Aufzeichnung des "Auf den Dächern"-Festivals: Rowdys im Himmel

Auf den Dächern-Festival: Musikhimmel über Berlin Fotos
Carsten Fleck

So müssen Sonntage sein: Beim "Auf den Dächern"-Festival von SPIEGEL ONLINE und tape.tv heizten Kakkmaddafakka und Alligatoah dem Publikum ein. Und Thomas Dybdahl, White Lies und Thees Uhlmann luden zum Träumen ein. Hier können Sie sich das Konzert noch einmal anschauen.

Berlin - Sie hopsten im Gleichklang, warfen ihre Hände in die Höhe, wackelten mit den Hüften. Zwei blonde Herren in schwarzen Hosen und weißen Hemden überraschten bei dem Auftritt von Kakkmaddafakka. Männliche Gogos. Die zwillingsgleichen Geschöpfte tanzten zur Disco-, Raggae-, Pop- und Folkmusik der norwegischen Band, ein kleiner Höhepunkt des "Auf den Dächern"-Festivals von SPIEGEL ONLINE und tape.tv, das an diesem Sonntagnachmittag auf zwei Berliner Dächern an der Spree stattfand. Die Norweger brachten das Publikum zum Tanzen, heizten zum Mithopsen an.

Kakkmaddafakka wirbelten die Berliner Luft und die rund 400 Gäste ebenso durcheinander wie die Newcomer aus Los Angeles: Family of the Year, wie der norwegische Singer und Songwriter Thomas Dybdahl, der deutsche Rapper Teesy, die Münchner Band Claire, wie die verqueren Is Tropical. Aber auch Alligatoah, die White Lies aus London und Thees Uhlmann aus Hamburg spielten über den Straßen der Hauptstadt.

Zwar ist der Livestream beendet, doch ab sofort können Sie hier das gesamte Konzert als Wiederholung sehen. Mit Mobil-Geräten können Sie das Festival-Video hier sehen.

Thomas Dybdahl, Melancholie an der Gitarre, kniff niedlich die Augen zusammen, als er seine traurigen Nick-Drake-Songs präsentierte. Das Publikum setzte sich hin, hielt einen Moment inne, vergaß die Großstadt - wenn auch nur für einen Moment.

Einen gewaltigen Auftritt legte der 23 Jahre alte Rapper Alligatoah hin, der etwa mit "Willst du" (mit mir Drogen nehmen) gegen den Mainstream ansang. Zu sich auf die Bühne holte er einen Sidekick im rot-weiß gestreiften Ringelshirt und dicker Hornbrille, der den männlichen Gogos von Kakkmaddafakka kräftig Konkurrenz machte.

Alligatoah, der aus einem kleinen Dorf in Niedersachsen stammt, wollte nicht aber nur mit seinen Texten und dem Sidekick punkten, sondern auch mit seiner Performance: Er malte auf der Bühne mit blauer Farbe ein Bild, das er danach wieder zerstörte.

Den Kontrast zu den quicklebendigen Kakkmaddafakka und dem rabaukenden Alligatoah bildeten die Musiker von Is Tropical, die ein bisschen verrotzt und abgeranzt ihre Songs präsentierten und den Bandnamen ihre komplett schwarzen Outfits entgegen setzten.

Die achtziger Jahre holten Claire aufs Dach. Die Band aus München, die ein bisschen wie Feist und ein bisschen wie Florence and the Machine daher kommt, und aussieht wie aus Zeiten der jungen Madonna und des jungen George Michael, spielte saubere, glasklare Songs.

Die White Lies und Thees Uhlmann brachten die Melancholie, die Ruhe nach dem Sturm, zurück auf's Dach und regten zum Träumen und Verweilen an. "Wenn eine Brise vom Meer über die Häuser fliegt", sang Uhlmann etwa. Auf dem Dach ließ er den Sommer ausklingeln. Sanft und doch gewaltig.

kha

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insgesamt 4 Beiträge
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1. geile location
hochwaldhirsch 08.09.2013
vor allem die toll drapierten vhf/uhf antennas
2. Unangenehm und verstörend!
clubzwei 09.09.2013
Dieser Beitrag ist vor allem eins: betrüblich! Dass diese Form des Musizierens gesellschaftsfähig wird, sollte die Kulturschaffenden alarmieren! Ich will so etwas nicht sehen und erleben!
3. Ist das jetzt irgendwie
marypastor 09.09.2013
Zitat von sysopSo müssen Sonntagnachmittage sein: lässige Stimmung, coole Location, grandioser Sound. Beim "Auf den Dächern"-Festival von SPIEGEL ONLINE und tape.tv heizten Kakkmaddafakka und Alligatoah dem Publikum ein. Thomas Dygdahl, die White Lies und Thees Uhlmann ließen das Publikum träumen. "Auf den Dächern"-Festival in Berlin mit neun Bands - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/musik/auf-den-daechern-festival-in-berlin-mit-neun-bands-a-921080.html)
Kultur oder was ? Kann man damit Geld verdienen ?
4. Was ist bitte verstörend?
hammer 09.09.2013
@clubzwei: Was darf es denn bitte sein? Das würde mich schon interessieren. Ich finde das alles überwiegend Mainstream. Seien Sie froh, dass ich keine Festivals organisiere. Das würde zu einer Verstörung führen, aus der Sie nur noch medizinische Fachleute hinausführen könnten. Nichts für Ungut, aber den Begriff verstörend bei dieser Musik anzuwenden verstört mich gerade extrem. Ich bitte um Aufklärung. By the way, ich mag übrigens auch Vivaldi.
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