besprechen in der neuen Kolumne "Amtlich" aktuelle Metal-Alben - jeden ersten Donnerstag im Monat. Ihre Meinung? Welches sind besten neuen Metal-Werke?
Ich habe nie verstanden, warum Metal manchmal in der Kategorie Musik erscheint. Halte das für ein Missverständnis. Eigentlich ist es nur Lärm, vergleichbar einem Presslufthammer oder einem startenden Flugzeug.
4. re
marks & spencer 23.05.2011
Zitat von ShirazIch habe nie verstanden, warum Metal manchmal in der Kategorie Musik erscheint. Halte das für ein Missverständnis. Eigentlich ist es nur Lärm, vergleichbar einem Presslufthammer oder einem startenden Flugzeug.
Dann bleiben Sie doch lieber bei Ihren Schlagern.
5. Nix Versteh
kingofmetal 24.05.2011
Zitat von ShirazIch habe nie verstanden, warum Metal manchmal in der Kategorie Musik erscheint. Halte das für ein Missverständnis. Eigentlich ist es nur Lärm, vergleichbar einem Presslufthammer oder einem startenden Flugzeug.
Gut, dass Sie zugeben, keine Ahnung zu haben. Metal ist nämlich viel lauter... :-)
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