Gitarren-Bildband Volle Breitsaite

Popmusik wäre ohne Gitarre kaum vorstellbar - nun ist dem Instrument der prächtige Bildband "The Guitar Collection" gewidmet worden: Er stellt die Instrumente von Meistern wie Carlos Santana und Neil Young vor.

Getty Images/ Edel/ earBOOKS

Angus Young, Gitarrist der australischen Senioren-Rocker AC/DC, behauptet, dass seine Gitarre, eine Gibson SG, ihn damals "erwählt" habe, in einem Fachgeschäft in Sydney. Queen-Gitarrist Brian May, der in den ewigen Ranglisten der Virtuosen seines Fachs immer weit vorne landet, baute sein erstes und noch mit Queen genutztes Instrument als Teenager selber - eine "Red Special". Und Pete Townshend von The Who wurde auch berühmt, weil er Unmengen von Gibson- und Fender-Gitarren auf Konzertbühnen zertrümmerte.

Mythen, Geschichten und Legenden über Gitarren gibt es so viele wie Gitarren selbst. Das Saiten-Instrument ist ein elementarer Bestandteil der Musikgeschichte. Quer durch alle Genres und Kulturen - egal ob Rock, Reggae, Folk, Jazz, Funk, Punk oder Klassik - kaum ein Genre ist ohne ihren Einsatz vorstellbar. Daran hat sich auch in diesem durchdigitalisierten Jahrtausend nichts geändert, in dem die Gitarre sogar als Quelle für Computerspiel-Hits ("Guitar-Hero") dient.

Als Hommage an dieses elementare Kulturgut ist nun ein feines Coffeetable-Book mit dem schlichten Namen "The Guitar Collection" erschienen: "Eine Gitarre ist ein besaitetes Zupfinstrument mit tailliertem Korpus, geschwungenen Zargen, einem Hals mit Bünden und einer Kopfplatte mit Stimmmechaniken", steht da in der Einführung nüchtern erläutert. Vor allem aber funktionieren Gitarren immer wieder als tolle Zauber-Instrumente, die Träume schüren, von Lasten befreien und Massen euphorisieren können.

Der Autor selbst besitzt nur drei Gitarren

Autor des Buches ist der im britischen Bristol lebende Tony Bacon, der in den Siebziger- und Achtzigerjahren als Journalist für Musikinstrumente-Magazine arbeitete. Dann spezialisierte er sich darauf, Bücher über Gitarren zu veröffentlichen - über Fender, Gibson Les Paul, Rickenbacker, über die teuersten Gitarren der Welt. Selbst besitzt er nur drei Gitarren, aber dafür sehr, sehr viele Kataloge von Herstellern.

Mit "The Guitar Collection" spannt Bacon den Bogen diesmal sehr weit: von den ersten, Mitte des 16. Jahrhunderts entwickelten Prototypen bis hin zu zackig geformten ESP-Snakebite-Modellen, mit denen Metallicas James Hetfield die Mehrzweck Arenen des Planeten erbeben lässt.

Der Wälzer funktioniert als eine Mischung aus Nerd-Bilderbuch und lockerer Musik-Geschichtsstunde. Auf mehr als 150 Seiten sind groß abgebildete Gitarren zu bestaunen, kombiniert mit kleinen Geschichten zu ihren berühmtesten Nutzern. Zu entdecken gibt es legendäre Modelle von Fender, Gibson oder Rickenbacker und vielen anderen in allen nur denkbaren Variationen: die Höfner-Club-40, mit der John Lennon und George Harrison einst in Liverpool loslegten; die Fender Stratocaster, mit der Jimi Hendrix das Genre erweiterte; die Martin 0-42, auf der Joan Baez ihre ersten Folk-Songs klampfte oder die Telecaster, auf der Muddy Waters einst den Blues elektrisierte.

Geboten wird hier eine Ahnengalerie großer Könner, die von Eric Clapton und Paco de Lucía bis in die Gegenwart von Noel Gallagher von Oasis und Dan Auerbach von den Black Keys reicht. Bedauerlich ist nur, dass sich die Auswahl vor allem auf weiße Rock-Virtuosen konzentriert. Dass, zum Beispiel, ein Gitarren-Großmeister wie Chic-Mann Nile Rodgers, dessen spektakuläre Riffs ("Good Times"!) und Melodien die moderne Musik enorm beeinflussten, nur in einer Aufzählung erwähnt wird, ist bizarr. Die Amerikanerin Joan Jett, deren elektrisierende Version von "I Love Rock'n'Roll" Legionen von Frauen motivierte, zur Gitarre zu greifen, kommt gar nicht vor.

Trotzdem macht das Mammutwerk Spaß und könnte nach ausgiebiger Lektüre zu der Versuchung führen, heimlich vor dem Spiegel Luftgitarre zu spielen.


Buchangaben:
Tony Bacon: The Guitar Collection. Übersetzung: Margit Sander & Ruth Frobeen. Edel Earbooks, Hamburg; 192 Seiten; 49,95 Euro.



insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
juergenspang 09.01.2015
1. Recherche ???
Ein bisschen Recherche wäre auch bei diesem Thema schön gewesen. Die deutsche Gitarrenmarke, die die Beatles bekannt machten, heisst "Höfner" - und nicht Hoffner! Fenders Ikone ist die "Stratocaster" - und nicht die Statocaster!
energie123 09.01.2015
2. Noel Gallagher???
Was hat Noel Gallagher in einem Gitarren-Lexikon neben Eric Clapton und Paco de Lucia verloren? Da könnte man ja auch mich Amateurkicker neben Franz Beckenbauer und Pele` stellen...
lei-ming 09.01.2015
3. kleine Geschichtsstunde
Im Artikel wird von einer "Hoffner Club 40" gesprochen, gemeint ist sicherlich die fränkische HÖFNER Club 40, welche zu Zeiten der Beatlemania per eigenem Vertrieb auch in Britannien verkauft wurde. Diese Instrumente wurden damals in den Katalogen ohne die Pünktchen über dem "o" angepriesen, nicht wenige gar herstellerseitig ohne eben diese Punkte gefertigt. Jedoch ist "Hoffner" schlichtweg falsch. Vielen Dank für den Hinweis! Wird sofort korrigiert! - sysop
cadaquesien 09.01.2015
4. Noel Gallagher ein
Das ist ja mal eine Neuigkeit. Mister Gallagher ist wohl eher bekannt für sein simples und rumpeliges Spiel, und er selbst wäre wohl der letzte, der anderes behaupten würde. Nichts gegen Oasis, davon ab!
deegeecee 09.01.2015
5.
Zitat von juergenspangEin bisschen Recherche wäre auch bei diesem Thema schön gewesen. Die deutsche Gitarrenmarke, die die Beatles bekannt machten, heisst "Höfner" - und nicht Hoffner! Fenders Ikone ist die "Stratocaster" - und nicht die Statocaster!
Eigentlich war es nur McCartney, der mit einem Höfner-Bass auftrat. Lennon und Harrison spielten Rickenbacker bzw. Gibson und später Gretsch. Angeblich ging es dabei auch um Wahrung der "Credibility" durch Abgrenzung zu den Shadows mit ihren Stratocastern.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.