Newcomerin Cardi B Erste Solo-Rapperin seit 1998 auf Platz eins der US-Charts

Zuletzt stand vor 19 Jahren mit Lauryn Hill eine Rapperin ohne männliche Begleitung an der Spitze der Billboard-Singlecharts. Nun hat es die Newcomerin Cardi B geschafft. Viele Stars freuen sich mit ihr.

Cardi B: Neue Hip-Hop-Königin?
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Cardi B: Neue Hip-Hop-Königin?


Ihr selbst geschriebener Hip-Hop-Hit "Bodak Yellow" hat die 24-jährige Rapperin Cardi B an die Spitze der US-Charts katapultiert. Eine Rapperin solo ganz vorne, das ist noch immer eine Sensation in dem traditionell männerdominierten Genre Hip Hop, die zuletzt 1998 Lauryn Hill von den Fugees mit ihrer Single "Doo Wop (That Thing)" gelang.

Noch größer wird der Coup dadurch, dass Cardi B, bevor sie im Juni bei Atlantic Records einen Vertrag unterschrieb, zuvor erst zwei "Gangsta Bitch Music"-Mixtapes veröffentlicht und seit 2014 auf ihrem Instagram-Account Kostproben ihrer Skills gegeben hatte.

2015 hatte Cardi B an der VH1-Realitysoap "Love & Hip Hop" teilgenommen und dort mit ihrem Talent und ihrer Spezialität beeindruckt: Die in der Bronx aufgewachsene Tochter eines dominikanischen Vaters und einer Mutter aus Trinidad vermengte ihren Akzent mit New Yorker Slang.

Hier nun "Bodak Yellow", laut New York Times die "Rap-Hymne des Sommers", der Titel eine Anspielung auf den Rapper Kodak Black.

"Bodak Yellow" verdrängt nun Taylor Swifts "Look What You Made Me Do" von der Spitze der US-Charts - ein Zweikampf, der schon zu einem Aspekt in der "Diskussion über Rassismus im Trump-Amerika" hochstilisiert wurde. Während die Unterlegene mit Rosen gratulierte, freute sich die neue Chart-Spitzenreiterin ein Loch in den Bauch:

Es ist ein popkultureller Meilenstein, den die gestandene Hip-Hop-Queen Missy Elliott nicht erreichte. Entsprechend respektvoll gratulierte sie:

Und auch Kollegin Nicki Minaj, deren "Anaconda" es auf Platz zwei geschafft hatte, meldete sich zu Wort:

Tatsächlich könnte dieser Nummer-eins-Hit mehr bedeuten als nur einen persönlichen Charterfolg. Schließlich arbeitet Cardi B schon am Anfang ihrer Karriere ohne einen männlichen Star als Mentor oder Kollaborationspartner, wie sie etwa Lil 'Kim in Biggie Smalls, Eve in DMX und Nicki Minaj in Lil Wayne hatten.

Cardi B mischt also den üblichen "Hip-Hop-Boys-Club" gehörig auf, wie etwa das US-Musikmagazin "Pitchfork" befindet. Dessen Autorin Kristin Corry erkennt sich wieder in der Rapperin, die ihr Publikum nach ihren eigenen Regeln finde, "ohne Erlaubnis von männlichen Gatekeepers zu suchen, an die weiße Kultur zu appellieren oder andere Frauen für deren Sexualität zu kritisieren".

Für den Verkaufserfolg hat sich Cardi B erst mal einen orangefarbenen Bentley gegönnt. Einen Führerschein hat sie nicht.

bsc

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