Blues- und Soul-Sänger Bobby "Blue" Bland gestorben

"Sinatra des Blues" nannte man ihn, Clapton coverte seine Songs, Jay-Z samplete sie: Bobby "Blue" Bland war ein Sänger, den die Kenner verehrten, doch das ganz große Publikum erreichte er nie. Nun ist der Mann mit dem charakteristischen Gurgeln in der Stimme gestorben. Er wurde 83 Jahre alt.

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Er nannte es selbst einen Gimmick, "etwas, womit ich identifiziert werden kann". So beschrieb er 1979 gegenüber dem Soul-Historiker Peter Guralnick seinen "Squall", sein gesangliches Markenzeichen, eine Art Gurgellaut, manchmal als "Ngchchrrr" transkribiert. Bobby Bland war ein Erneuerer des Blues, in dem er dessen im Süden verankerte Tradition mit orchestralen Balladen-Arrangements verband. Nun ist der große Sänger gestorben.

Nach Angaben seines Sohnes Rodd Bland starb der Sänger am Sonntagnachmittag (Ortszeit) an Komplikationen einer langwierigen Krankheit in seinem Zuhause in Memphis (Tennessee) im Kreise seiner Verwandten. Bobby "Blue" Bland wurde 83 Jahre alt.

Vom Baumwollfeld nach Memphis

Bland wurde als der "Sinatra des Blues" bezeichnet, weil er seine sanfte Stimme in großzügige Arrangements einbettete; auf dem Albumcover zu "Two Steps From The Blues" (1961) imitierte er Frank Sinatra sogar offen, mit dem über die Schulter geworfenen Anzugjackett. "Er brachte ein gewisses Maß an Klasse in das Genre", sagt Lawrence "Boo" Mitchell, der Sohn des legendären Musikers und Produzenten Willie Mitchell.

Bobby Bland wurde 1930 unter dem Namen Robert Calvin Brooks in Tennessee geboren, nahm dann aber den Nachnamen des zweiten Mannes seiner Mutter an. Als Junge arbeitete er auf den Baumwollfeldern, bevor er 1947 in die Musikmetropole Memphis zog.

Dort lernte er die Großen des Blues aus nächster Nähe kennen, für B.B. King und Junior Parker arbeitete er als Diener und Chauffeur, manchmal bestritt er auch das Vorprogramm bei deren Auftritten.

Seine ersten Aufnahmen mit Sam Phillips im Sun-Studio hinterließen allerdings keinen großen Eindruck beim Publikum. Erst 1958, bei dem Song "Little Boy Blue", fand Bland zu seiner charakteristischen Gesangstechnik, von der er selbst sagte, er habe sie sich bei Reverend Franklin, dem Vater von Aretha Franklin abgeschaut.

Es folgten mehr als 30 Hits in den R&B-Charts, die er zusammen mit dem Trompeter und Arrangeur Joe Scott bis zu dessen Tod 1979 aufnahm, darunter Erfolge wie "I Pity the Fool" (später gecovert von David Bowie und Eric Clapton).

Verehrt von Grateful Dead, Vorbild für Mick Hucknall

Den Sprung in die Popcharts schafften Blands Songs allerdings selten, und so blieb er - anders als B.B. King oder John Lee Hooker - dem großen Massenpublikum relativ unbekannt, trotz Hits wie "Turn On Your Love Light", "Call On Me" oder "That's the Way Love Is".

Doch Bobby "Blue" Bland wurde von vielen Sängerkollegen verehrt. Grateful Dead, The Band und Van Morrison spielten seine Songs in den siebziger Jahren. Er ist das erklärte Vorbild von Simply Reds Mick Hucknall, der ihm zu Ehren 2008 das Album "Tribute to Bobby" veröffentlichte. Und Produzent Kanye West nutzte für das Album "The Blueprint" von Rap-Superstar Jay-Z ein prominentes Sample aus Blands "Ain't No Love in the Heart of the City".

Seine Branche ehrte Bobby "Blue" Bland mehrfach, unter anderem wurde er 1992 in die Rock'n'Roll-Hall-of-Fame aufgenommen. 1997 bekam er den Grammy für sein Lebenswerk.

Bland blieb aber stets bescheiden: "Ich würde gerne als ein guter alter Junge vom Land in Erinnerung bleiben, der sein Bestes gegeben hat, um uns etwas zu hören zu geben, das uns durch traurige und durch glückliche Momente begleitet", zitiert ihn die "New York Times".

feb/AP



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Seite 1
lecker 24.06.2013
1. Da fehlt was...
ein Nachruf auf Bobby mit Hinweisen, wer alles Stücke oder Samples von ihm genutzt hat, ohne Erwähnung des absoluten Krachers "Ain't No Love In The Heart Of The City" in der Liveversion von Whitesnake, ist nicht vollständig. Ich bin von da aus erst auf Bobby aufmerksam geworden. RIP
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