Kylie Minogues erste Kostüme entstanden noch in der Küche ihrer Eltern. Mit Mutti und Oma schnitt die Australierin Stoffe zu und ließ die Nähmaschine surren. Die Arbeit mit Profis wie Dolce & Gabbana sei im Vergleich dazu wie eine "industrielle Revolution" gewesen, wird die Künstlerin in dem neuen Bildband "Kylie Fashion" zitiert.
Seit mehr als einem Vierteljahrhundert flattert Kylie Ann Minogue, kurz Kylie genannt, nun schon durch das Pop-Universum: eine kleine Ewigkeit in dieser Branche. Und obwohl sie lange als hübscher, talentarmer Witz belächelt wurde, hat die 44-Jährige längst eine erstaunliche Karriere aufzuweisen: Weltweit verkaufte sie mehr als 68 Millionen Platten, in ihrer Wahlheimat Großbritannien bekam sie von der Queen einen Orden für "Verdienste um die Musik" und in Frankreich sowie Australien ähnliche Auszeichnungen. Seriöse Rocker wie Nick Cave oder die Manic Street Preachers verehren Kylie und nahmen Platten mit ihr auf. Und im Londoner Wachsfiguren-Kabinett von Madame Tussaud wurde nur die Queen öfter modelliert.
Weil Kylie sich für diese Triumphe abgerackert hat, zelebriert sie seit vergangenem Jahr umso fröhlicher ihre zweieinhalb Dekaden im Musikgeschäft. Das Motto: "K25". Zu den Feierlichkeiten gehörten spezielle Konzerte mit selten gehörten Songs sowie das Album "The Abbey Road Sessions", wo sie ihre Bubblegum-Pop-Klassiker wie " I Should Be So Lucky", "The Locomotion" und "Can't Get You Out Of My Head" in alterweisen Cocktail-Jazz-Versionen präsentierte. Das interessanteste Resümee ihrer Arbeit bietet aber das am 11. März auch auf Deutsch erscheinende Coffee-Table-Buch "Kylie Fashion".
Von der grauen Maus zur Stil-Ikone
Es funktioniert als aufwendiges Pop-Art-Bilderbuch, aber auch als kurzweilige und aufschlussreiche Biografie. Geboten wird eine kunterbunte Collage von Fotos, Modezeichnungen und erläuternden Kurztexten der Beteiligten. Es ist die Geschichte einer eigentlich unscheinbaren jungen Frau, die die Haute Couture für sich entdeckt und mit zunehmender Virtuosität für ihr berufliches Überleben nutzt. Die Metamorphose von der grauen Maus zur Stil-Ikone führte die ehrgeizige junge Frau zu Karl Lagerfeld, Stella McCartney, Helmut Lang, John Galliano und Dolce & Gabbana.
Es ist ein Triumph der besonderen Art, wenn man bedenkt, aus wie wenig sich Kylie eine Karriere der Superlative gezaubert hat. Denn für eine Musikerin, die weder besonders toll singen, noch Songs schreiben kann, hat sie es atemberaubend weit gebracht. Immer wieder wurde Kylie als Madonna für Arme verhöhnt.
Tatsächlich ist da einiges, was die zwei Pop-Ikonen verbindet: So mussten sich beide unendlich oft anhören, dass sie nun abgemeldet seien, und triumphierten dann doch in schöner Regelmäßigkeit. Und ähnlich wie Madonna realisierte Kylie schnell, dass ein Überleben im Pop auch mit regelmäßigem Redesign der eigenen Person zu bewerkstelligen ist. Bei den Versuchen, ihre oft exotischen und extravaganten Kostüme wieder abzulegen, sei sie schon in Ohnmacht gefallen und von Panikattacken übermannt worden, erinnert sich Kylie Minogue. Wie viel Arbeit, Leidenschaft, Disziplin, Instinkt, aber eben auch Talent für 25 Jahre im Pop nötig sind, belegt anschaulich dieses Buch.
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