Anna-Depenbusch-Album Ein Sommer für den Winter

Genug von diesem öden Herbstwetter: Die Hamburger Musikerin Anna Depenbusch holt mit ihrem Pop-Chanson-Album "Sommer aus Papier" die schönen Tage in die dunkle Saison.

SONY MUSIC

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Wie schön wäre es, wenn man einen goldenen Oktober zu erwarten hätte, mit Herbstspaziergängen durch raschelndes Laub unter blauem Himmel. Aber das wird wohl nichts mehr. Insofern muss man eine andere Lösung suchen, wenn man den Sommer in den Herbst verlängern möchte. Zum Beispiel könnte man das neue Album der Hamburger Musikerin Anna Depenbusch, 34, hören, das "Sommer aus Papier" heißt und im Titelsong sogar eine nützliche Bastelanleitung für schöne Tage liefert: mit Glanzpapier vor dem Fenster das Licht in die Wohnung hinein strahlen lassen.

In Anna Depenbuschs Küche hängt eine Hawaii-Tapete, die sie zu ihrem fröhlich-leichten Album inspirierte. "Die Tapete macht gute Laune, obwohl sie kitschig ist", sagt die Sängerin, "und auch wenn meine Freunde diese Tapete merkwürdig finden: Sie bringt alle zum Lachen." Und genau das trifft auch auf ihr Album zu: Es macht einfach Spaß. Mit einer Musik, die Pop und Chanson ganz eigenwillig mischt. Mit Texten über Liebe, Sonne, Meer und Sehnsucht, die meist heiter sind ("Wir tauschen Grau gegen Hellblau, verschieben Sorgen einfach auf morgen"), manchmal ironisch ("bestimmt ist es anstrengend, immer Cowboy zu sein") und ab und zu auch melancholisch ("seit sieben Jahren wartet er schon im Baum vor ihrem Fenster").

In der Handtasche die knallgelbe Ukulele

Ihr Musiklehrer an einem Hamburger Gymnasium begeisterte Anna Depenbusch einst für den Jazz, denn von ihm habe sie gelernt, der Musik zuzuhören und zu improvisieren. Der Mann habe auch einige andere Hamburger Jazzmusiker geprägt, erzählt sie. "Sommer aus Papier" ist nun ihr viertes Album, nachdem sie 2005 mit "Ins Gesicht" startete und 2011 gleich zwei Werke herausbrachte - das sehr aufwendig produzierte "Die Mathematik der Anna Depenbusch" und dessen Klavier-Variante "Die Mathematik der Anna Depenbusch in Schwarz-Weiß". Sehr lange habe sie die Songs damals mit sich herumgetragen, sie in der Einsamkeit entlegener Orte geschrieben.

Dieses Mal dagegen ging sie einen anderen Weg: Nach dem Ende ihrer Tour im April verteilte sie an ihre Hamburger Band Mix-Tapes: "Da waren Stücke von den Beach Boys dabei und von Jack Johnson, der für mich den Sommer verkörpert", sagt sie. Anschließend nahm sie mit der Band "mehr so sessionmäßig" die Lieder auf, gemeinsam entwickelten sie aus Grooves und anderen Fragmenten die Songs, zu denen Anna Depenbusch dann die Texte schrieb. "Zum Sommer gehört das Miteinander", sagt sie. Im August war das Album fertig - entstanden in nur einer Saison. Klingt so leicht wie ein Sommerwind, bedeutete aber, um 7 Uhr aufzustehen und auch mal erst um 2 Uhr nachts ins Bett zu gehen.

Für das Album hat Anna Depenbusch ein neues Instrument gelernt, was, wie sie sagt, weniger schwierig war, als es sich vielleicht anhört: die Ukulele. Achtzig Prozent der Songs habe sie auf ihr komponiert, erzählt sie. Offenbar sind sie und das Instrument Freunde für mehr als einen Sommer geworden: Mit einer knallgelben Ukulele in der Handtasche ist sie nun unterwegs, ein kleines Stimmgerät daran angeklemmt. Bereit, überall und jederzeit den Sommer herbeizuspielen.


CD: "Sommer aus Papier" (105 Music / Sony)

Termine:
31.10.: Verleihung des Deutschen Chansonpreises 2012 an Anna Depenbusch in Hamburg
Tour ab 30.1.2013, www.annadepenbusch.de



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