Pop! Die glückloseste Band Amerikas

Die Powerpop-Band Big Star gilt als ewiger Geheimtipp: Obwohl Kritiker sie seit Ewigkeiten loben, wurde es nie etwas mit dem Erfolg. Nun sind sie mit einem Dokumentarfilm und einer neu aufgelegten Box wiederzuentdecken.

AP

Unbekannt

Das Genre namens "Powerpop" ist über den Status des Dauergeheimtipps nie hinausgekommen. Das fängt schon damit an, dass die Wenigsten mit dem Begriff etwas anfangen können. Und wer gehört zu den Protagonisten des Genres? Tom Petty zum Beispiel. Die meisten Bands aber kennt kaum einer. Die Musik ist auch schwer zu finden, ein paar gut sortierte Plattenläden in London, Los Angeles, Paris oder Tokio bieten wenigstens eine kleine Powerpop-Auswahl. Und was ist Powerpop nun? Gespielt wurde er von Spezialisten-Gitarren-Bands, die zu Beginn der Siebzigerjahre den Sound der Beatles und Beach Boys für das neue Jahrzehnt aufbereiteten. Eine feine Einführung in dieses verkannte Genre bietet diese Powerpop-Top-Ten aus dem Blog des "Guardian" mit tollen Unbekannten wie The Raspberries, The Records, Stories oder Dwight Twilley und einigen großen Namen wie Todd Rundgren, Tom Petty und Cheap Trick. Die ungewöhnlichste dort vorgestellte Band ist aber wohl Big Star, deren Geschichte zu den traurigsten im Pop-Universum zählt.

Unverwundbar

Big Star waren eine dieser Bands, deren Name sich erst rumsprach, als alles zu spät war. Davon, dass sie längst als Klassiker gelten, konnten sie sich auch nichts mehr kaufen. Kein Wunder, dass aus ihrer Geschichte der feine Dokumentarfilm "Nothing Can Hurt Me" wurde, der nun endlich auch hierzulande auf DVD zu haben ist. Es ist die tragische Geschichte der Band um Alex Chilton und Chris Bell, deren drei Alben vom US-"Rolling Stone" unter den "500 besten Platten aller Zeiten" geführt werden, die die Flaming Lips, R.E.M und Evan Dando als großen Einfluss nennen - und die doch nie wirklich wahrgenommen wurden.

Unglücklich

Eine Einführung für Big-Star-Einsteiger bietet diese Zehn-Song-Liste des US-Blogs "Stereogum". Mit all den umwerfenden Songs wie "Kangaroo", "The Ballad Of El Goodo" und selbstverständlich "September Gurls" mit dem später The Bangles in die Charts rauschten. Warum Big Star auf der Strecke blieben, ist schwer zu sagen. Die Band, die von Beginn an von Kritikern vergöttert wurde, war stetig von Pech und Katastrophen verfolgt. Es passt, dass ein Big-Star-Beitrag im NPR-Blog "The Unluckiest Band In America" überschrieben ist. Da wird die exzellente Big-Star-Box "Keep An Eye On The Sky" vorgestellt, die lange vergriffen war, nun wieder aufgelegt wurde, und eine himmlische Auswahl an Big-Star-Raritäten bietet. Den späten Ruhm, der ihnen seit einigen Jahren zuteil wird, erlebt leider nur noch der Schlagzeuger Jody Stephens - die anderen drei Bandmitglieder sind tot - sodass man nicht wirklich von einem Happy End sprechen kann.


CD-Angaben:
Big Star: Nothing Can Hurt Me. Concorde; CD und DVD; 19,99 Euro.
Big Star: Keep an Eye on the Sky. Rhino/Warner; 24,99 Euro.

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insgesamt 9 Beiträge
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observer2014 13.03.2015
1. Wie bitte?
Um was geht es hier denn eigentlich? Darum dass irgendein Rechteverwerter mit den Werken der Band "Big Star" Kasse machen will. Wenn die Band wie geschrieben qualitativ gute Musik macht, dass lag es am Marketing, dass diese kein Kassenschlager geworden ist. Mit Marketing und Werbung, Werbung und nochmals Werbung wird dem geneigten Musikfan jeder Pop-Trash verkauft. Und weil es eben hipp und angesagt ist, kaufen die Leute das dann auch. In die Röhre hingegen schauen alle die Künstler, die bessere Musik machen und davon gibt es bei sieben Milliarden Erdbewohnern Millionen und Abermillionen.
calinda.b 13.03.2015
2. Wohl kaum
Jeder der den Dokumentafilm 'This is Spinal Tap' gesehen hat, weiss, dass sie nicht die Glücklosesten sind. Nicht mal ein einziger Trommler explodiert.
calinda.b 13.03.2015
3. Kein Wunder
Sie brauchen unbeding einen Marshall-Verstärker der bis 11 geht.
freddykruger, 13.03.2015
4. @calinda.b
Marshall Verstärker und Pop Musik? Das hat wirklich was von Spinal Tap (lol). Wenn man den Gerüchten glauben darf, suchen Big Star seit den 70er den Bühnenausgang.
montana2015 13.03.2015
5. Masters of Powerpop
Erstmal Danke, dass SPON ein solches Nischenthema auf die Startseite bringt. Vielleicht entdeckt ja jemand die geniale Musik, die mit Powerpop umschrieben ist. Auch wenn Big Star super sind und als Wegbereiter des Powerpop gelten, finde ich, dass es so richtig erst ein paar jahre später mit den Raspberries losging. Es war eigentlich ein reines USA-Phänomen, nur am rande gab es auch englische Bands, die nicht New Wave sondern Powerpop machen. Und Big Star sind da quasi vergleichbar mit den Stooges als Gottväter des Punk (allerdings mit weit weniger Einfluss auf die später aufkommende Powerpop-Szene als die Stooges auf den Punk), einfach ein paar Jahre zu früh und danach schnell vergessen. Aber egal. In der Top Ten des Guardian vermisse ich deshalb u.a. Paul Collins' Beat, die Plimsouls, The Romantics, The Rubinoos und Phil Seymour, die in der Hochzeit des Powerpop Ende der 70er/Anfang der 80er in den USA kurz vor dem konstanten kommerziellen Durchbruch standen und es dann doch irgendwie nicht schafften so richtig was vom Teller zu ziehen. Ich kann dem geneigten Leser/Hörer nur wärmstens anraten, die von mir genannten Bands und die Top Ten mal anzutesten. Die meisterhafte Verbindung von Cheesy Pop, Girl meets Boy-Texten und naivem Rock'n'Roll ist zwar manchmal over-the-top, aber das macht den Charme aus und es ist angenehm mal den Kopf auszuschalten. Hier zählen nicht Haltung und Cleverness sondern pure Emotion und der Wille den Pop-Hit des Jahres zu schreiben. Kaum einer hat das ganze überlebt. Paul Collins war letztens mit ein paar spanischen jungmusikern hier auf Tour und es war fantastisch, mit der nötigen Härte. Also, mein No.1 Tip: Kauft euch den CD-Twofer "The Beat/The kids are the same" = die ersten beiden Alben von Paul Collins' Beat als Einstiegsdroge, dann sitzt die Nadel!
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