Neuauflage von Band Aid gegen Ebola Geldofs Kaufbefehl

Bob Geldof rief, Dutzende Stars kamen: Von den Teenie-Idolen von One Direction bis zu Bono nehmen Musiker in London "Do They Know It's Christmas?" neu auf, um Geld für den Kampf gegen Ebola zu sammeln. Es geht weniger ums Hören als ums Kaufen.


London - Es ist die Neuauflage der Neuauflage der Neuauflage: Die mühsam angelaufenen Anstrengungen der internationalen Staatengemeinschaft im Kampf gegen die Ebola-Epidemie bekommen nun Unterstützung von Popstars. Mal wieder. Um Geld für den Kampf gegen Ebola einzutreiben, versammelten der irische Rockmusiker Bob Geldof und sein schottischer Kollege Midge Ure am Wochenende in London Musiker, die eine neue Version von "Do They Know It's Christmas?" aufnahmen.

Die beiden hatten 1984 das erste Band-Aid-Projekt ins Leben gerufen. Damals kamen die Spenden Hungernden in Äthiopien zugute. 30 Jahre später musizierten im selben Musikstudio viele Stars zusammen, die 1984 noch nicht geboren waren - etwa die Sängerinnen Rita Ora, 23, und Elli Goulding, 27.

In den Sarm-Studios im Londoner Stadtteil Notting Hill sangen junge Künstler wie die Teenie-Band One Direction, Chris Martin von Coldplay und Veteranen wie Sinead O'Connor, U2-Frontmann Bono und Robert Plant von Led Zeppelin zusammen. Geldof sagte bei seiner Ankunft in London über die Rolle der reichen Staaten: "Wir müssten jetzt nicht hier sein, wenn sie ihre Versprechen von den G8-Gipfeln und ähnlichen Treffen eingehalten hätten."

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Das Lied, dessen Text dem neuen Spendenzweck angepasst wurde, soll am Sonntagabend erstmals im britischen Fernsehen zu hören sein und ab Montag zum Verkauf stehen. Geldof forderte die Menschen auf, die Platte zu kaufen, "ob ihr sie mögt oder nicht". Die Einnahmen sollen vollständig dem Kampf gegen das Ebolavirus zugute kommen. Den jüngsten Zahlen der Weltgesundheitsbehörde zufolge haben sich rund 14.400 Menschen mit dem Virus infiziert, von denen fast 5200 gestorben sind.

1989 und 2004 hatte es bereits neue Versionen von "Do They Know It's Christmas" gegeben. In Deutschland wollen am Montag mehr als zwei Dutzend Stars das Lied auf Deutsch einspielen, darunter die Toten Hosen und Udo Lindenberg.

wit/dpa/AFP



insgesamt 13 Beiträge
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Tante_Frieda 16.11.2014
1. Missverstanden
Um nicht missverstanden zu werden:Ja,die Staatengemeinschaft soll,ja sie muss,wenn sie ein Gewissen hat,den von Ebola betroffenen Menschen in Afrika tatkräftig helfen.Aber bitte nicht mit einem derart grausligen Lied und erst recht nicht,wenn - wie hier - wieder einmal Bono von U2 sein angeblich so großes Herz zeigt.Seine Millionenennahmen in Amsterdamer Briefkastenfirmen vor der Steuer verstecken,aber dann die Staaten der Welt zur Hilfe auffordern,obwohl er als Nichtsteuerzahler zu dieser Hilfe nichts beiträgt.Da nützt es wenig,immer wieder mal einen Solidaritätssong zu trällern.Ich glaube,das nennt man Scheinheiligkeit.
sitzhund 16.11.2014
2.
Ich bin skeptisch. Warum redet Geldof nicht mal darüber, was vor 30 Jahren alles falsch gelaufen ist? Millionen in ein Land zu pumpen, dessen Straßen im Besitz des Militärregimes waren, dem man daher sicher über die Hälfte des Geldes in den sie wissen schon stecken musste, damit die Hilfsgüter auch nur irgendwo mal ankommen, kann keine gute Idee sein. Popstars finanzieren eine Militärdiktatur und die ganze Welt freut sich drüber, dass äthiopische Frauen ein bisschen was zu essen bekommen, bevor sie vergewaltigt und totgeprügelt werden können. Und die Popfutzis haben ja auch einiges davon. Klar, der Kampf gegen Ebola ist ein hohes und wichtiges Ziel, aber Geldof macht sich wie man sieht nicht mal mehr die Mühe, die Leute irgendwie davon zu überzeugen, dass auch alles richtig läuft.
Miker 16.11.2014
3.
Solchen Veranstaltungen fördern die ökonomischen Interessen der Pop-Industrie und die mediale Selbstinszenierung und Imagepflege ihrer Akteure. Das selbstlose Mäntelchen ist Tarnung.
Peter Eckes 16.11.2014
4. Ebola ist längst auf dem Rückzug.
Aber das darf man ja nicht schreiben. Wurde mir beim letzten Artikel auch schon wegzensiert. Das passt natürlich nicht ins Weihnachtsgeschäft das Ebola schon ein Auslaufmodell ist. Seit Wochen sterben nur noch vereinzelte Personen aber vor Weihnachten soll der Gutmensch natürlich noch mal richtig abkassiert werden. Wie oben schon geschrieben, die feinen Herren sollen vor der eigenen Haustüre kehren.
lemmy01 16.11.2014
5.
Hätte Geldorf lieber einmal einen Spendenaufruf gemacht mit der Drohung, dass ansonsten "do they know it's christmas time" neu eingespielt wird. Das wäre wahrscheinlich erfolgreicher gewesen. Irgendwie hat das Ganze für mich einen schalen Beigeschmack. Schnell mal ein paar Popstars zusammentrommeln, die dann wieder einmal in den Medien auftauchen und damit auch den Verkauf der eigenen "Produkte" anschieben können, und ansonsten wieder den gleichen Song mit etwas geändertem Text "verwursten". Wenn schon Geldorf nicht mehr die Kreativität hat nach diesem Song, "I don't like mondays" und "banana republic" einen weiteren zu schreiben, hätte das doch einer seiner prominenten Stars übernehmen können.
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