Bundestagsinitiative Mehr Geld für Rock, Pop und Jazz

Pop, Rock und Jazz erhalten 2017 staatliche Förderung in Millionenhöhe: Die vom Bundestag bereitgestellten Zusatzmittel sollen vor allem strukturelle Leuchtturmprojekte wie das Reeperbahn-Festival stärken.

Reeperbahn-Festival in Hamburg
Isabell Prophet

Reeperbahn-Festival in Hamburg

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Den Unterschied zwischen E- und U-Musik habe er noch nie verstanden, sagt Rüdiger Kruse (CDU) am Mittwochnachmittag bei einer Pressekonferenz im Berliner Abgeordnetenhaus. Kruse ist Hauptberichterstatter für Kultur und Medien im Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestags, aber lockerer und humorvoller als dieser komplexe Titel vermuten ließe. Am Mittwoch gab Kruse bekannt, dass der Bundestag in seiner jüngsten Sitzung für 2017 eine Zusatzförderung für Rock-, Pop- und Jazzmusik in Höhe von 8,2 Millionen Euro beschlossen hat.

Finanziert wird die für Pop-Förderung stattliche Summe aus den von der Regierungskoalition vor zwei Wochen beschlossenen Zusatzmitteln zur Kulturförderung, die in den kommenden Jahren mit bis zu 660 Millionen Euro veranschlagt werden. Insgesamt konnte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) den Kulturetat gegenüber dem letzten Haushalt um 17 Prozent auf 1,63 Milliarden Euro steigern.

Ein wenig davon, das ist der Jazzliebhaberin Grütters wichtig, soll auch der Populärmusik zugutekommen. Von den Fördersummen, die beispielsweise in den Filmsektor oder in die Regelförderung institutioneller Hochkultureinrichtungen von Orchester bis Staatstheater fließen, sind Pop und Jazz immer noch sehr weit entfernt. Dennoch freute sich Kruse am Mittwoch, die Zusatzfördersumme von rund 3,5 Millionen nun mehr als verdoppelt zu sehen. Längerfristiges Ziel sei es, so Kruse, bei zehn Millionen pro Jahr zu landen.

Gestärkt werden soll mit dem Geld nun vor allem die zentrale Fördereinrichtung der Deutschen Musikwirtschaft, genannt Initiative Musik, die ihren Etat mit zusätzlichen 4,1 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Dies beinhaltet auch hohe Beträge für die Künstler- und Infrastrukturförderung bis hin zur technischen Ausrüstung und Digitalisierung von Musikklubs.

Leuchttürme in Hamburg, Bremen, Berlin und Köln

Der Spielstätten-Programmpreis "Applaus" erhält eine Verdopplung seiner Preisgelder auf zwei Millionen Euro, worüber sich besonders Felix Falk freute, Sprecher der Bundeskonferenz Jazz, denn der "Applaus" kam in den vergangenen fünf Jahren vor allem auch den chronisch schlecht ausgestatteten Jazzklubs zugute.

200.000 zusätzliche Euro erhält der deutsche Jazz auch durch die finanzielle Auspolsterung des Bremer Musikfestivals Jazzahead. Ohnehin sollten die bereit gestellten Mittel, so betonten Kruse und Initiative-Musik-Vorstand Dieter Gorny, vor allem Strukturen stärken, sogenannte Leuchtturmprojekte, die sich bereits als netzwerkbildende Quasiinstitutionen am Kulturmarkt etabliert hätten. Dazu gehören auch die Musikmesse c/o Pop in Köln, Nachfolger der PopKomm, sowie das noch recht neue, auf Avantgarde mit hohem Frauenanteil ausgerichtete Pop Kultur-Festival des Berliner Musicboards (beide erhalten je 500.000 Euro).

Den größten Teil der Strukturförderung erhält jedoch das Hamburger Reeperbahn Festival, bei dem alljährlich im Herbst vielversprechende Nachwuchskünstler auf den Bühnen der Hansestadt auftreten dürfen. Festival-Chef Alexander Schulz freute sich über zugesagte zwei Millionen Euro und plant mit der Förderspritze einen internationalen Wettbewerb für den besten Newcomer des Jahres auszuloben und sieht sein Festival bereits in einer Reihe mit der Berlinale und der Frankfurter Buchmesse.

Die große Koalition im Bundestag zeige mit ihrem Beschluss ihre hohe Wertschätzung für Kultur in Deutschland, so Kruse: "Neben der Bewahrung großer kultureller Schätze ist die Stärkung der Kultur vor allem eine Investition in die Zukunft unseres Landes. Wir können derzeit erleben, was passiert, wenn kulturelle Bildung vernachlässigt und der Kunst in unserer Gesellschaft zu wenig Raum gegeben wird. Dem müssen wir in Deutschland entgegentreten", erklärt der CDU-Mann. Zunächst mal mit 8,2 Millionen Euro für Rock, Pop und Jazz. Das Gute in diesem lange als kommerziell und kulturell unwürdig missachteten Bereich sei ja, so Kruse, dass man mit wenig Geld große Wirkung erzielen kann.

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