Anlageobjekt Schallplatte Schwarzes Gold in Scheiben

Was lehrt uns die derzeitige Krise? Zum Beispiel, dass das ja alles nix ist mit diesen Aktien, Fonds und Zertifikaten. Eine viel bessere Geldanlage sind da die ewig totgesagten Vinylschallplatten. Und wie praktisch, dass es jetzt ein tolles Lexikon zur exakten Wertbestimmung gibt.

Von


Was gab es nicht alles in den vergangenen Jahren der volldigitalisierten Unterhaltungs-Branche an modernen Tonträgern, die die altbackene Vinyl-Schallplatte überrunden sollten: Compact-Discs (CDs), Mini-Discs (MDs), Digital-Audio-Tapes (DATs), Memory Sticks, DVD-Audio und Super-Audio-Compact-Discs (SACDs)!

Wonnebergs "Labelkunde Vinyl": Lexikon zur Bestimmung der schwarzen Schätze
Schwarzkopf & Schwarzkopf

Wonnebergs "Labelkunde Vinyl": Lexikon zur Bestimmung der schwarzen Schätze

Viele tolle Erfindungen, die dann doch dummerweise auf der Strecke blieben. Was auch daran liegt, dass Tonträger mittlerweile so vom Aussterben bedroht sind wie einst die Dinosaurier.

So hat die große amerikanische Plattenfirma Atlantic (Led Zeppelin, Ray Charles) gerade als erste der Branche vermeldet, dass sie mehr als 50 Prozent ihres Umsatzes mit digitalen Downloads macht!

Dagegen steht die gute alte Vinylschallplatte immer noch erstaunlich robust da. Dabei ist sie unhandlich, nimmt viel Platz weg und knistert, wenn man sie nicht sorgsam pflegt. Aber sie ist auch ein schönes, edles Artefakt und - darum geht es ja letztendlich - klingt eben doch besser als alle ihre Konkurrenten.

Weil sich diese Erkenntnis durchsetzt, kommt die Vinylindustrie wieder in Fahrt: Fast alle wichtigen Veröffentlichungen sind auch als Vinyledition zu haben, jeder Elektro-Großmarkt richtet wieder Plattenecken ein, und auch die Produktion von Plattenspielern nimmt wieder deutlich zu.

Alte Schallplatten sind gefragt wie nie zuvor, weil sie nicht nur zur Nostalgie taugen, sondern auch als gegen Dax-Schwankungen resistente Wertanlage. Originalpressungen, die Hunderte bis Tausende Euro bringen, sind keine Seltenheit, und auf manchem Dachboden schlummert ein Vermögen!

Zur präzisen Bestimmung der schwarzen Schätze gibt es nun ein fulminantes, bleischweres Fachbuch: In "Labelkunde Vinyl" hat der Autor Frank Wonneberg auf mehr als fünfhundert aufwendig bebilderten Seiten die Labels, also die runden Firmen-Aufkleber rund um das kleine Loch, katalogisiert und analysiert.

Was auf den ersten Blick wie ein Briefmarkenkatalog ausschaut, ist ein wahnwitziges und einzigartiges Standardwerk für Vinylspezialisten und Sammler. Ein Lexikon, mit dem man rauskriegen kann, ob die gut erhaltene Beatles-Platte den Gegenwert eines Kleinwagens hat - oder doch nur eine läppische Nachpressung ist.

Dass die großen Plattenfirmen die Bedeutung von Vinyl wiederentdecken, belegen auch die rührenden "Vinyl-Replika"-CD-Editionen. Sie sind wie ihre analogen, großformatigen Vorgänger aufgemacht, also in Papphüllen mit mikroskopisch kleinen Beilagen (Poster/Texte etc.), und sie werden gerne in Japan hergestellt und verkauft. Gerade erschienen sind zum Beispiel feine Vinyl-CD-Neuausgaben von Björks "Debut", Bob Marleys "Exodus" oder "Pornography" von The Cure.

Nur schade, dass die nicht knistern.


Frank Wonneberg, "Labelkunde Vinyl". Verlag Schwarzkopf und Schwarzkopf. "Vintage Vinyl Replica". (Universal)

Mehr zum Thema


Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 89 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Keram 28.11.2008
1. Rumpel und Knister
---Zitat--- ... klingt eben doch besser als alle ihre Konkurrenten. ---Zitatende--- Das Märchen von besserklingenden Schallplatten scheint eines der beliebtesten der HiFi-Voodoo-Jünger zu sein. Dann weiterhin viel Spaß mit Rumpel und Knister ...
number12, 28.11.2008
2. Ist so ...
Zitat von KeramDas Märchen von besserklingenden Schallplatten scheint eines der beliebtesten der HiFi-Voodoo-Jünger zu sein. Dann weiterhin viel Spaß mit Rumpel und Knister ...
Ich habe gestern „Dig Out Your Soul“ von Oasis für 20 Euro als Vinyl-Doppel-LP gekauft. Schönes großes Artwork, was zum Aufklappen und Gucken - einfach angenehm. Und das Beste: Sie klingt viel besser als die doofe CD-Version, bei der anscheinend alles weggeschnitten ist, was den Reiz des gesamten Albums ausmacht. Ich kaufe schon seit Jahren keine CD mehr. Der Grund liegt (auch) darin, dass es der Musikindustrie egal zu sein scheint, ob der Konsument die „Daten“ als Tonträger (CD) oder als Download kauft - und ihren Digitalschrott auch entsprechend lieblos vermarktet.
archie, 28.11.2008
3. Blase
Was man kriegt, sind Sammlerpreise. Das sind doch keine wertbeständigen Dinge. Ich habe das an meinen alten Micky-Maus-Heften, die Hunderte wert waren, beobachtet: wenn die Sammler (nämlich die Leute, die sich an ihre Kindheit erinnern) aussterben, bricht der Markt zusammen.
Herr P., 28.11.2008
4. Jünger
Hier ist ein solcher Jünger *fg*. Klar knistert eine Platte. Muß sie aber nicht unbedingt. Wenn man eine gute Pressung hat, diese pflegt (ab und an wäscht) und ein gutes System hat ist es ein wahrer Genuss eine Platte zu hören. Und abgesehen davon, hat eine Platte mehr Aufzeichnungsvolumen (Frequenzen), da kann die CD gegen einpacken. Von Platte hört man einfach mehr an Musik als von der CD. Es soll ja auch tatsächlich Leute geben die auf MP3 schwören (grusel).
Wolfgang Jung 28.11.2008
5. Tonträger
Was eigentlich genau ist ein MP3-Player? Und wann brauche ich den? Und wie fühle ich mich, wenn ich dauernd Stöpsel im Ohr habe?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.