Amtlich: Die wichtigsten Metal-Alben des Monats
"Amtlich" feiert Geburtstag! Ein Jahr Metal auf SPIEGEL ONLINE - Mille Petrozza von Kreator und Boris Kaiser vom "RockHard" beschenken uns. Im Check: Paradise Lost, Huntress, Pantera, Hour Of 13, Jess And The Ancient Ones, Der Weg einer Freiheit, das Roadburn Festival und noch mehr. Irre.
Paradise Lost - "Tragic Idol"
(Century Media, bereits erschienen)
Eene, Meene, Miste, es bollert in der Gothic-Kiste! Paradise Lost heißt übersetzt "verlorenes Paradies" und in ein solches nimmt uns der Fünfer aus dem schönen England auch mit. Nach drei Jahren haben die sympathischen Jungs zehn brandneue Knüppelmonster für ein weiteres Käsescheibchen aus ihren Kutten geschüttelt, das beweist, dass man in diesem "Biz" auch ohne nackte Gretel auf dem Cover überleben kann! Aber egal, denn "Tragic Idol" ist einfach schweinegeile Rockmusik, gehaltvoll, spannend, düster, treibend, nebst mehreren Attributen mehr.
Die cool rockende Nummer "Solitary One" ist so 'ne richtig satt rockende Nummer im Seventies-Look, mit allem was schon damals zu einer schweinegeil abgehenden Nummer dazugehörte! "In This We Dwell" sorgte beim Schreiben für ein Dauergrinsen bei mir und "To The Darkness" frisst sich gleich in die Gehörgänge, ohne zu fragen, wie lange es dort verweilen darf. Sehr, sehr lange, soviel ist klar! Mit "Fear Of Impending Hell" wird's dann 'ne Schippe ruhiger, was aber nicht bedeutet, dass die Scheiblette langweilig wäre!! Schon mit "Theories From Another World" gibt's für den geneigten Hörer nämlich wieder so richtig was zwischen die Beißerchen, so richtiges Action-Kino für den Kopf und auch nach 24 Jahren Bandkarriere noch so frisch wie damals, was die althergebrachte Aussage widerlegt, man würde vom Rasten rosten! Und die Stimme von Nick Holmes ist mal der Hammer, echtes Seelenbalsam und so 'ne richtige Ohrendroge, die sich gerade in dieser megahektischen Zeit - welche eine Zeit des rein Materiellen ist - super zum Relaxen geeignet.
Mehr Videos von Paradise Lost gibt es hier auf tape.tv!
Mit "Tragic Idol" haben Paradise Lost das breite Tonspektrum an Musik um Einiges bereichert, und da die meisten Melodien schon nach dem ersten Hören nachzupfeifen sind, nehmen Paradise Lost gemeinsam mit Axel Rudi Pell und der neuen Kissin' Dynamite die "Pole Position" ein, wenn es um die besten Langdreher 2012 geht!! An dieser klasse Produktion gibt es nichts zu bemängeln, und wollt ihr wissen, wie qualitativ hochstehende Mucke aus Englands hiesigen Breiten zu klingen hat, dann holt euch "Tragic Idol". Fazit: Reinhören ist das Mindeste bei dieser subba Scheibe!!! (Gesamtwertung: 8) Jan "T-Bone" Wigger
Anspruch: Ein absolut zeitloses "Werk", dass junge wie auch Junggebliebene Hörer gleichermaßen erfreut. Klarer Fall für die Repeat-Taste - hier wird geklotzt und nicht gekleckert! (8)
Artwork: So richtig schön melancholisch und geheimnissvoll, wenn auch nicht passend zur Jahreszeit!! (7,5)
Aussehen: Dieses Quintett kann man bedenkenlos jedem Metal-Fan ans Herz legen, und auch die CD "Tragic Idol" mutiert dadurch sicherlich zum Dauerbrenner im CD-Schacht! (7)
Aussagen: Wir Herren wissen auch nach so vielen Jahren noch zu Rocken: Der bewährte Atzedatze-Groove für die Massen - egal ob Banker oder Putzfrau! (7,5) Jan "T-Bone" Wigger
Huntress - "Spell Eater"
(Napalm Records, bereits erschienen)
Jedenfalls hatte die ehemalige Dschungelcamp-Bewohnerin ihr Equipment, sie ist ja auch DJane, tatsächlich im Damenklo aufgebaut, und sie lächelte, und sie trug so gut wie nix, nur diesen lustigen Borat-String, 'nen BH und ein Army-Käppi, das wohl zeigen sollte: Hier wird scharf geschossen.
