"Atemlos" im Wahlkampf Helene Fischer wehrt sich gegen NPD

Die NPD hat nach Informationen des SPIEGEL vor dem thüringischen Oberlandesgericht eine Niederlage erlitten. Sie hatte Helene Fischers Hit "Atemlos" im Wahlkampf gespielt - zu Unrecht.

DPA

Wo immer die NPD im September im Landtagswahlkampf auftauchte, spielte sie den Hit "Atemlos durch die Nacht" von Helene Fischer. Geholfen hat es den Rechtsextremen nicht: Sie schafften nur ein Ergebnis von 3,6 Prozent und fingen sich juristischen Ärger ein. Sängerin Fischer ging gegen die NPD vor - nach Informationen des SPIEGEL nun mit Erfolg. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

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Die Künstlerin hatte zunächst gegen die rechtsextreme Partei eine einstweilige Verfügung erwirkt, die dann auf Antrag der NPD aufgehoben wurde. Dagegen wiederum ging Fischers Anwalt, der Berliner Medienrechtler Helge Reich, vor dem thüringischen Oberlandesgericht in Berufung. Reich argumentierte, dass die NPD Fischer durch den Gebrauch des Hits für Wahlkampfzwecke missbrauche. Dies müsse die Sängerin nicht hinnehmen, da sie die Gesinnung und Einstellung der NPD in keiner Weise teile.

Die Rechtsextremen hielten dagegen, dass die Verwendung nicht ehrenrührig sei. Zudem hätten sie das Lied nicht als Hymne oder Wahlkampf-Song verwendet.

Das Gericht hält es für nicht ausgeschlossen, dass der Ruf Fischers beschädigt werden könne, etwa wenn ein Durchschnittsbeobachter die Frage stelle, was sie mit der NPD zu tun habe. Die Entscheidung, sich bewusst unpolitisch zu geben, bleibe beim Künstler. Zudem würden die Ziele der NPD nur von einem geringen Teil der Bevölkerung geteilt.

Helene Fischer war nicht die einzige, die gegen Hit-Missbrauch durch die NPD vorging - auch die Band Wir sind Helden und die Kölner Gruppe Höhner wehrten sich.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - erhältlich ab Samstagmorgen und heute ab 21 Uhr im digitalen SPIEGEL.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 47 Beiträge
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Seite 1
alias_=|||=_ 04.04.2015
1. lustig
Die Toten Hosen dürften von der CDU aber als Siegeshymne gespielt werden. Nicht, dass ich H. F. Dies nicht gönne, aber wenn, dann sollte die Rechtssprechung konsequent sein und Parteien sich vielleicht eine Genehmigung holen müssen.
werbungspamschund 04.04.2015
2. Verständlich
Darüber wäre ich persönlich auch nicht erfreut. Wenn Sie nichts dagegen unternehmen würde, dann würde man ihr sicherlich noch unterstellen, dass sie mit der NPD sympathisiert. Auch, wenn das natürlich absoluter Unsinn wäre, aber so ist das heutzutage.
Danieljoseph 04.04.2015
3. Nicht ganz lustig
Die Toten Hosen haben lediglich einen Prozess vermieden, fanden es aber auch nicht lustig. Die bundeskanzlerin hat sich jedoch persönlich für diesen Missbrauch bei den Toten Hosen entschuldigt. Soll die NPD doch mal ein Lied aus ihren gesinnungstreuen Kreisen nehmen, da gibt es dann bestimmt keinen Ärger. Ach halt! Das geht ja nicht... Keine Fantasie und keine Kreativität... Doof.
widower+2 04.04.2015
4. Rechtsprechung?
Zitat von alias_=|||=_Die Toten Hosen dürften von der CDU aber als Siegeshymne gespielt werden. Nicht, dass ich H. F. Dies nicht gönne, aber wenn, dann sollte die Rechtssprechung konsequent sein und Parteien sich vielleicht eine Genehmigung holen müssen.
Die Toten Hosen haben die Verwendung durch die CDU zwar kritisiert und zurecht ätzend kommentiert, allerdings nicht dagegen geklagt. Somit war kein Gericht mit dem Fall befasst und es konnte zu keiner "Rechtsprechung" kommen.
Maître111 04.04.2015
5. Ein normaler Vorgang in der Rechtsprechung
Wenn höhere Gerichte entscheiden, wird es einheitlicher. Im Zweifel durch das höchste.
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