"Da Huawa, Da Maier und I" Alpenrock mit Anspruch

Um den Fans etwas zu bieten, verkleiden sich die Musiker von "Da Huawa, da Meier und I" schon mal als Biogasanlagen. Letztlich überzeugen die drei Bayern aber mit mitreißendem Alpenrock und viel sanfter Ironie. Inzwischen zählen sie zu den erfolgreichsten Musikkabarett-Gruppen des Landes.

Chantal Pilsl

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Ein Abend mit ihnen ist ein einladendes, umarmendes Willkommensereignis: Da kommen drei gutgelaunte Männer in Tracht auf die Bühne und singen in bayerischer Mundart, "denn Dialekt ist was Scheens". Und rund 2000 Menschen im fast ausverkauften Münchner Circus Krone sind in kürzester Zeit völlig aus dem Häuschen, klatschen, jubeln und singen. Wie machen die das, "Da Huawa, da Meier und I"?

Mit dem Lied "Jeda is oana" stellen sie sich vor - "Da Huawa", das ist Christian Maier, 37, Matthias Meier (Da Meier), 32, und Siegi Mühlbauer (und I), 34. Die Namensgebung fand gleich nach der Gründung der Gruppe statt, bei der noch ein gewisser Huber dabei war. Als der ausstieg und Christian Maier einstieg, wurde der Name einfach beibehalten. Das war vor mehr als 13 Jahren.

Mit über hundert Livekonzerten im Jahr, Auszeichnungen, Fernsehauftritten und sieben CDs gehören "Da Huawa, da Meier und I" inzwischen zu den erfolgreichsten Musikkabarett-Gruppen Bayerns. Ihr neues Album "D'Würfel san rund" stieg nach Erscheinen auf Platz eins der Comedy Charts ein.

Vielseitig, aber immer bayerisch

Im Circus Krone ist das Publikum zwischen zehn und 95 Jahre alt. "Dass die Leute generationsübergreifend kommen und was mit unseren Stücken anfangen können, freut uns natürlich", sagt Sänger Christian.

Alle drei pflegen eine charmant-innige Interaktion mit ihren Zuhörern. Nahezu jedes Konzert ist eine Mitmacheinladung an die Gäste, viele von ihnen sind vertraut mit den Texten und Melodien. Mal frecher Alpenrock, mal gefühlvolle Balladen, nachdenklich und hintersinnig, spöttisch und ironisch rückt das Trio Bayern-Klischees zurecht und räsoniert über die Zumutungen der Moderne.

Immer wieder werden die drei mit den legendären Biermösl Blosn verglichen - zu Recht, was das musikalische Können angeht. Das Trio aus Maier, Meier und Mühlbauer spielt Gitarre, Trompete, Schlagzeug, Bass, Flöte, Dudelsack, Tenorhorn, Blockflöte, Klavier und Mundharmonika. A Capella singen und Jodeln können sie sowieso. Sie mischen traditionelle Volksmusik mit Jazz, Folk, Blues, Funk, Reggae oder HipHop - in dieser Vielfalt unterscheiden sie sich von ihren berühmten Kollegen.

Außerdem sind Da Huawa, da Meier und I - Verzeihung, verehrte Biermösl Blosn - jünger, fröhlicher und haben mehr Sexappeal. Auch pflegen sie ein anderes Politikverständnis - einen Ministerpräsidenten aus dem Amt zu singen, ist ihre Sache nicht. "Wir sind gesellschaftskritisch, aber wir führen niemanden vor", sagt Christian Maier, der die meisten der Texte geschrieben hat. Kritik mit Augenzwinkern und Humor zu verbinden, sagt er, öffne die Herzen der Menschen und ließe sie auch bittere Wahrheiten eher akzeptieren.

Volksmusik als Seele des Landes

Christian Maier wuchs auf einem Bauernhof in Niederbayern auf, dort ist bis heute sein Zuhause. Er erzählt, wie er vor Jahren mit seiner Gitarre durch die Welt reiste, nach Irland, Spanien, Kuba. Überall dort war Volksmusik lebendig, sagt er, überall habe er mit anderen Musikern gespielt und dabei entdeckt, wie sehr die heimische Musik die Seele des jeweiligen Landes spiegele. Irland, von Wasser umgeben, habe einen romantischen Sechs-Achtel-Takt, die kubanische Volksmusik sei dagegen sehr lebenslustig und tanzbar. Fürs Texten und Komponieren zieht sich da Huawa im Winter acht Wochen lang auf eine Insel im indischen Ozean zurück, in einen Bungalow ohne Strom und Internet. Kommt er zurück, erstellt Maier mit den beiden anderen Musikern die Arrangements.

Die Texte haben einen genauen Blick für das Alltägliche, ob es um das marode Gesundheitssystem geht, Fleischskandale oder dümmliche Castingshows, um Werteverfall und Konsumwahn. Das Lied "Fahndl im Wind" verspottet Spitzenköche, die nie genug Profit machen können. Namen werden keine genannt, doch jeder weiß, wer gemeint ist. Beim Umweltsong "Energie-Mix" präsentieren sich die Musiker, die einen ausgeprägten Hang zum Verkleiden haben, als leibhaftige Biogasanlage mit Windrad und Solarmodulen auf den Köpfen. In grässlich silbrigen Jacken liefern sie als "Flamingos" eine Persiflage auf die Volksmusikszene. Denn der "Musikantenstadl" mit seiner schmalzigen Leutseligkeit passt nicht zu ihnen, ebensowenig wollten sie einer Einladung zu "Genial daneben" auf Sat.1 folgen. "Diese Art Comedy hat ihre Berechtigung, ist aber nicht unsere Baustelle", sagt Sänger Christian. "Wir wollen unterhaltsam sein, aber nicht albern."

