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Aretha Franklin

Diese Songs sollten Sie wirklich kennen

18 Grammys, zahlreiche Hits, unglaubliche Auftritte: Die besten Songs von Aretha Franklin herauszusuchen, ist fast unmöglich. Aber wenigstens diese hier sollte man schon einmal gehört haben.

AP

Aretha Franklin mit Grammy-Trophäe

Freitag, 17.08.2018   14:46 Uhr

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"Respect"

Nur ein kleines bisschen, wirklich nur ganz klein: Lag es an ihrer großen Stimme, dass Aretha Franklin in ihrem Überhit nur Respekt und davon noch nicht mal besonders viel von ihrem Mann verlangte? Weil alles, was sie sang, eh gleich nach der ganzen Welt klang und sie deshalb textlich problemlos runterfahren konnte? Womöglich steckt in der Spannung von minimaler Forderung und maximaler Emphase der ewige Reiz von "Respect": Franklin lässt die Ehrerbietung, die Männer Frauen viel zu oft schuldig sind, ebenso leicht umsetzbar wie unverzichtbar erscheinen. So schuf sie den verführerischsten Schlachtruf der Popgeschichte - geht ja nur um einen ganz kleinen Kampf, wirklich nur ganz klein. - Hannah Pilarczyk

"I Say a Little Prayer"

Ursprünglich hatten Burt Bacharach und Hal David den Song für ihre Stammsängerin Dionne Warwick geschrieben, die damit 1967 in den USA auch einen Nummer-vier-Hit hatte. Diese Version hatten auch Aretha Franklin und ihre Hintergrundsängerinnen gehört, im Studio sangen sie aus Spaß los - und Produzent Jerry Wexler war sofort klar: Das muss aufgenommen werden. Dieser Spaß ist offensichtlich im Wechselgesang zwischen Aretha und ihren Girls, womöglich ist er so groß, dass der Inhalt des Songs - Wird der Mann aus dem Krieg zurückkehren? - etwas in den Hintergrund gerät. Egal, die Band ist stark, der Gesang ist groß, ein Hit geboren, in England ihr größter. Am Ende gab sogar Burt Bacharach zu: "Aretha hat die viel bessere Platte aufgenommen." - Felix Bayer

"Think"

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Der Mann hat in den großen Songs des Soul, die von Frauen gesungen werden, nicht immer eine vorteilhafte Rolle. Oft verpieselt sich der Typ, geht saufen mit den Jungs oder, noch schlimmer, fremd mit der Erzfeindin der Gattin. Die Frau wird mit Abwasch, Kindern und offenen Rechnungen zurückgelassen. Aretha Franklin verpasste allen pflichtvergessenen Soul-und-Blues-Lümmeln mit "Think" die nötige Generalabreibung. 1968 hatte sie mit dem überhitzten Männerbashing einen Hit. Volle Wirkung entfaltete der Song aber vor allem 1980 im musikalischen Oberlümmelklamauk "The Blues Brothers", als Franklin ihren ausbüxenden Filmehemann in Kittelschürze spöttisch und elegant an die Wand tanzte. Klar, mit einer wie Franklin legte man sich besser nicht an. - Christian Buß

"Sisters Are Doin' It for Themselves"

Die britischen Popstars der Achtzigerjahre übersetzten oftmals den Soul der Sechziger ins elektronische Musikzeitalter. Da war es kein Wunder, dass auch Aretha Franklin zahlreiche jüngere Bewunderer hatte. George Michael zählte sein Duett mit ihr ("I Knew You Were Waiting" von 1987) zu einem der entscheidenden Momente seiner Karriere. Und auch Annie Lennox von den Eurythmics ist der Stolz darüber anzusehen, dass sie mit Franklin die Bühne teilen darf. "Sisters Are Doin' It for Themselves" mag musikalisch nicht gerade subtil sein, aber der Song hat seinen Zweck erfüllt: Er wurde zur feministischen Hymne, die von Lisa Simpson bis zu den Spice Girls alle mitsingen konnten. Dass Aretha hier dabei war - nur verdient. Dass sie Annie Lennox nicht an die Wand sang - nett von ihr. - Felix Bayer

"(You Make Me Feel Like) A Natural Woman"

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Barack Obama weinte, Carole King weinte. Die Darbietung des Klassikers "(You Make Me Feel Like) A Natural Woman", die Aretha Franklin 2015 im Rahmen der Kennedy Center Honors vor prominentem Publikum absolvierte, ist einer ihrer letzten großen öffentlichen Auftritte gewesen. Das Video dazu verbreitete sich damals in Windeseile über die sozialen Medien. Der Song stammt aus der Feder der Songwriterin King, wurde aber 1967 durch Aretha Franklin weltberühmt gemacht. Bei der Gala holte sie noch mal zum ganz großen Crescendo der fühlenden Frau aus. Und trug dazu einen Pelzmantel, den sie am Ende mit einer leidenschaftlichen Geste zu Boden rutschen ließ. Glamour und Empfindsamkeit, niemand vereinte das besser als sie. Auch im hohen Alter. - Christian Buß

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