Amtlich

Cock-Rocker Steel Panther "Deutsch ist ja ein Synonym für ernsthaft"

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Liebe "Amtlich"-Freunde und -Hasser, knallenge Hosen, literweise Haarspray und ganz viel Geschlechtsverkehr: Die Hair-Metal-Parodisten Steel Panther legen uns ihr neues Album "All You Can Eat" ans Herz. Warum gerade wir Deutschen den Mix aus Spinal Tap und Sexwitzchen nötig haben? Weiterlesen.

In einem kleinen Interview geben uns Satchel und Michael Auskunft.

Bis denne!

SPIEGEL ONLINE: Vor der Konzerthalle warten zwei Mädchen. Das eine hat mir erzählt, Michael hätte es bei Ihrem letzten Auftritt angefasst.

Satchel: Gruselig.

SPIEGEL ONLINE: Sie sagte, es sei eher unsexy gewesen, in etwa so, als hätte ihr Chemielehrer sie berührt.

Michael: Ich bin ein alter Mann und habe so meine Tricks. Mit meiner speziellen Anfasstechnik stelle ich fest, ob ein Mädchen eine Geschlechtskrankheit hat.

SPIEGEL ONLINE: Wie romantisch.

Satchel: Überlebenswichtig.

SPIEGEL ONLINE: Offenbar nicht ohne Grund muss man in Deutschland volljährig sein, um Ihre Konzerte zu besuchen.

Michael: Total verrückt. In den USA kommen die Leute extra mit ihren Kindern zu uns. Die Eltern haben ja überhaupt keine Lust, jeden Tag Justin Bieber zu hören und hoffen, nach dem Konzert gefällt den Kleinen auch Metal.

SPIEGEL ONLINE: Funktioniert das?

Steel Panther: All You Can Eat

Steel Panther: All You Can Eat

Satchel: Immer.

Michael: Haben Sie unser neues Album "All You Can Eat" gehört?

SPIEGEL ONLINE: Mehrfach.

Satchel: Glaube ich nicht! Wo? Wann?

SPIEGEL ONLINE: Letzte Woche, beim Putzen.

Satchel: Das war unser Ziel. Wir wollten ein Album machen, mit dem du dich fühlst wie auf Koks, sogar wenn du es gar nicht bist. Sogar wenn du putzt! Wenn du es auf Repeat stellst, ist das wie eine unendliche Koksline.

Michael: Welcher Song hat Ihnen am besten gefallen?

SPIEGEL ONLINE: "Bukkake Tears", obwohl der ja eigentlich ziemlich traurig ist.

Michael: Das ist ein Aufklärungssong! Viele junge Frauen wissen gar nicht, was "Bukkake Tears" sind. Ich musste das selber auf die harte Tour lernen. Als ich einmal masturbierte, habe ich mir Sperma ins Auge geschossen, und es hat furchtbar gebrannt. Von da an wusste ich: Pass auf deine Augen auf.

Satchel: Eine Lebenslektion. Manchmal sagen Girls zu uns zum Beispiel: "Hey, ich würde das oder das gerne mal beim Sex ausprobieren." Wenn wir das dann aber mit ihnen machen, merken sie plötzlich, dass es ihnen gar nicht gefällt. Aber wir hören dann nicht auf. So lernen sie.

SPIEGEL ONLINE: Verstehen die Deutschen, dass Sie so etwas nicht ernst meinen?

Satchel: Sie genießen es sogar. Rock kann ja generell und sehr oft viel zu ernst sein. Es gibt eine Menge Bands, die sehr ernste Songs schreiben. Die meisten sind unfassbar langweilig. Ich möchte weinen, wenn ich an all diese Ernsthaftigkeit denke.

Zur Band
Steel Panther ist eine US-Metal-Band, bestehend aus Sänger Ralph Saenz ("Michael Starr"), Gitarrist Russ Parrish ("Satchel"), Bassist Travis Haley ("Lexxi Foxx") und Drummer Darren Leader ("Stix Zadinia"). Die vier traten im Jahr 2000 zunächst unter dem Namen Metal Shop auf, schlugen sich allerdings jahrelang als Coverband durch. Wöchentliche Konzerte in Las Vegas, wenig subtile Persiflagen des Metal-Genres und ein bisschen musikalisches Können verhalfen Steel Panther zu einer starken Fanbase. Im Jahr 2009 brachten sie ihr erstes Album mit eigenen Songs auf den Markt. Nach "Feel the Steel" folgte 2011 "Balls Out", jetzt erscheint das dritte Album "All You Can Eat".
Michael: Deutsch ist ja ein Synonym für Ernsthaftigkeit. Aber am Ende wollt ihr doch genauso viel Spaß wie alle anderen auf der Welt. Lachen, rocken und Sex. All das liefern wir. Verdammt noch mal, wir sind die größte verfickte Heavy-Metal-Band, die es in den letzten drei Jahren aus Amerika geschafft hat.

