Deutsche Soldaten als Vergewaltiger: Ekel-Video von Witt wird zum Werbeclip

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Die Skandalmaschine läuft wie geschmiert: Der Popsänger Joachim Witt stellt deutsche Soldaten in einem grässlichen Video als Vergewaltiger hin. Die Zuschauer erregen sich, Militärs sind empört. Jetzt will die Regierung das Machwerk auf den Index setzen lassen. Beste Werbung für Witt.

Geschmackloses Video: Witt und die Vergewaltiger Fotos
Columbia SevenOne Music

Die Musik ist mies, die Bildsprache brutal und schwülstig. Das Video zum neuen Song "Gloria" von Joachim Witt wäre eigentlich keiner Erwähnung wert, würde es nicht neben schwarz beflügelten Engeln, einem seltsamen Fantasy-Typen mit drei Augen und einer katholischen Prozession in einer Berglandschaft auch Bundeswehrsoldaten zeigen.

Bundeswehrsoldaten im Auslandseinsatz, die in einer Hütte eine Frau vergewaltigen und sich feixend gegenseitig dabei ablichten. Bundeswehrsoldaten, die, das wird zwar nicht direkt gezeigt, aber durch die Abfolge der Bilder doch nahegelegt, die mutmaßliche Tochter des Vergewaltigungsopfers mit einem Messer massakrieren, weil sie die Vergewaltigung mit ihren großen dunklen Kinderaugen beobachtet hat.

Unglaubliche Unverschämtheit!

Das ist schon kein Stöckchen mehr, das ist ein dicker Prügel, den der ehemalige NDW-Popper Witt ("Der goldene Reiter", "Die Flut"), 63, und sein Clip-Regisseur Specter der empörungsbereiten Öffentlichkeit hingehalten haben: Deutsche Soldaten als Vergewaltiger und Mörder! Unglaubliche Unverschämtheit! Und also sprangen wie bestellt zunächst zahlreiche YouTube-Betrachter des Videos über den Prügel: "Ein Schlag ins Gesicht jedes Bundeswehrangehörigen", erregten sich die einen, während die anderen Witt danken: "Krieg ist nunmal so....Mord, Vergewaltigung!! Witt spricht nur an, worüber keiner sich traut zu sprechen!!"

Auch Oberst Ulrich Kirsch, der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, erhob seine Stimme: "Bei aller künstlerischen Gestaltungsfreiheit: Das Video verunglimpft deutsche Soldaten in geschmackloser Weise." Er rief dazu auf, dem Künstler auf dessen Facebook-Seite die Meinung zu geigen. Der Wehrbeauftragte der Bundesregierung, Hellmut Königshaus, formulierte es in der Berliner Boulevardzeitung "BZ" noch etwas deftiger: "Beim nächsten Mal sollten die Macher erst das Hirn einschalten, bevor sie ein Video mit solchen Szenen veröffentlichen. Auch Künstler tragen bei aller Kunstfreiheit Verantwortung." Immerhin: Nach Zensur hat keiner gerufen.

Schund mit Gütesiegel

Joachim Witt jedoch, ganz verfolgter Künstler, sorgte sich derweil um seine körperliche Unversehrtheit: "Ich bekomme wegen des Videos schlimme Morddrohungen und habe Angst um mein Leben! Deshalb habe ich mir Personenschutz zur Seite stellen lassen", vertraute er der "Bild"-Zeitung an und umschrieb seine schlimme Sorge wenig tierfreundlich: "Ich habe das Gefühl, dass da draußen 200.000 bissige Hunde auf mich warten, die mich zerfleischen wollen."

Auf Facebook gibt sich der Gescholtene mittlerweile reumütig: "Bei dem Video zu GLORIA handelt es sich unmissverständlich um eine Kunstform! Wir zeichnen in großen und anspruchsvollen Bildern ein apokalyptisches Horrorszenario! Die Soldaten in diesem Video sind austauschbar! Wenn sich jemand, und das tun augenscheinlich viele, auf Grund des dargestellten Hoheitszeichens auf den Uniformen, angegriffen oder gar beleidigt fühlen, entschuldige ich mich dafür! Als ehemaliges Mitglied des Bundesgrenzschutzes (noch zu Zeiten des Kalten Krieges) respektiere ich die Arbeit der Bundeswehr!"

Dann wäre ja alles in Ordnung! Und man könnte in Ruhe abwarten, bis sich der Wirbel um ein effekthascherisches Machwerk gelegt hat! Und sich die offenbar festgeklemmte Ausrufezeichentaste Witts wieder löst!

Hätte sich nun nicht auch noch die Bundesregierung höchstselbst in die Werbekampagne für Joachim Witt eingeschaltet: Das Bundesfamilienministerium habe die Indizierung des umstrittenen Videos beantragt, bestätigte die Vorsitzende der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM), Elke Monssen-Engberding, am Dienstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa. Über den Indizierungsantrag hatte zunächst das Bundeswehrblog "Augen geradeaus" berichtet.

Die Prüfstelle will ihre Entscheidung voraussichtlich Anfang nächster Woche bekannt geben. Sollte sie den Clip als jugendgefährdend einstufen, darf er nur noch Erwachsenen zugänglich gemacht werden. Witt wird's freuen: Sein Schund würde damit auch noch ein amtliches Gütesiegel bekommen. Das "verbotene Bundeswehrvideo" - erst indiziert wird es ein echter Knaller auf den Pausenhöfen des Landes werden.

Mit Material von dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 342 Beiträge
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1. Scheint schon jetzt erfolgreich zu sein, denn...
abc-xyz 09.10.2012
Zitat von sysopColumbia SevenOne MusicDie Skandalmaschine läuft wie geschmiert: Der Popsänger Joachim Witt stellt deutsche Soldaten in einem gräßlichen Video als Vergewaltiger hin. Die Zuschauer erregen sich, Militärs sind empört. Jetzt will die Regierung das Machwerk auf den Index setzen lassen. Beste Werbung für Witt. Bundesregierung will umstrittenes Witt-Video auf Index setzen lassen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/musik/bundesregierung-will-umstrittenes-witt-video-auf-index-setzen-lassen-a-860366.html)
...who the f*** is Joachim Witt?
2. Miese Musik
Peter.Lublewski 09.10.2012
"Die Musik ist mies...." Das war sie bei Witt auch schon vor 30 Jahren.
3. Vielleicht geht der Schuss
dasistdiezukunft 09.10.2012
nach hinten los. - Ich hab von dem noch nie was gehört. - Und ganz gewiss bleibt das auch so!
4. Wie kommt man denn dazu
manuelbaghorn 09.10.2012
sich deutsche Soldaten als Kriegsverbrecher vorzustellen! Sowas ist doch vollkommen weltfremd! Deutsche Soldaten schießen schließlich nur auf Tanklastwagen, die in Menschenansammlungen stehen, was natürlich vollkommen legitim ist!
5. Na das sollte man schon wissen
felisconcolor 09.10.2012
Zitat von abc-xyz...who the f*** is Joachim Witt?
schade hatte ihn immer für einen guten Künstler gehalten aber damit hat er sich leider aus meinem Plattenschrank katapultiert
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