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Berliner Opernstreit: Ex-Intendant Mussbach wirft Staatsoper "Fälschung" vor

Von Stefan Berg

Der Streit an der Berliner Staatsoper eskaliert. Ex-Intendant Peter Mussbach hatte starke Bedenken gegen die Inszenierung der Oper "Hölderlin/Eine Expedition" vorgebracht. Jetzt wirft er dem Haus vor, ein Libretto aus seiner Hand verfälscht zu haben - und droht mit rechtlichen Schritten.

Wenige Tage vor der Uraufführung der Oper "Hölderlin/Eine Expedition" am 16. November (Musik Peter Ruzicka/Libretto Peter Mussbach) durch die Staatsoper Unter den Linden Berlin eskaliert der Konflikt zwischen Ex-Intendant Mussbach und der Staatsoper.

Ex-Intendant Mussbach: Sieht Wesenszüge seines Werkes verfälscht
DPA

Ex-Intendant Mussbach: Sieht Wesenszüge seines Werkes verfälscht

Dazu liegt SPIEGEL ONLINE exklusiv folgende Erklärung von Mussbach vor:

Peter Mussbach als Urheber des Librettos der Oper "Hölderlin/Eine Expedition" hat für die Aufführungen des Werks an der Staatsoper Unter den Linden Berlin seinen Namen zurückgezogen und die Staatsoper zu einer Richtigstellung aufgefordert.

Zu diesem Vorgehen sieht sich Peter Mussbach veranlasst, da die Staatsoper Unter den Linden sein Werk ohne seine Einwilligung in einem Ausmaß bearbeitet hat, welches die Wesenszüge des Werkes verfälscht.

Die Urheberrechtsverletzung der Staatsoper wiegt deshalb umso schwerer, weil das Stück in der Staatsoper uraufgeführt werden soll.

Im Gegensatz zum Original-Libretto soll in der Berliner Bearbeitung im ersten Akt nicht die vorgesehene stumme, narrative Erzählung den Einstieg in das Stück bilden. Vielmehr wird unter weitgehender Streichung und Negierung dieser Erzählung mit der erstmaligen Einfügung von Textpassagen (ca. 65 Zeilen) eine andere Fabel dem Werk unterlegt.

Diese Textpassagen werden von einer hinzuerfundenen Figur gesprochen, die dem Stück, welches nach der Fassung von Mussbach nichts von Gott oder Göttern weiß, eine neue Bedeutung geben, indem die Geschicke der Menschen von Gottheiten bestimmt werden.

Der Regisseur und Bearbeiter des Librettos, Thorsten Fischer, räumt ein, dass er vom Haus ermuntert wurde, aus den - von ihm fehlerhaft als solche verstandenen - "Fragmenten" des Originallibrettos doch eine Geschichte zu machen.

Peter Mussbach wurde von der Staatsoper über diese Eingriffe in seine Werkfassung, so die Auskunft von Produktionsbeteiligten, bewusst nicht informiert, schon gar nicht um Zustimmung gebeten.

Da er sich nach seiner langen Zugehörigkeit mit dem Haus verbunden fühlt, will Peter Mussbach keine Unterlassungsverfügung erwirken. Dennoch will er gerichtlich prüfen lassen, ob das Urheberrechtsgesetz seinem Werk Schutz gewährt.

13. November 2008

Prof. Dr. Peter Mussbach

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