Neues Album vom Boss Hören Sie Springsteens "High Hopes" hier im Vorab-Stream

Überraschende Coverversionen, biblische Sprachbilder, politische Interventionen: "High Hopes" von Bruce Springsteen ist ein Zwischenstopp in seiner Karriere - im Guten wie im Schlechten. Doch urteilen Sie selbst. Wir präsentieren das 18. Album vom Boss im exklusiven Vorab-Stream.

Anton Corbijn

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Ein neues Album von Bruce Springsteen, das bedeutet in aller Regel eine gewichtige Wortmeldung zur Lage der Nation; unvergessen, wie nach den Anschlägen von 9/11 das Springsteen-Album "The Rising" sehnlichst erwartet wurde, als Trostspender eines getroffenen Landes. Doch diesmal, mit "High Hopes", dem 18. Album, ist alles ein wenig anders.

Das Albumprojekt begann damit, dass Springsteen befreundete Tontechniker und Produzenten bat, sich mal einiger älterer Songs anzunehmen, die nur als Demoversionen vorlagen. Doch im Laufe der Tournee zum 2012 erschienenen "Wrecking Ball" gewann das jetzige Album Konturen, unter anderem dadurch, dass Songs im Liveprogramm neue Formen annahmen und dann unterwegs in Studiofassungen aufgenommen wurden.

So ist "High Hopes" (den Stream finden Sie am Ende des Artikels) ein Sammelsurium, das besonders geprägt ist vom Spiel des Gitarristen Tom Morello, der 2013 während einer Australien-Tour als Ersatzmann für Springsteens alten Sidekick Steven Van Zandt zur E Street Band stieß, als dieser wegen Dreharbeiten verhindert war. Bruce Springsteen sagt über Morello, der mit der Band Rage Against The Machine bekanntgeworden ist, er sei einer der wenigen Gitarristen, der seine eigene Welt erschaffe: "Die E Street Band ist ein großes Haus, aber wenn Tom auf der Bühne steht, baut er einen neuen Raum an", zitiert ihn das US-Magazin "Rolling Stone".

Zu einer neuen Version des ursprünglich eher folkigen Springsteen-Songs "The Ghost of Tom Joad" steuert Morello zwei effektgeladene Gitarrensolos bei, die man so eher bei Muse als bei Bruce erwartet hätte. Ansonsten treibt er zwei sehr lässige Coverversionen an, zum einen den Titelsong "High Hopes" des Folkmusikers Tim Scott McConnell, den Springsteen schon 1996 einmal veröffentlicht hatte. Und zum anderen "Just Like Fire Would", ein Song der australischen Punk-Rockband The Saints, der, unbeschwert dahingeschrammelt, vom Tourleben erzählt. Ein solcher Song fände auf einem gewöhnlichen Springsteen-Album wohl eher keinen Platz, und es ist schön, ihn hier so prominent platziert zu hören.

Das gilt auch für die Coverversion von "Dream Baby Dream", vom für seine provokanten Auftritte bekannt gewordenen New Yorker Duo Suicide. Wer hätte gedacht, dass ein Lied dieser Synthie-Punks so gut als Springsteen-Hymne funktionieren würde? 2005 spielte er es erstmals live, nun gibt es also auch eine sehr gelungene Studioversion.

Andere Songs wären verzichtbarer gewesen. Bruce Springsteen ist immer für seine klaren Zeilen mit großen Sprachbildern geschätzt worden, doch die biblische Metaphorik von "Heaven's Wall" oder "This Is Your Sword" klingt irgendwie unterkomplex. Stärker sind da das dylaneske "Hunter of The Invisible Game" oder die netten Charakterstudien "Frankie Fell in Love" oder "Harry's Place" - auf letzterem sind die 2008 und 2011 verstorbenen E-Street-Band-Musiker Danny Federici und Clarence Clemons zu hören.

Federicis Orgelspiel prägt auch das ausgesprochen anrührende "The Wall", das von einem Besuch Springsteens an der Erinnerungswand für die Vietnam-Veteranen in Washington handelt und im Speziellen eine Hommage an den bewunderten Musiker Walter Cichon von den Motifs ist, einem Rockmusiker aus New Jersey, der in diesem Krieg blieb. Schon eine solche Perle rechtfertigt die Veröffentlichung eines solchen Albums, das insgesamt etwas stückwerkartig wirkt.

Doch urteilen Sie selbst: SPIEGEL ONLINE präsentiert "High Hopes" vorab im Stream:

Bruce Springsteen - High Hopes
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insgesamt 43 Beiträge
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Seite 1
titeroy 06.01.2014
1. Vorab-Stream???
Das laeuft schon seit Anfang November im Radio rauf und runter...
jungleland 06.01.2014
2. Raise your hand!
Klasse Song! 41 shots, naja, schon 1000mal gehört, hätte ich an Bruce's Stelle nicht noch einmal aufgenommen. Insgesamt = Schönes Album. Nichts revolutionäres, aber wer bringt das heute noch zu stande. Danke SPON für den Stream!!
Tom Joad 06.01.2014
3. Bruce
Für immer einer meiner persönlichen Helden. Was für ein Songwriter ...
Zimtstern 06.01.2014
4. Stream?
Huch, darf ich mir das denn anhören?
sucram31 06.01.2014
5. Album ist besser als erwartet
Mit Ausnahme des Titeltracks und Harry´s Place ein tolles Album, wenn es auch mehr Tracks oder The Promise ähnelt als einem gänzlich neuen Album, als das es ja präsentiert wird. Aber egal, was Springsteen auch macht, es gefällt mir. Kaum einer ist so vielseitig und abwechslungsreich wie Bruce. Auch was seine Sounds angeht, besitzt er den Mut, mal was neues zu machen. Freu mich schon auf Freitag, wenn das Album dann hoffentlich auch als Hardware vor mir liegt. :-)
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