Antilopen Gang über Kollegah "Wie ein faschistischer Agitator"

Die Antilopen Gang ist das linke Gegenstück in der Düsseldorfer HipHop-Szene: Die Echo-Ehrung für Kollegah und Farid Bang ist für sie der Beweis, dass sich "reaktionäre Inhalte massenhaft" verkauften.

Antilopen Gang
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In der Debatte um die Echo-Verleihung an Kollegah und Farid Bang hatte Campino, Sänger der Toten Hosen, noch auf der Bühne deutliche Worte gefunden. Seitdem schlägt der Streit um die antisemitischen Textzeilen der Düsseldorfer Rapper denkbar hohe Wellen. Dabei ist es mehr als ein Zwist unter Musikanten mit unterschiedlichen Auffassungen über die Grenzen der Kunst.

In einem Statement gegenüber dem SPIEGEL bezieht die Antilopen Gang ("Beate Zschäpe hört U2") aus Düsseldorf deutlich Stellung. Interessant ist das deshalb, weil die Gruppe um Kolja Podkowik (Koljah) und die Gebrüder Pongratz (Panik Panzer und Danger Dan) nicht nur vom Fach, sondern auf dem linken Ende des Spektrums angesiedelt ist.

Fragwürdig sei nach Meinung der Gruppe nicht die "vernachlässigenswerte" Punchline über Auschwitz, die tatsächlich mit den Gepflogenheiten des Battle-Rap zu erklären ist. Vielmehr stört die Antilopen Gang, dass die "wieder gut gewordenen Deutschen, bekanntlich stolz auf ihre Erinnerungskultur", der eigentlichen Debatte hinter dem Echo-Skandal auswichen.

Kollegah bei der Echo-Verleihung
AFP

Kollegah bei der Echo-Verleihung

Keine Debatte in Sicht

Nicht die fragliche Zeile "Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen" oder die Kunstfreiheit seien das Problem. Nicht einmal der Echo als Preis, mit dem ja offen Verkaufszahlen ausgezeichnet werden. Das Problem sei vielmehr, dass sich generell "reaktionäre Inhalte massenhaft" verkauften und Deutschland demnach exakt die Echo-Preisträger bekommen hat, die es verdient: "Eine Diskussion über den Antisemitismus von Kollegah, der an Chemtrails und Pizzagate, aber nicht an die Evolution glaubt, findet in der aktuellen Debatte überhaupt nicht statt."

Statt dessen wurde Kollegah bisher als böser Bube vom Dienst auch von etablierten Medien durch die Manege geführt. Problembewusstsein habe, so die Antilopen Gang, "allein auf weiter Flur" die WDR-Dokumentation "Die dunkle Seite des deutschen Rap" gezeigt, wo es um den Antisemitismus der Szene ging - einwandfrei belegt bei Kollegah auch in "verschwörungsideologischen Songs" wie "Apokalypse".

Dem Kollegen gehe es, so seine Düsseldorfer Antipoden, kaum mehr um HipHop. Oder um die Kunst. Bei YouTube benehme er sich mit enormer Reichweite "mittlerweile wie ein faschistischer Agitator" und schüre dort den "Volkszorn gegen die Mächtigen, die Medien und andere Feinde". Alles Aspekte, die keinen Eingang in die bisherige Auseinandersetzung mit Kollegah fänden.

Abschließend erklärt die Gruppe in ihrem Statement: "Solange all das nicht stattfindet, möchten wir uns an der Debatte nicht weiter beteiligen".



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