"Verwurzelt mit ehrlichem Brauchtum"

Der Erfolg hat sich langsam aufgebaut, seit 2007 läuft es so gut, dass die Musiker von ihrer Kunst leben können. Die wachsende Beliebtheit erklärt sich Christian Maier mit der Sehnsucht der Menschen nach Glaubwürdigkeit. "Unsere Fans merken wohl, dass wir keine große Wichtigtuershow machen wollen, dass wir die Leute wirklich mögen und uns über niemanden erheben."

In einigen Liedern zeigt sich die Heimatverbundenheit, die für Christian Maier und seine Oberpfälzer Kollegen eine große Rolle spielt. "Heimat, das ist, wo ich aufgewachsen bin, wo meine Familie lebt, wo ich jede Ecke kenne, wo ich echte Freunde habe", sagt Siegi Mühlbauer. Bayern als Heimat bedeutet für Matthias Meier, "eine Erdung, verwurzelt mit ehrlichem Brauchtum und einer wunderschönen Landschaft". Wer so aufgewachsen ist, glaubt er, könne dieses "bayerische Lebensgefühl sein Leben lang nicht mehr ablegen".

Bei so viel Heimatliebe wäre es durchaus vorstellbar, dass "Da Huawa, da Meier und I" in naher Zukunft nicht nur weitere Bühnen Deutschlands erobern, sondern - wie ihre Vorläufer, die Biermösl Blosn - vom Goethe-Institut eingeladen werden und als bayerische Kulturvermittler Europa, Japan und Afrika bereisen.

Bereits jetzt tun die Jungs etwas für die Völkerverständigung: Gerade waren sie mit der fünfköpfigen irischen Band "Na Ciotogis" in Deutschland unterwegs, am Samstag sind sie mit ihren Kollegen für weitere Konzerte nach Irland aufgebrochen.



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insgesamt 8 Beiträge
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exilami 10.11.2013
1. Dickes Lob
Ihr drei seid wirklich super! Liebe Grüße aus USA. Und der Spiegel kann auch was Positives schreiben. Das ist auch super. Das ist meine wichtigste Nachrichtenquelle hier und wenn die nur granteln is' auch nicht schön.
allesluege 10.11.2013
2. Immer raus damit
Zitat von sysopChantal PilslUm den Fans etwas zu bieten, verkleiden sich die Musiker von "Da Huawa, da Meier und I" schon mal als Biogasanlagen. Letztlich überzeugen die drei Bayern aber mit mitreißendem Alpenrock und viel sanfter Ironie. Inzwischen zählen sie zu den erfolgreichsten Musik-Kabarett-Gruppen des Landes. http://www.spiegel.de/kultur/musik/bayerische-boyband-da-huawa-da-meier-und-i-a-929796.html
Die Bayern Propaganda muss ja gepflegt werden. Ist ja fast wie damals ...
Addams 10.11.2013
3. Die Jungs sind einfach klasse
Schön, von so einer Band hier im Spiegel zu lesen. Ich hatte vor einigen Monaten die ausserordentlich Freude, die Jungs live zu erleben. Der Artikel gibt sehr gut wieder, was die Kombo ausmacht: Authentizität und Heimatverbundenheit. Wer sich an letzterem zu stören glaubt, sollte unbedingt mal ein Konzert von denen besuchen. Ja: Heimat! Es geht also doch, die eigene regionale Kultur zu interpretieren, zu modernisieren und sich dabei als Teil einer vielgestaltigen Welt zu sehen. Hoffentlich lernen noch mehr junge Musiker daraus. Mein absolutes Highlight des Abends war übrigens: "Bitte sog ned 'Tschüss' " eine Liebeserklärung an den eigenen Dialekt. Als Tschüss-sagender Preusse bin ich richtig neidisch geworden...
catcargerry 10.11.2013
4. Wie wann?
Zitat von allesluegeDie Bayern Propaganda muss ja gepflegt werden. Ist ja fast wie damals ...
Das sind für mich (aus der Gegend, wo man das raaanste Deutsch spricht) typische Bayern. Ich weiß nicht, was daran Propaganda sein soll. Aber ich hatte schon immer Probleme mit dem Bayern-Bild von vielen meiner Landsleute. Ich habe die Bayern von Kindheit an als zumeist patent, clever und umgänglich erlebt - nur mit einem anderen Dialekt als meine hiesigen Freunde - und die Entwicklung des Bayrischen Waldes vom Tal der Ahnungslosen, von Feldwegen durchzogen, zum heutigen gut strukturierten Urlaubsrevier beobachtet. In allen anderen bayrischen Gegenden sieht es ähnlich gut oder besser aus. Die haben auch ein paar Jahre Länderfinanzausgleich bezogen, aber das Richtige damit gemacht. Das bei der deutsch-nordischen "Intelligenzia" verbreitete Vorurteil, dass die auf den Bäumen schlafen, ist mindestens so dämlich wie das vom sturen Norddeutschen. Ok, Bayern hat keine Stadtstaaten, aber dafür München, das ist auch nicht unbedingt leichter.
hh4 10.11.2013
5. Die Message fehlt
verglichen mit Biermösl - übrig bleibt die (zugegebenermaßen gute) Unterhaltungsmusik. Also eher für Spießer und solche die gerade das nicht sein wollen. Ansonsten: gute Marktstrategie... Zensur! Zensur!
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