B.B. King "King ist nur mein Nachname"

Kurz vor seinem 75. Geburtstag sprach die Blueslegende B.B. King mit SPIEGEL ONLINE über Geld, Ruhm, Ehre und alte Autos.


Mit 74 auch mal sitzen: King
AP

Mit 74 auch mal sitzen: King

Ein Gitarrist, der ihn nicht als Vorbild nenne, so urteilte einst das amerikanische Musikmagazin "Rolling Stone", sei entweder ein Ignorant oder ein Lügner. 51 Jahre nachdem er seine erste Single aufnahm, gilt B.B. King noch immer als Synonym für den Blues. Auch wenn sich unter die Bewunderer immer wieder Kritiker mischten, die dem Mann aus Mississippi seine Abstecher in seichten Las-Vegas-Sound und scheinbar wahllosen Duette mit den Großen der Popmusik ankreideten. Auf seinem jüngsten Album "Ridin' With The King", das der Künstler nun kurz vor seinem 75. Geburtstag am 16. September gemeinsam mit seinem Schüler Eric Clapton einspielte, ist King zwar nicht zu neuen Ufern aufgebrochen, präsentiert sich aber immerhin in alter Form.

SPIEGEL ONLINE: Mr. King, der Blues hat es ins dritte Millennium geschafft - hat er auf dem langen Weg dorthin etwas verloren?

B.B. King: Im Gegenteil, er hat immer nur dazugewonnen! Genauso wie das Leben heute mehr Facetten hat als je zuvor, gilt das auch für die Musik und sogar für den Blues. Ich habe mit 18 noch richtig gestaunt, als ich den ersten Fernseher sah, heute finden die Kids solche Erzählungen lustig und nostalgisch. Und wenn diese Kids den Blues noch immer mögen und spielen, kann er nichts verlieren.

SPIEGEL ONLINE: Den Titel des "King of Blues" tragen aber nach wie vor Sie - haben Sie ihn auch verdient?

B.B. King: Wie sollte ich das wohl entscheiden? Ich glaube zwar, einen ziemlich guten Job gemacht zu haben, aber 'King' ist für mich nicht mehr als mein Nachname. Allerdings beschwere ich mich nicht über gute Kritiken und hübsche Titel.

SPIEGEL ONLINE: Fühlen Sie sich den Traditionen so verpflichtet, dass Sie gewisse Experimente mit dem Blues ablehnen?

B.B. King: Wie käme ich denn dazu? Der Mensch ist zum Entdecker geboren, und im Falle der Musik wird immer das Publikum ein Urteil sprechen, nicht der Musiker. Wenn der die Wünsche seiner Zuhörer nicht erfüllt, wird er zum einsamen Menschen werden. Ich bin nicht einsam.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben Klassiker Ihres Genres wie "Indianola Mississippi Seeds" aufgenommen, sind für Platten wie "Guess Who" und "Friends" aber auch gescholten worden. Bereuen Sie einige Ihrer Experimente?

B.B. King: Nicht ein einziges. Ich würde jede meiner 78 Platten wieder machen, bis auf einen Song. Der heißt "Bim Bam Boom", und den habe ich so wenig gemocht, dass ich sogar das Jahr seiner Entstehung aus dem Gedächtnis gestrichen habe. Nächste Frage!

SPIEGEL ONLINE: Sie haben oft in Gefängnissen gespielt. Glauben Sie, wie der Kollege Barry White, dass Sie ohne Musik ein Krimineller hätten werden können?

B.B. King: Nein, dann wäre ich Farmer geworden. Oder ich wäre Discjockey geblieben. Beides ehrenwerte Berufe.

SPIEGEL ONLINE: Ist ein Blick in die Charts für Sie Grund genug, von den guten, alten Zeiten zu schwärmen?

B.B. King: Verdammt, welche guten, alten Zeiten? Dies hier sind die guten Zeiten, mir ging es nie besser als heute, und morgen wird es noch ein bisschen besser sein!

SPIEGEL ONLINE: Auch wenn wieder ein Journalist schreibt, Sie seien überhaupt kein echter "Bluesman" mehr?

B.B. King: Ich wehre mich längst nicht mehr gegen Lügen. Mit 74 habe ich das Recht, auf der Bühne auch mal zu sitzen. Und wer nun glaubt, ein echter Blueser müsse stehen, den schicke ich zu Ray Charles.

SPIEGEL ONLINE: Wofür haben Sie die ersten 10.000 Dollar Gage ausgegeben?

B.B. King: Wer sagt denn, dass ich je so viel verdient habe?

SPIEGEL ONLINE: Nun, wir hatten vorsichtig geschätzt.

B.B. King: Lassen Sie uns über 500 Dollar reden, da fällt mir mein erstes Auto ein. Das hatte nicht mal einen Tank, ständig musste ich den Kanister auf dem Rücksitz nachfüllen. Heute fahre ich einen Mercedes S 500, der ist ein wenig bequemer. Aber ich habe leider kein Geld mehr fürs Benzin.

Das Interview führte Stefan Krulle

B.B. King & Eric Clapton: "Ridin' With The King" (WEA)



© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.