Anschlag bei Konzert der Sängerin Wer ist Ariana Grande?

Ariana Grande gehört zu den einflussreichsten Pop-Persönlichkeiten dieser Tage. Nun ist bei ihrem Konzert in Manchester ein Anschlag verübt worden, viele Menschen starben. Wofür steht die US-Sängerin?

Ariana Grande live
REUTERS

Ariana Grande live

Von


Millionen Mütter schicken wahrscheinlich regelmäßig Stoßseufzer gen Himmel, wenn der Name Ariana Grande fällt: Die 23-jährige Sängerin ist mit ihren sexy Bühnenoutfits und aufreizenden Videoclip-Kostümierungen mitverantwortlich dafür, dass junge Mädchen zwischen zehn und zwölf Jahren als Vamp auf die Straße gehen wollen. Markenzeichen der "Arianators": jener kühne, weit oben am Kopf zusammengebundener Pferdeschwanz, den auch ihr Idol in der Öffentlichkeit trägt.

Kritiker attestieren der knapp 1,55 Meter großen, schlanken Künstlerin gerne einen schlechten Einfluss auf die weibliche Jugend einerseits, weil sie zu Magerwahn und Lolita-Attitüde animiere, und auf Männer andererseits, weil sie mit anzüglichen Songtexten wie "Love Me Harder" ein fatales Bild sexuell verfügbarer Kindfrauen suggeriere.

Dem Erfolg Ariana Grandes hat das bisher nicht geschadet. Neben Selena Gomez und Taylor Swift gehört sie zu den am meisten abonnierten Stars auf Instagram. Das "Time"-Magazin zählte sie 2016 zu den 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt, ihre drei Soloalben haben sich millionenfach verkauft und zahlreiche Charts-Rekorde gebrochen, auf YouTube und anderen Kanälen erreichten ihre Videos mehr als sieben Milliarden Aufrufe. Momentan befindet sich die Sängerin mit ihrem im vergangenen Jahr veröffentlichten Album "Dangerous Woman" auf Welttournee. Am 3. Juni soll sie für ein Konzert in der Frankfurter Festhalle auch Deutschland besuchen.

"Wenn ich zu viel Freizeit habe, fühle ich mich unwohl"

Grande, 1993 als Tochter einer Geschäftsführerin für Telefon- und Alarmsysteme und eines Grafikdesigners in Boca Raton, Florida, geboren, begann ihre Karriere zunächst als Schauspielerin. Als Kind wirkte sie in zahlreichen Theaterproduktionen mit, darunter am Broadway in "13", versuchte sich aber schon früh auch als Sängerin. Als sie sich mit knapp 14 Jahren in Los Angeles mit ihrem künftigen Manager-Team traf, soll sie gesagt haben: "Ich will ein R&B-Album aufnehmen!"

Zu ihren Vorbildern zählen mit Mariah Carey, Whitney Houston und Gloria Estefan die großen R&B-Diven der Achtzigerjahre. Mit Carey wird Grande oft verglichen, nicht nur, weil sie ähnlich divenhafte Züge an den Tag legen kann wie ihre ältere Kollegin, sondern weil auch ihre kräftige Sopranstimme über vier Oktaven reicht.

Das Markenzeichen der Sängerin: der Pferdeschwanz
AP

Das Markenzeichen der Sängerin: der Pferdeschwanz

Während Grande also schon früh wusste, dass sie Sängerin werden will, steigerte sie ihren Bekanntheitsgrad zunächst durch Fernsehrollen: Vier Staffeln lang spielte sie die rothaarige Cat Valentine in der Nickelodeon-Serie "Victorious" (ab 2009), die gleiche Rolle spielte sie danach auch im weniger erfolgreichen Spin-off "Sam & Cat", der 2014 endete. Zu jenem Zeitpunkt hatte Grande schon lange begonnen, an ihrem ersten Soloalbum zu arbeiten. Es hieß "Yours Truly" und landete im Herbst 2013 aus dem Stand auf Platz eins der "Billboard"-Charts.

Ähnlich wie vor ihr Miley Cyrus und andere Teenie-TV-Stars hatte es Ariana Grande geschafft, ihre Fernsehpopularität in eine Popkarriere zu übersetzen. Der Absturz in erratisches Verhalten und medial lustvoll ausgebeutetes Chaos wie bei anderen Ex-Kinderstars, darunter Britney Spears und Justin Bieber, blieb bei Grande bisher aus.