SPIEGEL ONLINE: Würden Sie einem Deutschen, der euch nicht kennt, Steel Panther genau so beschreiben?

Michael: Eher so: Magst du Heavy Metal? Magst du Party? Magst du Spaß? Ja? Dann magst du Steel Panther. So einfach ist das. Überwältigend einfach.

SPIEGEL ONLINE: Das könnte man auch negativ auslegen.

Michael: Nein. Ich habe mich heute im Zug von Köln nach Hamburg mit einem Steel-Panther-Fan unterhalten. Er sagte, wenn er eine gute Zeit haben will, hört er immer uns. Das ist das größte Kompliment, das mir einer machen kann.

SPIEGEL ONLINE: Macht Satchel Ihnen auch noch Komplimente?

Michael: Nie.

Satchel: Als ich 1981 diese Band gründete, wollte ich nicht nur einen Sänger. Ich suchte auch jemanden, der die ganze Zeit genau das tut, was ich will. Einer, dem ich sage: "Spring!" und er fragt "Wie hoch?". Den habe ich in Michael gefunden. Heute schaue ich manchmal auf der Bühne zu ihm herüber und freue mich, dass seine Hüfte nicht gebrochen ist und sein Herz noch funktioniert.

SPIEGEL ONLINE: Sie leben also doch monogam.

Michael: Als Band total.

Satchel: Ich komme immer zu diesem Mann hier zurück. Er ist wie ein alter Schuh, der perfekt an meinen Fuß angepasst ist, auch wenn er stinkt.

Michael: Er liebt mich. Ich ihn auch. Wir haben uns füreinander entschieden.

SPIEGEL ONLINE: Es muss Ihnen viel bedeuten, nach Jahren als Coverband mit eigenen Liedern erfolgreich zu sein.

Michael: Da muss ich noch mal über den Fan im Zug reden. Der fragte nämlich, ob wir heute Abend Guns N' Roses spielen, so wie vor drei Jahren auf unserem Konzert. Da konnte ich antworten: "Nein, wir haben zwei eigene Alben draußen, und das dritte erscheint jetzt. Wir spielen gar keine Coversongs mehr." Phantastisch.

Satchel: Es gibt einen Wendepunkt im Bandleben, nämlich wenn du auf der Bühne stehst, einen Coversong spielst, und die Leute brüllen: "Wir wollen kein Bon Jovi, wir wollen Steel Panther!" Da rufst du dir dann zu: "Hey, haben wir es jetzt geschafft, oder was?" Und in der nächsten Show brüllt jemand: "Ey, spielt Bon Jovi!"

Michael: Das ist schon hart. Sogar noch nach dem ersten Album. Erinnerst du dich, in dieser Bar? Da kam der Typ echt an und sagte: "Ist ja schön mit eurem Album, aber ihr wurdet für Coversongs engagiert. Also spielt gefälligst nur die".

Satchel: So ein Arsch. Dafür kriegt man dann einen Sechserpack Heineken.

Michael: Na ja, ein bisschen Geld haben wir schon verdient.

SPIEGEL ONLINE: Was hat euch über all die Jahre weitermachen lassen?

Satchel: Superheiße Journalistinnen.

SPIEGEL ONLINE: Danke. Abgesehen davon?

Satchel: All die anderen Pussys. Und Sex natürlich. Deswegen tragen wir auch diese Spandex-Hosen, so können die Mädchen unsere Penisse sehen.

SPIEGEL ONLINE: Das erinnert mich an Spinal Tap. Die benutzen allerdings Gemüse, um ihren Schritt auszubessern.

Satchel: Großartiger Film! Aber hey, wir sind privat genau so wie jetzt im Interview. Wir versuchen immer so viele wie möglich flachzulegen.

Michael: Genau, ich habe andauernd Sex. Es gibt aber auch Nächte ohne.

Satchel: Stopp! Interviewstopp!!

Michael: Nein, lass mich mal ehrlich sein. Es gibt Kinder da draußen, die sonst denken, sie müssten zweimal am Tag Sex haben. Müsst ihr nicht, liebe Kinder.

Satchel: Michael, du bist doch krank.

Das Interview führte Anne Backhaus



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13 Leserkommentare
herr minister 26.03.2014
Stephan Glietsch 26.03.2014
tyskie 26.03.2014
stefansaa 26.03.2014
spon-facebook-10000523851 26.03.2014
esklappertdiemuehle 26.03.2014
freddykruger 26.03.2014
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alexanderschulze 26.03.2014
metbaer 27.03.2014
freddykruger 27.03.2014
freddykruger 27.03.2014
suereal 28.03.2014

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