Das alles hat natürlich nur zum Teil mit Huntress zu tun, denn deren Sängerin Jill Janus hat es als DJane Tuesdae ja immerhin schon in den US-"Playboy" geschafft und nicht nur in die deutsche "Maxim", obwohl das ja auch ehrenwert ist, weil "geschmackvolle Erotik, kein Porno". Wie dem auch sei: Genau wie La Mica war Tuesdae beim Auflegen immer gerne luftig angezogen, das sieht man bei Google, wenn man will, und sie hat in wilderen Nächten wohl auch schon den einen oder anderen Asbach-Cola nicht nur mit Snoop Dogg gekippt, sondern angeblich sogar mit irgendeinem Fürsten aus Monaco, ich kenne mich da leider nicht aus. Wie man als amerikanisches It-Girl von sogenannten Clubsounds zum Heavy Metal kommt, das ist natürlich ein Mysterium, aber hey: Mysteriös soll bei Huntress ja so einiges sein, es heißt, man stünde gar dem Okkulten nahe, obwohl die Ex-Bands der anderen Mitglieder, die Black-Thrasher Skeletonwitch oder die Underground-Hoffnung Professor, das Weltliche bevorzug(t)en.
Mehr Videos von Huntress gibt es hier auf tape.tv!
Nun ja, das Numinose glänzt beim Hören dieses Debüts eher durch Abwesenheit, vielleicht liegt's auch daran, dass ich mir Madame Janus, nach wie vor recht freizügig unterwegs, ständig beim Stinkfruchtessen vorstellen muss, aber das zieht die Platte qualitativ noch lange nicht nach unten. Gut abgehangener Power Metal der US-Schule unterhält zehn Songs lang angenehm, die Riffs, denen die Frontfrau trotz ihrer Präsenz immer genug Freiraum gibt, wurden raffiniert ausgearbeitet, die beiden Rhythmus-Rocker machen zumindest nichts falsch. Sicherlich hatten die artverwandten Achtziger-Könner Chastain, die dieses Album immer wieder ins Gedächtnis ruft, die besseren Hooklines und zwingenderen Arrangements; von ZeitgenossInnen wie Benedictum oder Crystal Viper lassen sich Huntress mit Highlights wie "Spell Eater", "Senecide" und "Eight Of Swords" aber ganz gewiss nicht ins Bockshorn jagen. (Gesamtwertung: 7,5) Boris Kaiser
Anspruch: "Ich bin eine Hexe, die Dich verzaubern und anschließend lebendig verbrennen will!" Geht's noch? (3)
Artwork: Bunt statt black. Die Gruselgestalt mit den flammenden Pratzen könnte Jill Janus sein. Vielleicht ist es aber auch nur Joey Kelly nach einem Sturz im Eiskanal. Man weiß es nicht, man steckt nicht drin. (6)
Aussehen: Eher Xena als Lena, die Typen sind eh wumpe. So was kriegen Bildungsbürger normalerweise nur im privaten Modus zu Gesicht. (7,5)
Aussagen: "Ich habe einen okkulten Hintergrund!", "Ich bin eine Hexe!", "Schon meine Eltern haben mich ermutigt, meine übersinnlichen Fähigkeiten zu trainieren!" Ich glaube, diese im Brustton der Überzeugung hingeschmetterten Sätze stammen eigentlich gar nicht von Jill Janus, sondern samt und sonders aus Russ Meyers Familienfilm "Die Satansweiber von Tittfield", hatte aber keine Lust, das zu verifizieren. So oder so: Kann man machen. (7) Boris Kaiser
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- Donnerstag, 10.05.2012 – 15:42 Uhr
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- Die SPIEGEL-ONLINE-Musikkolumnisten legen auf: Jan Wigger bittet zum Tanz mit Indie, Pop und Electro an jedem dritten Samstag im Monat ("Pretty Things" im Grünen Jäger, Hamburg), Andreas Borcholte legt jeden ersten Samstag im Monat in der Kleinraumdisko Hamburg ("Bored to Death") auf und Thorsten Dörting ebenfalls in der Kleinraumdisko ("Fossils and Rituals, Metals and Monuments" (neu, alle zwei Monate am dritten Samstag des Monats; das nächste Mal am 17. August)).
Corbis
- Boris Kaiser, 37, ist Textchef beim "RockHard", dem Zentralorgan der deutschen Metal-Szene. Das Monatsmagzin feiert gerade selbst ein Jubiläum: Momentan liegt die 300. Ausgabe am Kiosk. Mille Petrozza muss man eigentlich nicht mehr vorstellen: Der 44-Jährige ist Sänger, Gitarrist und Kopf von Kreator. Im Juni erscheint "Phantom Antichrist", das neue Album der deutschen Thrash-Metal-Band auf dem Label Nuclear Blast.
Rock Hard Verlag
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