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Beatles-Neuauflage: Die Kronjuwelen des Pop

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Das Weihnachtsgeschäft hat begonnen: Am 9.9.09 erscheint wieder eine Beatles-CD-Edition - dieses Mal das restaurierte Gesamtwerk als Digipack. Muss das sein?

Beatles-Neuauflage: Aufpolierte Mono-Schätze Fotos
AP

Die Kronjuwelen der Popmusik sind natürlich in London, der Hauptstadt des Popuniversums, versteckt. In den legendären Abbey-Road-Studios lagern sie in einem tresorartigen Raum, gesichert durch zwei massive Stahltüren mit aufwendigen Kombinationsschlössern, dazu Alarmanlagen, Rauch- und Feuermelder, Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsmesser, sowie Kameras vor und hinter dem Eingang. Wer reingelassen werden will, muss schon einen sehr guten Grund nennen können, wenn er nicht McCartney oder Starkey heißt, denn dort lagern wohltemperiert die antiken Tonbänder, auf denen die Beatles in den sechziger Jahren ihre Geniestreiche verewigten.

In letzter Zeit herrschte dort erstaunliche Hektik, denn es galt, die wertvollsten Aufnahmen der Popgeschichte für ein neues Jahrtausend aufzufrischen. Genauer gesagt, die zwölf originalen, in Großbritannien veröffentlichten Beatles-Langspielplatten von "Please, Please Me" bis "Let it be" zu entstauben und aufzupolieren. Dazu kommen die später auf CD nachgereichten Past Master's Compilations. Ab dem 09.09.09 sind die überarbeiteten Dauer-Bestseller der Fabelhaften Vier nun einzeln oder für betuchte Komplettisten in zwei Boxen (Mono/Stereo) zu haben. Zur Krönung dieser Beatles-Offensive wird es für nachgewachsene Generationen und fidele Rentner noch eine Beatles-Edition des Videospiels "Rock Band" geben.

Mal abgesehen davon, dass mit dieser Aktion für die Firmen Apple (Der Beatles-Laden, nicht die Computer-Bastler!) und EMI das Weihnachtsgeschäft beginnt, bleibt die Frage, ob der ganze Zirkus die letzten Tonträgerkäufer überhaupt noch interessiert - oder eben nicht. Denn auf CD sind die Beatles bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten zu haben. Allerdings ist man sich mittlerweile einig, dass diese erste Beatles-CD-Generation, die damals auch als Sensation vermarktet wurde, nur mäßig aufbereitet war und eher matt klang. Seitdem verbreiteten audiophile Fans besser klingende, daheim nachgebesserte Versionen der Beatles-Alben im Netz, und offiziell legte die EMI eine geliftete Version von "Yellow Submarine" und "Let it be (Naked)" nach. Dazu kamen endlosen Debatten und Gerüchte, wann die Beatles denn ins digitale iPod-Zeitalter eintreten würden.

Den Anfang macht nun dieser Schwung CDs. Die sind sehr hübsch verpackt - angeblich limitiert als sogenannte Digipacks - mit ausführlichen Büchlein und Videodokumentationen zu den einzelnen Alben. Was aber nur halbspannend ist, da die Filme überwiegend aus der altbekannten "Anthologie"-Reihe zusammengebastelt wurden und wohl nur einige Dialoge tatsächlich neu sind. Die weit verbreitete Sitte, alte Platten für neue CD-Versionen mit unbenutztem Archivmaterial aufzuplustern, wurde auch ignoriert. Was aber auch ein künstlerisches Statement sein könnte, denn auch ambitionierte Kollegen wie Brian Eno und Bryan Ferry fanden die Vorstellung, CD-Neuauflagen zu erweitern, absurd: "Man malt bei Gemälden ja auch nichts dazu!" (Eno). Fest steht, dass die Rumpelkammern der Beatles zum Bersten voll sind, wie ungezählte Bootlegs belegen.

Aber letztendlich geht es ja aber auch nur darum, ob "Helter Skelter", "A Day in the Life", "Come Together" oder "Something" in den frischen Versionen nun wirklich umwerfend klingen oder eher unnötig sind.

