Mainz/Hamburg - Eigentlich würde er sich gar nicht dazu äußern wollen, leitete der 50-jährige Sänger der Toten Hosen seinen Kommentar zur Debatte um das Heino-Album "Mit freundlichen Grüßen" ein. Aber dann äußerte sich Campino in der SWR-Sendung "UniTalk" doch - angepriesen als "einer, der sich nicht scheut, zu Themen unserer Zeit offen und intellektuell seine Meinung zu sagen".
"Ich find' das schon komisch, wie vor allen Dingen das Feuilleton dermaßen unkritisch diese Platte bejubelt", sagte der Sänger am Montag im Gespräch mit dem SWR-Fernseh-Chefredakteur Fritz Frey. Dabei würden die Kulturjournalisten vergessen, dass Heino "30 Jahre lang das Aushängeschild der deutschen Hässlichkeit war".
Die Toten Hosen ließen in den achtziger Jahren regelmäßig den Parodiekünstler Norbert Hähnel als "Der wahre Heino" im Vorprogramm ihrer Konzerte auftreten. Heino erwirkte dagegen seinerzeit eine einstweilige Verfügung.
Bei dem öffentlichen Talk an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz erkannte der Düsseldorfer Campino an, dass Heinos Coverversionenalbum "taktisch klug gemacht" sei. Doch dürfe man die Vorgeschichte nicht vergessen, nur weil sich der Sänger und sein Management "mal ein paar gute Lieder" genommen hätten.
Heino singt auf seinem kommerziell sehr erfolgreichen Album "Mit freundlichen Grüßen" unter anderem Songs von den Ärzten, Sportfreunde Stiller und Rammstein nach. Das Album wurde kontrovers diskutiert, aber es gab durchaus Stimmen, die voller Respekt die clevere Selbstinszenierung des Schlager-Altstars lobten. Das missfiel Campino offenbar: "Erschreckend ist eigentlich das Feuilleton und wer sich da plötzlich in den Staub wirft und Speichel leckt."
feb/dpa
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