Neues Album exklusiv im Stream: Brian Eno - Hören Sie hier "Lux"

Von Christoph Dallach

Berühmt wurde Brian Eno mit Roxy Music, er arbeitete mit Stars wie David Bowie und U2. Er erfand das Ambient-Genre und gilt als einer der klügsten Köpfe im Pop. Am 9. November erscheint sein neues Album. "Lux" ist bei SPIEGEL ONLINE exklusiv vorab zu hören. Die Aktion endet am 31. Oktober.

Brian Eno: Alles ist erleuchtet Fotos
Getty Images

Vor einigen Jahren zwangen zwei New Yorker Zahnärzte Brian Eno, ihre Musik zu hören. Erst narkotisierten die Mediziner ihn mit Lachgas, dann spielten sie dem entsetzten Briten Songs ihrer Hobby-Band vor. Es sei schlimmer als Bohren ohne Betäubung gewesen, erinnerte sich der nur milde amüsierte Eno später.

Der Name Brian Eno ist Menschen, die sich nicht weiter für Popgeschichte interessieren, nicht unbedingt geläufig. CDs, die seinen Namen auf dem Cover tragen, verkaufen sich nur dezent. Aber in der Welt der Menschen, die das Kleingedruckte auf Plattenrückseiten studieren, ist Brian Eno ein Titan. Er kann sich kaum retten vor Leuten, die seine Meinung, sein Urteil und seinen Rat suchen. Wenn Eno erkannt wird, bedrängen ihn Bewunderer, summen ihm Melodien vor oder stecken ihm CDs mit Demoaufnahmen ihrer Kinder zu. Der mittlerweile 64-Jährige gilt als einer der schlauesten Köpfe im Pop-Universum; als Musiker, der die Art und Weise veränderte, wie Pop komponiert, aufgeführt und bewertet wird.

Am 9. November veröffentlicht Eno nun "Lux" - nach zahlreichen Kooperationen und Soundtracks sein erstes klassisches Soloalbum seit sieben Jahren, das SPIEGEL-ONLINE-Leser hier exklusiv und komplett vorab hören können (Sie finden den Stream am Ende dieses Textes. Je nach Gerät können Sie entweder direkt auf den Album-Stream zugreifen - oder Sie wechseln auf die dort verlinkte, externe Seite).

Atemberaubend und rätselhaft

Berühmt wurde der kahlköpfige Künstler Anfang der siebziger Jahre, als er mit Roxy Music den Pop modernisierte. Weil ihm Bryan Ferry auf die Nerven ging und der Rock-Zirkus ihn langweilte, machte Eno sich 1973 aus dem Staub und startete eine spektakuläre Solokarriere. Er spielte Alben mit futuristischem Kunst-Pop ein ("Here Come The Warm Jets"), erfand und prägte das Genre namens Ambient ("Music For Airports") und setzte als Produzent Maßstäbe. Mit David Bowie zauberte Eno dessen sogenannte Berlin-Trilogie ("Heroes"), den Talking Heads vermittelte er die Faszination für Weltmusik ("Remain In Light"), peppte U2 für Stadien auf ("The Joshua Tree") und verhalf zuletzt den biederen Jungs von Coldplay zu etwas Abenteuerlust ("Mylo Xyloto").

Nebenher ist Eno als Installationskünstler erfolgreich, singt einmal die Woche mit Amateuren im Chor, entwickelt Sound-Apps für Apple, komponiert für Microsoft oder berät den stellvertretenden britischen Premier Minister Nick Clegg in Jugendangelegenheiten.

In seinem kleinen Studio in London, Notting Hill scheint er ständig über Konzepten zu brüten. Interviews gewährt er selten, Auskünfte über seine Vergangenheit verweigert er. Statt über die eigene Musik zu referieren, plaudert er lieber über die Weimarer Republik oder Joggerinnen im Hyde Park - und vor einigen Jahren schien er auch das Interesse an eigenen Platten völlig verloren zu haben.

Enos Musik pendelte oft zwischen atemberaubend und rätselhaft. In den Siebzigern schrieb er umwerfende Songs; mal exzentrischen Glam-Pop ("Babys on Fire"), dann wehmütige Balladen ("By This River"). Seit den Achtzigern aber begeistert er sich zunehmend für Klänge und die Möglichkeiten, damit zu spielen. Die Festplatten seiner Studiocomputer sind voll mit Unmengen halbfertiger Melodien, die er je nach Stimmungslage nutzt. Manchmal wird daraus ein Werbesoundtrack für italienischen Wein ("Pellisero Wine"), mal ein neues Solo-Album.

Enos neues Album "Lux" mit den ausufernden Kompositionen "Lux 1" bis "Lux 4" ist eines dieser Ambientprojekte kunstvoll reduzierter Melodien. Wie auf "Music For Airports" erklingen hier Sounds, denen man entweder ratlos gegenüber steht oder sie als Soundtrack für Tagträume nutzt: Ein sanftes Surren, eine instrumentale Collage erhabener Computerklänge an der Grenze zur Stille. Musik, die man in Kunstgalerien erwartet. "Music For Thinking" - so nennt der verantwortliche Künstler solche Werke.

Eno selbst grübelt vermutlich längst über neuen Melodien für Coldplay oder U2 - falls er nicht irgendwo von irren Verehrern festgehalten wird.

Livestream

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Kultur
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Musik
RSS
alles zum Thema Popmusik
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback