Schatz im feuchten Keller Verschollene Live-Aufnahmen von Bob Marley restauriert

Die Spulen lagerten 40 Jahre in einem nassen Keller: Tontechnikern ist es gelungen, Aufnahmen von Live-Auftritten von Bob Marley und den Wailers wiederherzustellen.

Bob Marley bei einem Konzert in München (1980)
DPA

Bob Marley bei einem Konzert in München (1980)


In London ist ein musikalischer Schatz vor der Vernichtung bewahrt worden. Mehrere Bänder mit Konzertmitschnitten von Bob Marleys Auftritten in London und Paris aus der Zeit zwischen 1974 bis 1978 konnten erfolgreich restauriert werden, berichten mehrere britische Medien.

Die Bänder, die in einem Pappkarton gefunden wurden, waren bei ihrer Entdeckung in einem so schlechten Zustand, dass eine Restaurierung zunächst unmöglich erschien. Wasser hatte den 13 Magnetbändern so zugesetzt, dass schmieriger Dreck aus ihnen tropfte, sagte der Jazz-Sänger Louis Hoover, dem der Schatz den Berichten zufolge von dem Londoner Geschäftsmann Joe Gatt übergeben wurde.

Marley-Fan Gatt hatte die Bänder, die in der Fangemeinde auch als "Lost Masters" bekannt sind, aus dem feuchten Keller eines heruntergekommenen Londoner Hotels gerettet. Dort lagerten sie mehr als 40 Jahre.

Marley und seine Band "The Wailers" hatten während ihrer Konzerttournee in Europa Mitte der Siebzigerjahre in dem inzwischen geschlossenen Hotel gewohnt. Die Reggae-Ikone starb 1981 im Alter von 36 Jahren an Krebs. Rechtzeitig zu Marleys 72. Geburtstag am Montag kommt nun die Nachricht von der erfolgreichen Wiederherstellung der "Lost Masters".

Musikalische Schätze

Nach mehr als zwölfmonatiger Arbeit konnte ein Tonstudio die analogen Aufnahmen so weit rekonstruieren, dass die Stücke, darunter "No Woman No Cry", "I Shot the Sheriff", "Jammin" und "Exodus", in der damaligen Aufnahmequalität wiedergegeben werden können. Gleichzeitig wurden die Aufnahmen digitalisiert. Marley und seine Band hatten für die Aufnahmen ein mobiles Studio mit 24 Tonspuren genutzt, das die "Rolling Stones" ihnen für ihre Tour geliehen hatten.

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Auf den Bändern befinden sich Konzertmitschnitte aus dem Lyceum (1975), dem Hammersmith Odeon (1976), und dem Rainbow in London (1977) sowie dem Pavillon de Paris in Frankreich (1978).

Von 13 Bändern konnten zehn wiederhergestellt werden, zwei waren leer, und eines war unrettbar verloren. Die Spulen durften zunächst nicht abgespielt werden, um sie nicht vollständig zu zerstören, sagte der Tontechniker Martin Nichols.

In einem mühsamen Prozess habe er die Spulen stundenlang, Zentimeter für Zentimeter gereinigt, bevor sie in einem weiteren Restaurierungsschritt schließlich zum Abspielen bereitgemacht wurden. Der Wiederherstellungsprozess habe umgerechnet rund 29.000 Euro gekostet.

brt



insgesamt 11 Beiträge
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Papazaca 05.02.2017
1. Eine gute Nachricht - juckt aber kaum unsere konservativen Kulturpäpste
Viele unserer Kulturpäpste leben immer noch die Unterteilung in ernste Musik und Unterhaltungsmusik. Das Eröffnungskonzert der Elb-Philharmonie läßt grüßen. Das war Musik für eine kleine Minderheit. Der große Rest der Welt sieht in Bob Marley einen der größten Musiker. Mit den gefundenen Tapes ist es, wie wenn von Beethoven neue Konzerte entdeckt würden. Aber ein Teil unserer Kultur lebt immer noch im Vorgestern. Können wahrscheinlich Musik für Fahrstühle und Airports nicht von Reggae unterscheiden, der weltweit Menschen begeistert und berührt hat.
harms 05.02.2017
2. Tolle Nachricht
Freue mich schon, wenn die Aufnahmen zu kaufen und zu hören sind. Eine schöne Nachricht.
quaaakquaaak 05.02.2017
3. @´1: Nix Neues Konzert
Wenn ich den Artikel richtig verstanden habe, sind auf den Bändern wohl keine bis dato unbekannten Musikstücke drauf, es sind eben Konzertmitschnitte in verschiedenen Locations. Insofern verstehe ich Ihre Bemerkung nicht. Und der große Rest der Welt sieht in Beethoven -über alle Grenzen und Zeiten hinweg- immer noch einen der größten Komponisten.
zeisig 05.02.2017
4. Zu viel gekifft.
Anscheinend waren nicht nur Bob Marley und seine Band damals dauerbekifft, sondern auch die gesamte Crew samt Manager. Wie sonst ist es zu erklären, daß man wertvolle Studiobänder in einem Hotelkeller einlagert und sie hinterher vergißt ??
noalk 05.02.2017
5. Ganz so schlimm ist es doch nicht
Zitat von PapazacaViele unserer Kulturpäpste leben immer noch die Unterteilung in ernste Musik und Unterhaltungsmusik. Das Eröffnungskonzert der Elb-Philharmonie läßt grüßen. Das war Musik für eine kleine Minderheit. Der große Rest der Welt sieht in Bob Marley einen der größten Musiker. Mit den gefundenen Tapes ist es, wie wenn von Beethoven neue Konzerte entdeckt würden. Aber ein Teil unserer Kultur lebt immer noch im Vorgestern. Können wahrscheinlich Musik für Fahrstühle und Airports nicht von Reggae unterscheiden, der weltweit Menschen begeistert und berührt hat.
Ich denke mal, dass von Beethovens Musik mehr Tonträger verkauft wurden als von Bob Marley. Also von wegen Minderheit. Außerdem wurden keine neuen Stücke von BM gefunden - alles schon bekannt. Im übrigen wurde bei der Elphi-Eröffnung nicht nur Klassisches präsentiert.
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