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Amtlich

Black-Sabbath-Sänger Ozzy Osbourne "Zu viele verbotene Erfrischungen!"

Black Sabbath: Die Urväter des Heavy Metal Fotos
Getty Images

Liebe "Amtlich"-Freunde und -Hasser, was soll man da noch viele Worte machen? Da Black Sabbath gerade durch Europa touren und zudem just ihre neue Live-CD/-DVD "Live… Gathered In Their Masses" veröffentlicht haben, kann man ja für unser Amtlich-Blog auch ruhig mal ein paar Worte mit ihrem legendären Frontmann Ozzy Osbourne wechseln, oder?

Bis denne!

SPIEGEL ONLINE: Sie sind jetzt 64. Ab wann bereut ein Rocker seine Tätowierungen?

Ozzy Osbourne: Ab dem Zeitpunkt, an dem die Kinder, in meinem Fall meine Tochter, einen darauf aufmerksam machen, dass es Zeit wird, sich von diesen Verzierungen zu verabschieden. Deshalb lasse ich mir die ganzen Kunstwerke jetzt Stück für Stück entfernen. Ich staune trotzdem, wie sehr Tätowierungen weit und breit immer noch in Mode sind. Unsere Konzerte sind überfüllt mit Menschen, die über und über tätowiert sind. Den Jüngeren von denen möchte ich manchmal ins Ohr flüstern, dass es mühselig ist, diese tollen Verzierungen später wieder loszuwerden.

SPIEGEL ONLINE: Hätte Ihnen vor zehn Jahren jemand gesagt, dass Sie noch mal mit Black Sabbath eine Platte aufnehmen und auf Tournee gehen, hätten Sie das für möglich gehalten?

Black Sabbath - "God is Dead"
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Osbourne: Auch wenn es mir keiner glaubt, hatte ich immer diese Ahnung, dass wir uns trotz aller Streitereien eines Tages zusammenraufen würden. Ich wusste nicht, wann oder wie, aber es durfte nicht so unbefriedigend zu Ende gehen mit Black Sabbath. Damit wir uns hier richtig verstehen: Ich habe die Reunion nicht vorangetrieben. Meine Solokarriere lief nämlich ziemlich gut. Trotzdem ist das neue Black-Sabbath-Album wohl die wichtigste Platte meiner Karriere. Nach einer so langen Auszeit noch mal ein würdevolles Album zusammenzukriegen, war für uns schon eine erstaunliche Leistung. Dazu kommt, dass das Ding ja auch kommerziell alle Erwartungen weit übertroffen hat. Wir sind in vielen Ländern tatsächlich auf dem ersten Platz der Charts gelandet. Zum ersten Mal auch in Deutschland! Ein Nummer-eins-Album für Black Sabbath nach so vielen Jahren Pause? Ich kann kaum in Worte fassen, wie sehr mich das gefreut hat.

SPIEGEL ONLINE: Sie und Ihre Kollegen sind alle im Rentenalter. Wie bereitet man sich da auf eine Rock-Tournee vor?

Osbourne: Man muss nur auf ein paar Kleinigkeiten achten, dann läuft das. Vor allem musste ich meine Stimme in Form bringen, was anstrengend war. Es half, dass ich keinen Alkohol mehr trinke, nicht mehr rauche und auch von Drogen die Finger lasse. Da fühlt man sich gleich erstaunlich lebendiger. Für einen 64-Jährigen bin ich ziemlich gut in Schuss! Ich bin fitter als mit 50. Kein Witz! Und passen Sie mal auf: Ich habe mit vielen tollen Musikern Black-Sabbath-Songs aufgeführt. Aber so pathetisch das klingen mag: Keine Band spielt diese Songs eben wie Black Sabbath! Das elektrisiert mich jedes Mal wieder.

SPIEGEL ONLINE: Was lassen Sie sich denn bei den Shows an Erfrischungen in die Garderobe stellen?

Osbourne: Alkohol eben nicht! Ich wünsche mir immer nur etwas Wasser und Obst. Enttäuschend, oder?

SPIEGEL ONLINE: Gab es zumindest schon einen nennenswerten Streit hinter den Kulissen?