Verantwortlich dafür mag ihr ausgeprägtes Arbeitsethos sein: In einem Interview mit dem "Clash"-Magazin sagte sie 2014, die meisten Menschen würden vergessen, dass die Erfüllung des Amerikanischen Traums vor allem in Disziplin und harter Arbeit bestehe: "Ich liebe Arbeiten. Es macht mich glücklich. Wenn ich zu viel Freizeit habe, fühle ich mich unwohl." Das habe sie wohl von ihrer Mutter, der erfolgreichen Geschäftsfrau.

"Frauen dürfen ihren Körper auch lieben!"

Für ihr zweites Album "My Everything", das geschickt klassischen R&B mit modernem Bubblegum-Pop und EDM-Klubsounds mischte, wurden Top-Songwriter und -Produzenten wie Ryan Tedder, Max Martin und Benny Blanco angeheuert (bei einigen Tracks schrieb Grande auch selbst mit), die erste Single "Problem" hatte ein Feature der damals aufstrebenden weißen Rapperin Iggy Azalea. Zusammen mit der Australierin und der britischen Pop-Göre Charlix XCX trat Grande dann auch bei den Billboard-Awards 2014 auf, als Triumvirat einer neuen, selbstbewussten und jungen Weiblichkeit im Pop, der Generation nach Beyoncé und Rihanna.

Ihren zumeist sehr jungen Anhängerinnen gilt Grande als tüchtiges Mädchen von nebenan und Heldin für Feminismus und Diversität. Aus der katholischen Kirche trat die italienischstämmige Sängerin aus, weil die ihren Bruder Frankie wegen dessen Homosexualität drangsaliert habe. In Interviews und auf Twitter spricht sie sich offen für LGBT-Rechte und gegen sexuelle Diskriminierung aus.

Ihr Faible für aufreizende Outfits erklärte sie einmal auf Facebook, offenbar an Madonna geschult, mit weiblicher Ermächtigung: "Wann werden die Leute endlich aufhören, sich daran zu stören, wenn Frauen Haut zeigen und ihre Sexualität ausdrücken? Männer reißen sich ihre Hemden runter und drücken ihre Sexualität ständig aus, auf der Bühne, in Videos, auf Instagram, wo immer sie wollen, ü-ber-all. Diese Doppelmoral ist so langweilig und anstrengend (...) Frauen dürfen ihren Körper auch lieben!"

Ariana Grande letztes Jahr bei einem Konzert
Getty Images

Ariana Grande letztes Jahr bei einem Konzert

Ebenso deutlich wird Grande gerne, wenn es darum geht, wegen vermeintlich unzulänglicher Körpermerkmale verhöhnt oder angefeindet zu werden, ein Problem, unter dem viele junge Mädchen im Zeitalter von Instagram leiden: "Diversity is sexy! Loving yourself is sexy! You know what is NOT sexy? Misogyny, objectifying, labeling, comparing and body shaming!!!", schrieb Grande in einem Facebook-Statement. Das lässt sich leicht sagen als jemand, der nicht nur über großes Gesangstalent und Performer-Qualitäten, sondern auch noch über perfekte Körpermaße verfügt.

Nicht alles an Ariana Grande ist jedoch perfekt. Den größten Shitstorm erlebte sie 2015, auf der Höhe ihres Erfolgs, mit dem sogenannten "Donut-Licking Incident". Schlimmer noch als das Anlecken und das insgesamt eher rüde Auftreten, das ihr die Angestellte des Ladens später bescheinigte, wurde ihr jedoch ihr abfälliger Ausspruch angesichts der fettigen Donuts ausgelegt: "What the f*** is that? I hate Americans. I hate America."

Eine wortreiche Entschuldigung auf Twitter folgte kurze Zeit später, es sei ihr natürlich um den Zustand der Ernährung vieler Amerikaner gegangen, selbstverständlich liebe sie ihr Land. Patriotische Ariana-Hater haben ihr die Donut-Sache bis heute nicht verziehen. Für ihre Fans wurde sie durch den Lapsus höchstens noch ein bisschen menschlicher.



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.