Zum Glück ist das Resultat wirklich eindrucksvoll. All diese Lieder, die die meisten Menschen in- und auswendig zu kennen glauben, klingen hier unerhört kraftvoll und klar. So als wären sie vor einer Woche eingespielt worden. Dabei wurde hier nichts "remixt", also verändert, sondern eben nur aufwendig restauriert. Eigentümer von halbwegs brauchbaren Stereoanlagen sollten Tränen des Glücks vergießen. Besonders die teils vergessenen Mono-Versionen gerieten faszinierend kraftvoll! Und überhaupt wird noch einmal deutlich, wie radikal zeitgemäß die meisten Beatles-Songs auch in diesem Jahrtausend noch klingen, und warum die meisten ihrer Schüler stets ratzfatz wieder vergessen sind.

Das letzte Wort, der letzte Mix ist das hier natürlich nicht. Wohl bis in alle Ewigkeit werden in schöner Regelmäßigkeit (Weihnachten!) Nachschläge folgen: Vinyl, iTunes, Outtakes und Pipapo! Aber die Musik ist tatsächlich immer wieder ein Ereignis.


The Beatles: "The Remasters" (Apple/Emi). Erscheint am 9.9.2009.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 62 Beiträge
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1. Wtf are the Beatles
ArbeitsloserMathematiker 04.09.2009
Komisch - ich fand und finde die Beatles langweilig. Es ist kein Verlust, wenn die in Vergessenheit geraten.
2. Hmmmmm
Gegengleich 04.09.2009
Zitat von ArbeitsloserMathematikerKomisch - ich fand und finde die Beatles langweilig. Es ist kein Verlust, wenn die in Vergessenheit geraten.
...das sehe ich anders. Ich mag deren Musik und bin auch damit aufgewachsen. Aber das alljährliche Aufbrühen älterer Alben und Stücke kann einem schon auf die Nerven gehen.
3. We're only in it for the money...
1ne2wo3hree, 04.09.2009
Zitat von Gegengleich...das sehe ich anders. Ich mag deren Musik und bin auch damit aufgewachsen. Aber das alljährliche Aufbrühen älterer Alben und Stücke kann einem schon auf die Nerven gehen.
Mal sehen, welche i.d.R. günstigeren Alternativen dafür aus dem Katalog gestrichen werden - wäre ja nicht das erste Mal, siehe u.a. ABBA, The Cult und weitere. Aber wer eine 30.000€+-Anlage im Hörzimmer stehen hat, kann bestimmt auch die klanglichen Unterschiede heraushören oder sie sich zumindest und berechtigterweise einbilden. ;)
4. Back Katalog, Dauervermarktung
juttaburk 04.09.2009
Moin, ich finde den Beitrag, den die BEATLES zur neueren Musikgeschichte geleistet haben, sehr sehr wertvoll. Natürlich ist JEDE Art von Musik Geschmacksache, auch die der BEATLES. Und wer ist so naiv zu glauben, dass ausgerechnet die BEATLES, bzw. ihr Management keinen Profit erzielen wollen? Ich habe die meisten Platten der BEATLES in mehreren Variationen. Zuerst die LP's, dann die CD's aus den USA geholt. Und ich werde mir wahrscheinlich auch die "Box" holen. Mit € 12,50 je CD (JPC) nicht zu teuer bezahlt. Als selbst musizierende finde ich es schade, das die Digitaltechnik nicht ausgereizt wurde (DVD-A, SACD, 24/96). Wobei ich die 6-Kanalversion nicht brauche....Stereo langt. Aber dies kommt vielleicht nächstes Jahr :) Jutta
5. Na na
juttaburk 04.09.2009
Zitat von 1ne2wo3hreeMal sehen, welche i.d.R. günstigeren Alternativen dafür aus dem Katalog gestrichen werden - wäre ja nicht das erste Mal, siehe u.a. ABBA, The Cult und weitere. Aber wer eine 30.000€+-Anlage im Hörzimmer stehen hat, kann bestimmt auch die klanglichen Unterschiede heraushören oder sie sich zumindest und berechtigterweise einbilden. ;)
Moin, 123, ich sehe, Sie haben den Punkt erfasst. Ein Satz gute Ohren, gerichtetes Hören und eine gut komponierte Anlage für ~ € 2.000,-- sollte die Unterschiede ebenso hörbar machen. Ob das bei den BEATLES-CD auch so ist? - ich bin gespannt. Das Hörerlebnis bleibt natürlich auch bei einer 30'€ Anlage subjektiv. Aber Klang kann man nicht messen, nur Messwerte. 1982 hat man ja behauptet, alle CD's und alle Player klängen gleich - is ja digital :). Das dem nicht so ist, haben die Fachleute ja inzwischen :) herausgefunden. Jutta
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