Gabalier mag kritische Medien nicht Volks-Rock'n'-Proll

Beim Abschlusskonzert teilte er nochmal richtig aus: Der Heimatliebhaber Andreas Gabalier attackierte "Standard" und "Falter" - deren Redakteure seien "undercover in der Halle", um "verheerende Geschichten" zu schreiben.

DPA/ APA

"Für den Skandal muss ich morgen wieder beichten gehen", sagte der Sänger bereits kurz nachdem er die bewusste Provokation losgelassen hatte. Vor 14.500 Zuschauern griff der 34-Jährige am Samstagabend beim Abschlusskonzert seiner Tour zwei linksliberale österreichische Medien scharf an, die ihm kritisch gegenüberstehen.

So verunglimpfte er die Zeitungen "Standard" und "Falter" als "Standort" und "Flater", deren Redakteure seien "undercover in der Halle", um "verheerende Geschichten" zu schreiben. Das berichten der "Kurier" und die "Kronen Zeitung".

Demnach legte der heimatverliebte Sänger, der auf volkstümlichen Rock steht, noch nach: Weil "Traditionen nichts für sie sind", hätten die unchristlichen Chefredakteure der Journalisten "am 24.12. nichts zu tun", in der steirischen Krippe würden "Ochs und Esel fehlen". Und: Die Blätter würden Presseförderung "in Millionenhöhe" bekommen, "um diesen Quargl abzudrucken".

Andreas Gabalier in der Olympiahalle in Innsbruck
DPA/ APA

Andreas Gabalier in der Olympiahalle in Innsbruck

Was tatsächlich Quargl ist, die Berichterstattung oder Gabaliers Äußerungen, darüber streiten nun Fans und Kritiker in den sozialen Netzwerken. Ein FPÖ-Gemeinderat twitterte: "Besser kann man es nicht auf den Punkt bekommen! #chapeau". Andere sind vielmehr der Meinung, Gabalier habe "nicht alle Latten am Zaun", sei ein "Hetzer" und "eine Symbolfigur der Rechten". Der Sänger hatte sich in der Vergangenheit öffentlich für den rechtspopulistischen FPÖ-Chef Strache eingesetzt.

Es ist nicht das erste Mal, dass Gabalier, der sich selbst gern Volks-Rock'n'Roller nennt, mit seinen Aussagen für Aufsehen sorgt. So klagte er beim Amadeus Award aus der Sicht des heterosexuellen Mannes: "Man hat's nicht leicht auf dera Welt, wenn man als Manderl noch auf a Weiberl steht." Nach darauffolgender Kritik sah er sich laut "Kurier" "ins rechte Eck gedrängt". Gabalier teilt zudem gern mit, wie wenig er von der "genderverseuchten" modernen Zeit hält.

Generell scheint Gabalier sich mit den aktuellen gesellschaftlichen Veränderungen nicht so wohlzufühlen. Früher war aus seiner Sicht vieles besser - mit dieser Haltung feiert er heute jedenfalls große Erfolge: Sein Album "Vergiss mein nicht" landete in Österreich, Deutschland und der Schweiz auf Platz eins der Charts, mehrmals füllte er das 70.000 Menschen fassende Olympiastadion in München.

"Falter"-Chefredakteur Florian Klenk twitterte nach der Kritik, er würde Gabalier, der sich für seine Konzerte gern rotweiß-karierte Taschentücher ums Handgelenk und den aufgepumpten Bizeps zurrt, sofort zu einem Streitgespräch in die Redaktion einladen: "Ich ziehe auch ein kariertes Hemd an."

