Nach Echo-Auftritt Antisemitismusbeauftragter fordert Bundesverdienstkreuz für Campino

Tote-Hosen-Sänger Campino fand bei der Echo-Verleihung deutliche Worte in Richtung Kollegah und Farid Bang. Dafür sollte er geehrt werden, sagt Felix Klein, "weil er vielleicht sogar langfristig unsere Gesellschaft verändert hat".

Campino (März 2017)
DPA

Campino (März 2017)


Der Frontsänger der Toten Hosen hätte nach Ansicht des Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung das Bundesverdienstkreuz verdient. "Campino sollte für sein Engagement auf der Echo-Verleihung unbedingt gewürdigt werden, am besten mit dem Bundesverdienstkreuz", sagte Felix Klein den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die Ehrung solle er bekommen, "weil er vielleicht sogar langfristig unsere Gesellschaft verändert hat".

Dem Antisemitismus seien "im Pop, in der Kunst, in der Gesellschaft neue Grenzen gesetzt" worden, sagte Klein. Campino hatte wegen als judenfeindlich kritisierter Textzeilen der Rapper Kollegah und Farid Bang bei der Echo-Gala Mitte April angeprangert, dass eine Grenze überschritten worden sei. Provokation, so Campino, sei ein wichtiges Stilmittel. Habe die Provokation aber eine frauenfeindliche, homophobe, rechtsextreme oder antisemitische Form, sei seine persönliche Grenze überschritten.

Klein nannte die Echo-Gala nun "ein gemeinschaftliches Versagen". Dass im Vorfeld der Verleihung kaum einer empört gewesen sei, habe etwas mit einer Verrohung der Gesellschaft zu tun. Es sei um Kommerz gegangen. "Aber wenn die Gefühle von Holocaust-Überlebenden verletzt werden, muss Schluss sein mit dem Geschäftemachen."

Der seit 1992 vergebene Musikpreis Echo wurde im Zuge der folgenden Antisemitismusdebatte abgeschafft. Die Bertelsmann Music Group (BMG) trennte sich von Farid Bang und Kollegah. Die Liedtexte der Rapper werden strafrechtlich geprüft.

Klein hat sein Amt als Antisemitismusbeauftragter offiziell zum 1. Mai angetreten. Schon Ende April sagte er der Deutschen Presse-Agentur: "Der Fall der beiden Rapper und die darauf folgenden Reaktionen haben gezeigt, dass die grundlegenden Reflexe unserer Gesellschaft funktionieren."

aar/dpa

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dasfred 07.05.2018
1. Unbedachter Schnellschuss
Wenn Campino sich vorher eine Liste aller Verdienstkreuz Träger beschafft, ist es fraglich, ob er mit all diesen Gestalten in einen Topf geworfen werden will. Unter allen Geehrten sind so Manche, mit denen man nicht gesehen werden will.
justusn 07.05.2018
2. Entschuldigung: Blödsinn
Die Dame hat es nicht verstanden. 1. Der Text stammt aus einem bestimmten Genre. 2. Die Beiden Künstler sind "Profi-Fitness-Youtuber". 3. Auch sie haben das Recht auf Satire. 4. War der Echo eine ausschließliche Würdigung der besten Verkaufszahlen. 5. Der streitgegenständliche Song steht nicht auf dem Index. 6. Camping ist zwar gut. Hier hat er sich leider zu einem Gutmenschen aufgespielt, weil Thema verfehlt (siehe oben)
kleines1x1 07.05.2018
3. ok...
jetzt übertreibt ihr... bundesverdienstkreuz weil er zwei Rappern eine ansage gemacht hat. lächerlich.
eunegin 07.05.2018
4. Bundesverdienstkreuz - theoretisch ja, praktisch nein
Ich fand die Reaktionen und die Diskussion auf die unsägliche Echo-Verleihung richtig. Campino hat Rückgrat. Ob ihm so eine Auszeichnung gefällt, sei mal dahingestellt. Das hat er nicht nötig und ist eigentlich zu spießig, auch wenn ich die beamtige Intention dahinter gut und nachvollziehbar finde.
napoleonwilson 07.05.2018
5. Bundesverdienstkreuz
Für welche herausragende Leistung soll Campino das BVK erhalten ? Eine Aussage über seine Ansichten zum Thema überbewerteter AMG Goldketten Trägern, die noch nicht mal richtig Deutsch sprechen können. Nur noch Peinlich.
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