Jazzpianistin Marian McPartland ist tot

Der Jazz verliert eine der bedeutendsten Pianistinnen: Am Dienstagabend starb Marian McPartland. Die britische Musikerin, die auch eine der wichtigste Jazz-Radiossendungen der USA moderierte, wurde 95 Jahre alt.

Die Jazzpianistin Marian McPartland (1918-2013)
AP

Die Jazzpianistin Marian McPartland (1918-2013)


Hamburg/New York - Die Pianistin und Moderatorin Marian McPartland ist am Dienstag in ihrem Haus auf Long Island bei New York gestorben, teilte ihr Label Concord mit. Die Musikerin hatte in ihrer sechs Jahrzehnte langen Karriere mehr als fünfzig Alben aufgenommen und zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter den George Foster Peabody Award und einen Grammy Trustee's Award für ihr Lebenswerk.

Die 1918 in Slough als Marian Turner geborene Musikerin entschloss sich nach eigener Aussage bereits im Alter von drei Jahren "das zu machen, was meine Mutter machte" - nämlich Klavier zu spielen. "Von diesem Moment an kann ich mich nicht erinnern, nicht mehr Klavier gespielt zu haben. Ich spielte Tag und Nacht, wo immer ich war", sagte McPartland. "Bei meiner Tanten, im Kindergarten - überall, wo es ein Klavier gab, spielte ich."

Eingang in die US-amerikanische Jazzszene bekam sie, als sie 1944 den Kornettisten Jimmy McPartland kennenlernte und heiratete. Nach dem Krieg spielte sie in seiner Band. Anfang der Fünfziger gründete sie in Manhattan ihr eigenes Trio - und machte sich mit ihrem vielschichtigen und originellen Spiel schnell einen Namen in der Szene. 1958 gehörte sie zu den 57 Jazzmusikerinnen und -musikern, die in Art Kanes berühmtes Foto "A Great Day in Harlem" vor einem der typischen Brownstone-Häuser in dem New Yorker Stadtteil posierten.

Weiß, britisch und eine Frau

1964 begann sie eine zweite Karriere als Radiomoderatorin, als sie für den US-Radiosender National Public Radio (NPR) die Sendung "Piano Jazz" entwarf. "Die Idee war einfach: Mit besten Jazzmusikern am Klavier zu sitzen und die Livemusik und die Unterhaltung aufzunehmen", sagte sie über die Sendung, die mit mehr als 30 Jahren das am längsten laufende Kulturprogramm des Senders wurde. Im Laufe der drei Jahrzehnte interviewte McPartland in ihrer Sendung praktisch jeden bedeutenden Jazz-Musiker der Nachkriegszeit. Erst 2011, mit 93 Jahren, gab sie die Sendung auf.

"Sie hat drei Handicaps: Sie ist weiß, britisch und eine Frau", schrieb das Jazzmagazin "Downbeat" zu Beginn ihrer Karriere über Marian McPartland. In einem Interview im Jahre 2000 gab sie die Antwort: "Ich weiß nicht, was daran besonders sein soll, eine Frau zu sein, die Jazz spielt - außer dass es vielleicht nicht so viele andere gegeben hat", erklärte sie.

twi/afp

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