lgr



insgesamt 98 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Karbonator 16.12.2018
1. Problem mit "Rechten"
Zitat: Nach darauffolgender Kritik sah er sich laut "Kurier" "ins rechte Eck gedrängt". ------------- Das Problem mit "Rechten" (so nenne ich sie jetzt mal der Einfachheit halber, also bitte nicht sofort drauflosstürzen) ist in meinen Augen, daß sie sich zuerst ihrer politischen Ausrichtung gemäß verhalten bzw. äußern und sich danach darüber beschweren, daß sie in die rechte Ecke gedrängt würden. Wenn sie zu dem stehen würden, was sie da sagen oder tun, wäre das alles ehrlicher und würde nicht zu sehr Brechreiz verursachen, finde ich. Wie heißt es so schön: "When I see a bird that walks like a duck and swims like a duck and quacks like a duck, I call that bird a duck."
dasfred 16.12.2018
2. Man hats nicht leicht
Das Manderl steht ja nur auf bestimmte Maderln. Die müssen schon sehr konservativ sein und das Anderl nach Großmutters Art verwöhnen. Ich weiß nun nicht, ob er sich den Rechten anbiedert, weil dort eine zahlungskräftige Zielgruppe steht, die ihn mit ihren eigenen Medien kräftig puschen kann, oder ob er tatsächlich so einfältig wie seine Lieder ist. Allerdings muss er sich dann nicht wundern, wenn er kritisch beäugt wird. Langsam sollte er mitbekommen haben, dass diese Einstellung im deutschsprachigen Raum nicht mehrheitsfähig ist.
KaroXXL 16.12.2018
3. Genauer?
Zitat von KarbonatorZitat: Nach darauffolgender Kritik sah er sich laut "Kurier" "ins rechte Eck gedrängt". ------------- Das Problem mit "Rechten" (so nenne ich sie jetzt mal der Einfachheit halber, also bitte nicht sofort drauflosstürzen) ist in meinen Augen, daß sie sich zuerst ihrer politischen Ausrichtung gemäß verhalten bzw. äußern und sich danach darüber beschweren, daß sie in die rechte Ecke gedrängt würden. Wenn sie zu dem stehen würden, was sie da sagen oder tun, wäre das alles ehrlicher und würde nicht zu sehr Brechreiz verursachen, finde ich. Wie heißt es so schön: "When I see a bird that walks like a duck and swims like a duck and quacks like a duck, I call that bird a duck."
Was meinen Sie eigentlich konkret mit "rechts"? Den Herrn hier kann man als stramm konservativ und heimatverbunden bezeichnen. Ist das für Sie auch (schon) "rechts"? Oder zählt konservativ für Sie eh zu "rechts" ? Ich meine, wieso werden denn keine Abstufungen gemacht und sich an die Definitionen gehalten, oder wird das je nach Zeitgeist angepasst?
MisterD 16.12.2018
4. Naja dann...
Herr Gabalier, auf in die Redaktion zum Streitgespräch. Oder ist die Klappe nur auf der Bühne groß, wenn es 14.998 gegen 2 steht? Witzig übrigens was mir die Autokorrektur gerade für Gabalier anzeigt... "Fanatiker"... manche Sachen kann man sich einfach nicht ausdenken ;)
jiriki 16.12.2018
5. "Man hat's nicht leicht auf dera Welt,..."
"Man hat's nicht leicht auf dera Welt, wenn man als Manderl noch auf a Weiberl steht." Da gibt es für mich nur wenige Möglichkeiten: 1.) Er mag nicht dass es auch andere Menschen gibt, und das macht ihm das Leben schwer. Das wäre ganz allein sein Problem. 2.) Es gibt koa Weiberl, dass die Sehnsucht des Manderl erwidert. Dann hat er wohl ein Problem. Vielleicht läge auch das nur an ihm. Aber wie auch immer. Die Lösung wäre auf jedenfall nicht, Homosexualität zu verbieten. Denn die Weiberl, die dann sich nicht mit anderen Weiberl abgeben dürften, würden sich wohl kaum diesem Manderl zuwenden. 3.) Er hat als Star viele Weiberl, die ihm zu Füßen liegen, aber es reicht ihm nicht, dass nicht jede beliebige Frau dabei ist. Dann hätte er sich aber von der christlich-abendländischen Wertegemeinschft abgewendet und sollte Muslim oder Mormone werden. Die dürfen so viele Frauen haben, wie sie sich vom Geld un der Zuwendung her leisten können Braun ist schön, als Schokolade, als Hautfarbe und vielleicht auch viel mehr,. Aber leider nicht als politische Gesinnung.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.