Brit Awards Pech für Robbie und Lily

Die Verleihung der Brit Awards, Englands wichtigster Musikpreise, wurde zum Bekenntnis für handfesten Retro-Rock: Die Arctic Monkeys und The Killers gewannen je zwei Preise. Favoritin Lily Allen und Popstar Robbie Williams gingen leer aus.


London - Erstaunlich, wie lange sich der Erfolg manchmal strecken lässt: Das Debüt-Album der Arctic Monkeys, "Whatever You Say I Am, That's What I'm Not", erschien im Januar 2006, seitdem haben die Pubrocker aus Sheffield so ziemlich jeden Jahres-Poll dominiert und alle besseren Preise abgeräumt. Nun also auch die Brit Awards, die englischen Pendants zum Grammy und Echo, die gestern Abend mit einer glamourösen Show in London verliehen wurden. Die Arctic Monkeys wurden als beste britische Band geehrt und erhielten außerdem den Preis für das beste britische Album.

Indie-Rock, oder Retro-Rock, wie die moderne Spielart des Genres mit vielen Anklängen an die New Wave der frühen Achtziger genannt wird, bestimmte den Abend mehr als Pop und R'n'B. Die amerikanische Rockband The Killers aus Las Vegas durfte sich über die Preise für die beste internationale Band des Jahres und für das beste internationale Album, "Sam's Town", freuen. Bei den Damen dominierten hingegen Jazz, Blues und Soul: Die 23-jährige Sängerin Amy Winehouse gewann in der Kategorie beste britische Künstlerin, die kanadische Sängerin Nelly Furtado in der Kategorie beste internationale Künstlerin.

Als bester britischer Solo-Künstler wurde der 22-jährige Singer/Songwriter James Morrison ausgezeichnet, der im vergangenen Jahr mit seinem Debütalbum " Undiscovered" die Charts erobert hatte. "Dies hier ist für jeden Singer/Songwriter, der immer noch in Pubs spielt", sagte er bei der Entgegennahme seines Preises. Als bester internationaler Künstler wurde R'n'B-Star Justin Timberlake geehrt. Bester internationaler Newcomer wurde die Band Orson aus Los Angeles. The Fratellis, ein Trio aus Glasgow, machte das Rennen in der Kategorie beste britische Newcomer.

Kein Trostpreis für Robbie Williams

Als beste britische Single wurde "Patience" von Take That ausgewählt, deren erfolgreiches Comeback ohne Originalmitglied Robbie Williams 2006 Schlagzeilen machte. Robbie Williams konnte an der Preisverleihung nicht teilnehmen, da er sich seit Dienstag, seinem 33. Geburtstag, wegen Tablettenabhängigkeit in einer Entziehungsklinik aufhielt. Wie in britischen Medien zu lesen war, hatte der Misserfolg seines letzten Albums "Rudebox" vor allem bei den Kritikern bei dem Sänger und Entertainer für Depressionen gesorgt. Dass er bei den Brit Awards, von denen er die Rekord-Anzahl von 15 verliehen bekommen hat, dieses Mal nur in einer Kategorie nominiert war, habe Willliams zusätzlich bestürzt. Und noch nicht einmal dieser Trostpreis war ihm vergönnt: Den Brit Award für den besten Live-Auftritt gewann am Ende die Rockgruppe Muse.

Enttäuschend verlief die Verleihung unter anderem auch für die favorisierte britische Popsängerin Lily Allen, die trotz ihrer vier Nominierungen leer ausging. Die 21-Jährige war durch die Erstveröffentlichung ihrer Musik MySpace zu Berühmtheit gelangt und schaffte im vergangenen Jahr mit ihrer Debütsingle "Smile" den kommerziellen Durchbruch. Auch die britische Soulsängerin Corinne Bailey Rae und das HipHop-Musikprojekt Gnarls Barkley gingen leer aus.

Die Britpop-Veteranen Oasis wurden für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Die Band aus Manchester um die Brüder Noel und Liam Gallagher habe Maßstäbe für viele Rockbands gesetzt, die derzeit in den britischen Charts erfolgreich seien, hieß es zur Begründung. Oasis verkauften mehr als 50 Millionen Platten weltweit.

Die Preisverleihung wurde zum ersten Mal seit 1989 wieder live im Fernsehen übertragen. Damals hatten Samantha Fox und der Schlagzeuger der Gruppe Fleetwood Mac, Mick Fleetwood, einen so peinlichen Auftritt dargeboten, dass anschließend auf Live-Übertragungen verzichtet wurde. Auch ansonsten gibt es immer mal wieder Zwischenfälle bei der Verleihung. So stürmte 1996 Jarvis Cocker von der Band Pulp aus Protest gegen den Auftritt von Michael Jackson die Bühne.

In diesem Jahr verlief jedoch alles friedlich. Der drogensüchtige Skandalrocker Pete Doherty durfte laut Presseberíchten in diesem Jahr erst gar nicht kommen: Seine Freundin Kate Moss ist angeblich eifersüchtig auf Lily Allen, die mit Doherty befreundet ist.

Während der Show traten unter anderem Take That, Amy Winehouse, The Killers, Corinne Bailey Rae und die Red Hot Chili Peppers auf. Die Awards sind der wichtigste britische Musikpreis. Die auch "Gongs" genannten Trophäen werden von der britischen Musikindustrie vergeben; in einigen Kategorien stimmen Leser und Hörer von Musikzeitschriften und Rundfunksendern über die Preisträger ab.

bor/AFP/AP



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