Porno-Rapper Blowfly Der "Pate des Hip-Hops" ist tot

"Shitting on the Dock of the Bay"? Mit seinem schrulligen Vulgär-Rap beeinflusste Clarence Reid maßgeblich den Hip-Hop - jetzt ist er im Alter von 76 Jahren gestorben.

Rapper Blowfly: Beeinflusste Rapper wie Chuck D und Snoop Dogg
Getty Images

Rapper Blowfly: Beeinflusste Rapper wie Chuck D und Snoop Dogg


Er trug schon Maske, als Sido noch gar nicht geboren war: Der US-Rapper Clarence Reid, der unter seinem Künstlernamen Blowfly international bekannt war, ist im Alter von 76 Jahren gestorben. Das gab sein Schlagzeuger Tom Bowker auf der Facebookseite des Künstlers bekannt. Ein Sprecher des Rappers bestätigte die Todesnachricht.

Reid wurde oft als "Pate des Hip-Hops" beschrieben, da er mit seinem Vulgär-Rap großen Einfluss auf die Entwicklung des Musikgenres hatte. Seine ersten Sex- und Fäkalnummern veröffentlichte Reid bereits 1971. Damals arbeitete er als erfolgreicher Soulkomponist, reicherte in seiner Freizeit aber spaßeshalber bekannte Stücke durch vulgäres Sprachmaterial an: In "Rainy Night in Georgia" ersetzte er etwa "Rainy" durch "Spermy", aus Otis Reddings Klassiker wurde "Shitting on the Dock of the Bay". Seine Großmutter verpasste ihm dafür den Spitznamen Blowfly, "Schmeißfliege".

Im Laufe seiner Karriere veröffentlichte Reid zahlreiche Alben mit selbst komponiertem oder nachempfundenem Material, denen er auch mal fiktive Mitgliedkarten für Bordells in aller Welt beilegte. Häufig spielte er Tracks neu ein oder ordnete sie zu Sammlungen an: "Rapp Dirty" etwa, einen seiner bekanntesten Songs, hatte er nach eigenen Angaben bereits 1965 aufgenommen, veröffentlichte das Lied aber wegen seines furchtsamen Labels erst 1980. Chuck D zitierte im Public-Enemy-Klassiker "Fight the Power" aus dem Song.

Von Blowflys Einfluss auf den Hip-Hop-Geschäft zeugen zahlreiche Samples in den Aufnahmen von Rap-Ikonen wie Method Man und DMX. Künstler wie Beyoncé oder Wu-Tang Clan coverten Lieder des Rappers. Blowfly sprengte aber auch Genregrenzen: So spielte er 2008 im Vorprogramm der Ärzte und verstörte mit seiner schrulligen Show selbst die Fans der notorischen Spaßband.

Zu seinem Tod twitterte Flea von den Red Hot Chili Peppers: "Ich hatte das große Privileg, mit Blowfly zusammenzuspielen. Ruhe in Frieden, Clarence Reid." Auch Rapper Ice-T kondolierte auf Twitter.

Erst in der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass sich Reid in ein Hospiz in Florida begeben hatte. Er litt nach diesen Angaben an Leberkrebs. Im Februar soll das letzte Album des Künstlers mit dem Titel "77 Rusty Trombones" erscheinen.

eth/dpa



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