Osbourne: Nein. Auch das nicht. Ich habe zwar Black Sabbath nicht vermisst, aber als ich die Band 1979 verließ, war das ein unbefriedigendes Finale. Meine letzten Jahre bei Black Sabbath habe ich ohnehin kaum mitbekommen. Zu viele verbotene Erfrischungen! Ich war immer angeschlagen. Aber wenn man älter wird, kapiert man, dass es hilft, miteinander zu reden. Der ganze Ego-Quatsch verdunstet mit den Jahren. Wir haben früher so viel und so heftig gestritten, das eigentlich alles gesagt und geklärt ist zwischen uns. Wir sind jetzt eben reifer und haben noch nie so entspannt zusammengearbeitet. Herrlich, oder? Wenn meine Karriere morgen vorüber wäre, wäre ich mit allem im Reinen.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben sich auch im Studio nie gezankt? Immerhin haben Sie vor einigen Jahren mal einen Comeback-Versuch mit dem Produzenten Rick Rubin abgebrochen, weil Sie sich alle immer noch spinnefeind waren, oder?

Black Sabbath - "Loner" (live)
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Osbourne: Stimmt, der letzte Versuch scheiterte wirklich schrecklich. Aber ich wusste auch, dass das unsere letzte Chance ist, wir werden ja nicht jünger, und diesmal haben wir es ganz gut hinbekommen. Von den 16 Songs, die wir in Rekordzeit fertigstellten, schafften es immerhin acht auf das Album. Ich habe die Songs meinem Sohn und seinen Freunden vorgespielt: Die waren begeistert. Zumindest taten sie so. Ich war nur wirklich genervt, dass ich dieselben Songs immer wieder und wieder singen musste. Ich stand da in einer kleinen Kabine und hatte oft wahnsinnig schlechte Laune, weil Rick Rubin sagte: "Ozzy, das war umwerfend. Aber jetzt versuchst du es noch mal, oder?" Ich war kurz davor, total auszuflippen. Aber letztlich muss ich zugeben, dass ich von meinem Gesang auf dem Album jetzt auch sehr angetan bin.

SPIEGEL ONLINE: Wie kam es, dass Sie Ihre erste Single "The End of the Beginning" in der US-TV-Serie "CSI" aufführten? Ihre Hommage an die moderne Welt?

Osbourne: Das hat die Plattenfirma ausgeheckt. Seit einer Ewigkeit bedrängten uns Produzenten von TV-Serien, ob wir da nicht auftreten wollten. Wir wollten nie. "CSI" schauen wir zufällig alle gerne, und es ist auch sehr erfolgreich in den USA. Aber der Drehtag war schon merkwürdig. Es fühlte sich an, als ob wir den ganzen Tag nur warten würden, dass es losgeht, bis irgend so ein Vogel glücklich mit dem Kameradrehwinkel ist. Dann läuft alles - und nach drei Sekunden schreit einer Stopp! Aber der Vorteil ist, dass wir keine Videos mehr drehen müssen. So ein TV-Quatsch verbreitet sich ja gleich wie irre im Internet. Das ist schon toll.

SPIEGEL ONLINE: Nervt Sie der Satanismus-Zirkus bei Black Sabbath eigentlich mittlerweile?

Osbourne: Ach, was soll ich dazu noch sagen? Feststeht, dass man bei diesem Bandnamen keine Songs wie "I Left My Heart in San Francisco" spielen kann. Wir repräsentieren nun mal die dunkle Seite des Lebens. Wie dunkel, ist dabei natürlich eine Ermessensfrage. Aber die Nacht gehört genauso zum Leben wie der Tag.

SPIEGEL ONLINE: Wieso heißt Ihr Comeback-Album eigentlich "13"? Um die Hobby-Satanisten zu erfreuen?

Osbourne: Blödsinn! Die Idee, das Album "13" zu nennen, kam sogar von mir. War aber eher als Witz gemeint. Aber dann blieb es dabei, weil die Plattenfirma den Titel so toll fand. Ich bin nicht stolz drauf. Aber es passt vielleicht, weil das erste Black-Sabbath-Album am 13. Februar 1970 veröffentlicht wurde. Und an den Sound der frühen Jahre knüpfen wir mit den neuen Songs ja an. Unser Sound hat sich nicht groß verändert, aber die Welt ist ja auch immer noch düster, oder?

SPIEGEL ONLINE: Dass Sie vor jedem Konzert beten, ist ein Gerücht, oder?

