Von Christoph Dallach
Angeblich steckte Elton John auf einer verstopften Straße in Sydney fest, als er im Autoradio zum ersten Mal das australische Elektro-Duo Pnau hörte. Sir Elton war von den nur in ihrer Heimat bekannten Musikern so begeistert, dass er beschloss, Kontakt aufzunehmen. Obwohl der Brite mit seinem Las-Vegas-Zirkus, Prinzessinnen-Hymnen und Hollywood-Soundtracks zu den erfolgreichsten Popstars des Planeten zählt, gehörte er immer schon zu den abenteuerlustigeren Künstlern seiner Zunft.
Mit großer Aufmerksamkeit verfolgte er außerdem stets, was der Branchennachwuchs zu bieten hat. So war es gar nicht mal so überraschend, als er den zwei Pnau-Australiern den Auftrag offerierte, ausgewählte Songs seines Frühwerks für die Gegenwart aufzumöbeln. Er gewährte ihnen Zugang zu den Originalbändern der in der ersten Hälfte der siebziger Jahre eingespielten Songs, sowie künstlerische Freiheit. Eigentlich die Art von Job, die meistens nach hinten losgeht. Es wäre ein Leichtes gewesen, bewährte Hits wie "Rocket Man" von Stumpfbeat-Lieferanten wie David Guetta aufpimpen zu lassen. Aber eben das war Sir Elton offenbar zu billig.
Lässig zeitgemäß und trotzdem noch Elton John
So entstand das tatsächlich überraschende Album "Good Morning to the Night". Das Werk ist erstens geglückt, weil die Wahl auf eher unbekannte Songs fiel, und zweitens, weil die beiden Remixer von Pnau die Musik tatsächlich in ihre Einzelteile zerpflückten, bearbeiteten und virtuos neu zusammensetzten. So klingen alte Elton-John-Songs wie "Sad" oder "Telegraph to the Afterlife" jetzt dank lässig gesetzter Beats einerseits zeitgemäß, aber auch noch nach Elton John. Denn sie bieten, was einen guten Re-Mix ausmacht: eine überraschende neue Deutung, die die Idee der Vorlage intakt lässt. Da mag so manchem betagten Elton-John-Fan das Blut in den Adern gefrieren - trotzdem rauschte das Album in Großbritannien direkt auf die Pole Position der Charts.
So ein Bestseller wird das Hildegard-Knef-Album "12 Remixed Versions by Hans Nieswandt" wohl nicht werden, auch wenn es ebenso unterhaltsam geglückt ist. Für dieses ambitionierte Projekt renovierte der bekannte DJ, Autor und Musiker Hans Nieswandt zwölf Lieder der deutschen Diva, die in der ersten Hälfte der Siebziger entstanden. Auch Nieswandt ging behutsam, respektvoll und gekonnt an die Vorlagen. Der prägnanten Stimme der Knef in Liedern wie "Ich schreib dir ein Buch" oder "Guten Morgen Paul" programmierte er einen frischen Rahmen. Dabei zertrümmerte er die ursprüngliche, beschwingte Musik jedoch nicht, sondern polierte dezent einzelne Teile eindrucksvoll auf und reicherte sie mit Beats und anderen modernen Hilfsmitteln an. Das funktioniert so fabelhaft, dass man meint, die Knef hätte ein neues Album eingespielt.
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