Castorf über "Ring"-Inszenierung: "Bayreuth ist pure DDR"

Bayreuther Festspiele: Die größte Soap des Opernbetriebs Fotos
DPA

Es gehört zur Tradition der Bayreuther Festspiele, dass zwischen Künstlern und Intendanz die Fetzen fliegen. Frank Castorf, der dieses Jahr den "Ring" inszeniert, vergleicht das Wagner-Fest nun im SPIEGEL-Gespräch mit einem autoritären Staat - und einer TV-Soap.

Hamburg - Neun Tage, mehr hatte Frank Castorf nach eigener Aussage nicht, um "Das Rheingold" zu inszenieren. Am 26. Juli feiert der erste Teil von Wagners "Ring des Nibelungen" in Bayreuth Premiere. Dem SPIEGEL gab Castorf Auskunft über die Arbeitsbedingungen bei den Festspielen. Ein Werk wie "Das Rheingold" in so kurzer Zeit auf die Bühne zu bringen, so der Regisseur, "ist natürlich Wahnsinn". Arbeiten in Bayreuth sei wie bei der TV-Soap "Gute Zeiten, schlechte Zeiten".

Das Verhalten des Leitungsteams der Festspiele - gemeint sind vor allem die Intendantinnen Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier - erinnert den aus Ostdeutschland stammenden Theatermann an seine Vergangenheit: "Jeder von außen ist der Feind. Das ist pure DDR."

Er habe die beiden Intendantinnen in Bayreuth "nicht allzu oft gesehen". Aber offensichtlich gab es trotzdem reichlich Stunk. Das Interesse von Wagner und Wagner-Pasquier habe vor allem Castorfs Pünktlichkeit gegolten. "Die", so der Regie-Star, "ist nicht meine Stärke."

Gerne schmücken sich die Bayreuther Festspiele mit Künstlern, die als exzentrisch und schwierig gelten. So wurde ausgerechnet der unberechenbare Jonathan Meese, der sich gerade wegen des Hitlergrußes vor Gericht verantworten muss, als Regisseur für die "Parsifal"-Inszenierung im Jahr 2016 gebucht. Auch der vor drei Jahren verstorbene Bürgerschreck Christoph Schlingensief hat das Stück - 2004 - inszeniert. Und für den "Ring"-Zyklus, den in diesem Jahr Frank Castorf verantwortet, war ursprünglich schon die Skandalmaschine Lars von Trier im Gespräch.

Castorf selbst versucht die Erwartungen an seine erste Bayreuther Inszenierung runterzuschrauben. Zum SPIEGEL sagte er: "Ich will keinen Jahrhundert-'Ring' präsentieren. Mir reicht ein Jahres-'Ring'."

cbu

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insgesamt 24 Beiträge
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1. Verstehe nun endlich
MiniDragon 20.07.2013
warum Merkel dort so gerne hinpilgert : Es ist das Heimweh nach der DDR ! :-)
2. Der Vergleich mit DDR Verhaeltlnissen hinkt gewaltig
commonsense2 20.07.2013
offensichtlich hat derjenige keine Ahnung was DDR Leben bedeutete in einer kommuistischen Diktatur - die Volkskammer und andere Parteien als Feigenblatt, mehr nicht die nichts zu sagen hatten. Politik wurde von einigen 110%igen Obergenossen formuliert und von der Stasi durchgesetzt. Freiheit gab es weder im Denken noch Sprechen noch Handeln. Auch die Ideen und Vorstellungen von Indentanten sollten immerhin dem Schoepfer des Werkes den Vorzug geben und seine Ideen umsetzen, nicht umgekehrt wie es immer mehr abgehobene Eigeninszenierer versuchen, dem sollten Grenzen gesetzt warden.
3. Das Publikum stammt
mischpot 20.07.2013
ja auch aus der DDR
4. Was für ein banaler Vergleich!
yast2000 20.07.2013
Zitat von sysopWer Bayreuth mit der DDR vergleicht, wird auch Albert Einstein mit einem Cheeseburger vergleichen.
Sie meinen sicher einen durch Raum und Zeit gekrümmten, sich gravitativ um die Längsachse des Käses drehenden, mit halber Lichtgeschwindigkeit dahin eilenden Bundesbürger?
5. Ahnungslos?
kagu 20.07.2013
Zitat von commonsense2offensichtlich hat derjenige keine Ahnung was DDR Leben bedeutete in einer kommuistischen Diktatur - die Volkskammer und andere Parteien als Feigenblatt, mehr nicht die nichts zu sagen hatten. .
Woher sollte Castorf auch "Ahnung" von der DDR haben, schließlich hat er dort ja nur sein Leben verbracht. Um über die DDR Bescheid zu wissen, muss man wenigstens in der BRD aufgewachsen sein.
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