Osbourne: Doch, das stimmt! Aber ich verrate Ihnen nicht, zu wem oder was ich bete. Ha!

Das Interview führte Christoph Dallach

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Forum - Amtlich - und Ihre Meinung zum Metal?
insgesamt 517 Beiträge
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1.
Kuechenchef, 05.05.2011
Tides from Nebula habe ich neulich live gesehen, es scheinen recht nette, unprätentiöse Zeitgenossen zu sein. Der musikalische Eindruck war obendrein exzellent. Was aber letztlich nichts daran ändert: postrock ist ja doch irgendwie nur eine Krücke für manche erwachsene Männer, die zwar einerseits auf Pomp, Bombast und Pathos nicht immer verzichten mögen, deren Fremdschämtoleranzgrenze (womöglich verschoben im Laufe der Jahre) aber andererseits deutlich zu hoch angesiedelt ist, um "Gesang" und/oder "Texte" klassischer Metal-Kapellen noch ertragen zu können. Blood Ceremony ist ganz ok, Black Mountain ist mir aber lieber, denn da wird weitesgehend auf Flöten verzichtet. FLÖTEN. Vielleicht das Heavy Metal-Instrument schlechthin, denn zumindest für meine Ohren klingen sie, als kämen sie direkt aus der Hölle. Warum Iren mit verzerrten Gitarren jammern und nölen dürfen, die ohne aber nicht, erschließt sich mir abschließend irgendwie aber trotzdem oder gerade deshalb rein gar nicht.
2.
Volker Paul, 06.05.2011
Zitat von KuechenchefTides from Nebula habe ich neulich live gesehen, es scheinen recht nette, unprätentiöse Zeitgenossen zu sein. Der musikalische Eindruck war obendrein exzellent. Was aber letztlich nichts daran ändert: postrock ist ja doch irgendwie nur eine Krücke für manche erwachsene Männer, die zwar einerseits auf Pomp, Bombast und Pathos nicht immer verzichten mögen, deren Fremdschämtoleranzgrenze (womöglich verschoben im Laufe der Jahre) aber andererseits deutlich zu hoch angesiedelt ist, um "Gesang" und/oder "Texte" klassischer Metal-Kapellen noch ertragen zu können. Blood Ceremony ist ganz ok, Black Mountain ist mir aber lieber, denn da wird weitesgehend auf Flöten verzichtet. FLÖTEN. Vielleicht das Heavy Metal-Instrument schlechthin, denn zumindest für meine Ohren klingen sie, als kämen sie direkt aus der Hölle. Warum Iren mit verzerrten Gitarren jammern und nölen dürfen, die ohne aber nicht, erschließt sich mir abschließend irgendwie aber trotzdem oder gerade deshalb rein gar nicht.
Herr jeh ... fein, fein. Aber die Pentagram-Scheibe finde ich trotzdem gut.
3. Frei ohne Titel
Shiraz, 23.05.2011
Zitat von sysopJan Wigger und Thorsten Dörting besprechen in der neuen Kolumne "Amtlich" aktuelle Metal-Alben - jeden ersten Donnerstag im Monat. Ihre Meinung? Welches sind besten neuen Metal-Werke?
Ich habe nie verstanden, warum Metal manchmal in der Kategorie Musik erscheint. Halte das für ein Missverständnis. Eigentlich ist es nur Lärm, vergleichbar einem Presslufthammer oder einem startenden Flugzeug.
4. re
marks & spencer 23.05.2011
Zitat von ShirazIch habe nie verstanden, warum Metal manchmal in der Kategorie Musik erscheint. Halte das für ein Missverständnis. Eigentlich ist es nur Lärm, vergleichbar einem Presslufthammer oder einem startenden Flugzeug.
Dann bleiben Sie doch lieber bei Ihren Schlagern.
5. Nix Versteh
kingofmetal 24.05.2011
Zitat von ShirazIch habe nie verstanden, warum Metal manchmal in der Kategorie Musik erscheint. Halte das für ein Missverständnis. Eigentlich ist es nur Lärm, vergleichbar einem Presslufthammer oder einem startenden Flugzeug.
Gut, dass Sie zugeben, keine Ahnung zu haben. Metal ist nämlich viel lauter... :-)
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  • Thorsten Dörting
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