Comeback von Neunziger-Boybands Relight My Fire

Die Mitglieder der englisch-niederländischen Boyband Caught in the Act haben angekündigt, wieder gemeinsam aufzutreten. Daran sind schon andere gescheitert.

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Silvester wollen Caught in the Act ("Love is Everywhere") am Brandenburger Tor auftreten, eine Tour soll folgen. Boyband-Mitglieder aus den Neunzigern, die nach Jahren der Funkstille wieder zusammenfinden, haben vielleicht Falten, Entziehungskuren und die Lebenserfahrung einer Zweitkarriere in Realityshows im Gepäck.

Ansonsten lehrt die Geschichte aber, dass nicht viel Gutes rumkommt, wenn einst zusammengecastete Boybands alten Ruhm aufwärmen wollen:

  • Backstreet Boys? Feiern seit 2005 ihre Wiedervereinigung, also länger, als es sie ursprünglich gab - mit lauen Balladen ("Incomplete"), Kreuzfahrt-Tourneen und 600 Dollar teuren "Meet and Greet"-Tickets für die parallel gealterten, aber erstaunlich treuen Fans.
  • East 17? Sind heute vor allem beleibter und tanzten am vergangenen Wochenende neben Mr. President und Whigfield bei der "Mega 90er Party" in Hannover.
  • Am wohl erfolgreichsten verwalten wohl noch Take That ihr Erbe: Man munkelt, dass die drei aktiven Mitglieder Gary Barlow, Mark Owen und Howard Donald bald bei einer Showreihe in Las Vegas auftreten sollen.

Schwierig wird die Wiedervereinigung speziell für Caught in the Act auch, weil Stil und Sound der Band im Vergleich zu den anderen Boybands so ganz besonders eindringlich in den Neunzigern verwurzelt waren: Bauchfrei, blondiert und in Einigkeit mittelgescheitelt sangen und tanzten die vier nicht die Art von Mainstreampop, der sich gerade durch seinen fehlenden Charakter alle Entwicklungsmöglichkeiten offen lässt - sondern eher blechern produzierten, geradlinigen Trashdance.

Der passt natürlich in den Retrotrend der Neunziger, bei dem man immer hinhört und hinschaut, obwohl es eigentlich wehtut. Sich eine zeitgemäße Aktualisierung geschweige denn Weiterentwicklung vorzustellen, fällt aber schwer. Dass Mitglied Eloy de Jong in einem Interview im vergangenen Jahr schon ankündigte, dass er sich die Wiedervereinigung von Caught in the Act "wie bei Modern Talking vor zehn Jahren" vorstellen würde, lässt zusätzlich Böses ahnen.

Zumindest einer scheint den Absprung vor dem Revival rechtzeitig geschafft zu haben: Nur Lee Baxter, Eloy de Jong und Bastiaan Ragas sollen Silvester am Brandenburger Tor auftreten. Es fehlt Benjamin Boyce, der früher immer besonders sportlich daherkam, aber nur selten singen dürfte. "Bedauerlicherweise hat sich Benjamin entschieden, nicht mitzumachen. Wir respektieren seine Entscheidung und wünschen ihm alles Gute für seine künftigen Projekte", heißt es im Facebook-Eintrag der Band.

Das wirkt dann doch rätselhaft. Zuletzt trat Bocye öffentlich in Erscheinung, als er neben Walter Freiwald und der Tochter von Roberto Blanco im deutschen Dschungelcamp auftrat. Und daneben wirkt dann selbst die "Mega 90er Party" geradezu wie ein Karrieresprungbrett.

eth



insgesamt 10 Beiträge
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Bueckstueck 14.12.2015
1. Fubar
Die Klamotten fand ich damals schon albern, aber heute sieht das Zeug und das was drin steckte nur noch FUBAR aus - etwa so wie diese ganzen comeback Ambitionen. Einfach wegbleiben und der Welt einen Gefallen durch vergessen tun.
lmalex 14.12.2015
2. Auch wenn wir als Jungen damals neidisch auf sie waren
Don't mess with our Jugend!
freddykrüger, 14.12.2015
3. So so
die zweite Pest der 90er, nach Techno kehrt also zueück. Wer es braucht soll glücklich damit werden. Etwas Plastikmusik, rumgehampel wie bei der Augsburger Puppenkiste, jeden der trällernden Marionetten ein Image verpasst und fertig war die Boygroup. Die damalige Zielgruppe wird wohl heute um die 25 - 30 Jahre alt sein (Ironie) und sich, zum Teil, anderer Chartgülle zugewandt haben. Waren wohl auch nur sehr wenige die nach dem Boygroupende Karriere gemacht haben. Williams soll hier mal als positives Beispiel dienen. Mehr fallen mir auch nicht ein. Stellt sich nur noch die Frage wer sich heute noch den musikalischen Supergau einer alternden Boygroup antut. Da muß man schon sehr leidensfähig sein.
alohas 14.12.2015
4.
Britisch-Niederländisch? Etwa so eine Art Shell des Trash-Pop? Naja, ölig waren die allemal.
majkusz 14.12.2015
5. ...oder in China fällt ein Sack Reis um...
Wen könnte das noch interessieren? Die Mädels von damals sind längst über das in-Ohnmacht-fallen-Alter raus und die Mädels von heute geben alles, um bei DSDS möglichst peinlich-berühmt zu werden. Die Boy- und Girlie-Groups sollten lieber eines beherzigen: immer aufhören, wenn es am schönsten ist. Der aufgewärmte Schnulz von einst wird ein Rohrkrepierer...
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