CD-Kritik Mangu: "Mangu" - Grüne Bananen

Zwei Welten: Der junge Amerikaner aus der Dom Rep wirft alle, fast alle, amerikanischen Stile wie Salsa, Reggae oder Rap in einen feurigen Eintopf. Und das schmeckt!

Von Cristina Moles Kaupp


"Calle Luna, calle Sol" - heiße Rhythmen peitschen durch einen verregneten Sommer. Latino, Salsa, Mambo, Reggae und gerapptes Spanglish - das krude Kreuzen von spanischen mit englischen Worten - keiner bringt das derzeit besser als Mangu. Ein kleinwüchsiges, hageres Kerlchen ließ sich diesen Spitznamen auf Brust und Album-Titel heften und hat jeden Grund, darauf stolz zu sein.

Gerade 23 Jahre ist er alt geworden, und schon tummeln sich auf seinem Debüt die Namen großer Künstler. Johnny Pacheco steht dabei an erster Stelle, die Ikone der lateinamerikanischen Musik, gefolgt von Reggae-Star Beenie Man und den großartigen Stimmen von Calton Coffie und Betty Wright - einmal abgesehen von der Prominenz an den Instrumenten. Ermöglicht hat dieses Treffen der Produzent Joe Galdo, selbst bereits Legende aus Zeiten der Miami Sound Machine. Ob Gloria Estefan, Angelique Kidjo oder David Byrne - er hat schon viele auf ihrem Werdegang begleitet.

Nun also Mangu, alias Freddy García, der einst in der Dominikanischen Republik seinen allerersten Schrei tat. Aufgewachsen ist er aber in New York, in der Bronx. Das klingt härter als es war, sagt er: "Wenn du den Ärger meidest, bleibt er dir auch fern". Beeindruckt vom rauhen Ton der Bronx, zog ihn HipHop, der Sound der Straße, magisch an. Damit konkurrierte die Plattensammlung seines Vaters - Soul und vor allem Salsa, damit die Heimat nicht in Vergessenheit gerate. Mangu versuchte sich zunächst als Tänzer, sang im Chor der High School.

Doch dann hatte seine Mutter genug von ihrem Gatten und dem kalten Klima in New York und zog nach Miami - Getto und der Schick des Südens: "Ich kenne die beste zweier Welten", schwärmt Mangu, der als 14jähriger erst wirklich seine musikalischen Wurzeln entdeckte. "In Miami leben rund 70 Prozent Latinos, sie kommen aus Kuba, Puerto Rico, Kolumbien, aus der Dominikanischen Republik, das Lebensgefühl ist einfach Wahnsinn." Mangu gelang es dank seines Tanztalents, die richtigen Kontakte zu knüpfen. Dann kam der schicksalhafte Tag, an dem Joe Galdo einen Rapper suchte, der auf Englisch und Spanisch die richtigen Vibes traf. Es ging um den Song "La Playa" für den Piano-Spieler Paquito Hechavarría. Mangu zauberte seine Rhymes aus dem Ärmel und überzeugte mit dem richtigen Gespür. "La Playa" wurde international zum Hit und ist auch auf Mangus Debüt zu finden. Galdo lehrte ihn viel über die Wurzeln von Reggae und der brasilianischen und afrikanischen Musik. Mangu revanchierte sich mit seinem Wissen über Rap.

Die 15 Songs seines gleichnamigen Albums überzeugen mit einer kraftvollen Stilmixtur und ungewöhnlichen Farbigkeit. Sie strotzen vor Lebensenergie und Karibik-Feeling - doch nicht nur: Rauhe Rap-Elemente signalisieren die Präsenz des amerikanischen Großstadtalltags in Titeln wie "Sexy", "Hitting' From All Sides" oder in der Single-Auskopplung "Calle Luna, Calle Sol". "Sin Tí" hingegen ist eine wonnigliche Schnulze, und mit dem selbstbewußten "Singing' My Song" greift Mangu keinesfalls nach unerreichbaren Sternen. Unbeschönigt erlaubt er Einblicke in seinen Werdegang - jetzt hat er es geschafft: "Die ganze Welt singt nun mein Lied". Thematisch dreht sich viel um die holde Weiblichkeit - keine Frage: Mangu liebt die Frauen und hat mit seinen großen dunklen Augen und seiner liebenswürdigen Art schon mancher den Kopf verdreht. Bleibt noch die Frage, wie er zu seinem Spitznamen kam. Mangu bezeichnet ein typisches Gericht aus der Dominikanischen Republik: Der würzige Brei aus gekochten, grünen Bananen ist Freddy Garcías Leibgericht.

Mangu: "Mangu" (Island Miami)



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