Legendärer Jazzer Bassist Charlie Haden ist tot

Charlie Haden prägte den Jazz, spielte mit Größen wie Keith Jarrett, gewann drei Grammys. Jetzt ist der amerikanische Bassist im Alter von 76 Jahren gestorben.

Charlie Haden (Archivbild): Stilprägend für den Jazz
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Charlie Haden (Archivbild): Stilprägend für den Jazz


Los Angeles - Der legendäre amerikanische Jazz-Kontrabassist und Komponist Charlie Haden ist tot. Er sei am Freitag in Los Angeles einer langen Krankheit erlegen, sagte eine Sprecherin der Plattenfirma ECM. Haden wurde 76 Jahre alt, er hinterlässt seine Ehefrau Ruth Cameron und vier Kinder, die ebenfalls als Musiker aktiv sind. Erst im Juni hatte haden noch eine Platte herausgebracht - mit dem Titel "Last Dance" ("Letzter Tanz").

Hadens Karriere erstreckte sich über sieben Jahrzehnte. Er trat mit Jazz-Größen wie John Coltrane, Chet Baker und Keith Jarrett auf und galt als stilprägend. Sein gemeinsam mit dem Pianisten Kenny Barron veröffentlichtes Album "Night and the City" (1996) ist ein Höhepunkt der Jazzmusik. Haden wurde mit drei Grammys ausgezeichnet - für seine Alben "Beyond the Missouri Sky" (1997), "Nocturne" (2001) und "Land of the Sun" (2004). Dazu kam ein Grammy für sein Lebenswerk (2012).

Schwere Erkrankung im Jugendalter

Ein Konzert von Jazz-Legende Charlie Parker hatte Haden in jungen Jahren auf den Geschmack gebracht, daher zog er 1957 zum Musikstudium nach Los Angeles. Dort spielte er unter anderem mit dem Pianisten Hampton Hawes und dem Saxophonisten Art Pepper, bevor er beim Freejazz-Ensemble von Ornette Coleman einstieg. Zu den Meisterwerken der Gruppe gehört das Album mit dem programmatischen Titel "The Shape of Jazz to Come" (1959).

Im Jahr 1967 schloss sich Haden dann dem Ensemble von Keith Jarrett an. Später führte er verschiedene eigene Gruppen. Im Laufe seiner langen Karriere spielte Haden auch mit Popstars wie Yoko Ono, Ringo Starr, Elvis Costello und Beck.

Das US-Magazin "Time" würdigte ihn als einen der begabtesten und kühnsten Jazzmusiker überhaupt. Haden wurde am 6. August 1937 in Iowa in eine Musikerfamilie hineingeboren. Die Haden Family hatte eine Radioshow, in der der Sohn häufig als jodelndes Kleinkind auftrat.

Ein Schicksalsschlag hatte Haden einst zu seinem Instrument gebracht: Als Jugendlicher erkrankte er an Polio, was auch zu einer Schwächung seiner Stimmbänder führte - und ihn seine Singstimme verlieren ließ. So entschied er sich für den Bass. Wegen Spätfolgen der Jahrzehnte zurückliegenden Krankheit, einem sogenannten Post-Polio-Syndrom, musste Haden Ende 2010 auch seine öffentlichen Auftritte einstellen. Im Anschluss daran nahm er aber noch zu Hause Musik auf, unter anderem mit dem Gitarristen Pat Metheny und dem Pianisten Alan Broadbent.

mmq/chs/AFP/dpa

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
Nikos K. 12.07.2014
1. R.I.P. Mr. Haden!
Schlimme Nachricht direkt am frühen Morgen! So langsam gehen sie alle, und es bleiben uns nur die Nichtssagenden von heute, Spaling @ Co. ... Und ich hoffte, er würde noch einmal Kenny in einem Restaurant, nachts, in NY begleiten, auf eine zweite "The Night and the City"...
Aperdurus 12.07.2014
2.
Eins der schönsten Alben ist das Duoalbum "Beyond the missouri sky" mit Pat Metheny
Eichsfelder 12.07.2014
3.
Zitat von AperdurusEins der schönsten Alben ist das Duoalbum "Beyond the missouri sky" mit Pat Metheny
Höre gerade "The Precious Jewel" aus dieser CD. Könnte heulen!
pausenloos14 12.07.2014
4. Haden
Großer Verlust. Wonderful music-world!
Svante07 12.07.2014
5. Aber nicht doch!
Zitat von Nikos K.Schlimme Nachricht direkt am frühen Morgen! So langsam gehen sie alle, und es bleiben uns nur die Nichtssagenden von heute, Spaling @ Co. ... Und ich hoffte, er würde noch einmal Kenny in einem Restaurant, nachts, in NY begleiten, auf eine zweite "The Night and the City"...
Natürlich ist es ein großer Verlust. Charlie Haden war ein exzellenter Bassist, hat Schönes komponiert und hervorragend begleitet. Aber jetzt die jungen Musiker abzuwerten, halte ich für völlig falsch! Charlie Haden, Paul Kuhn, Dave Brubeck und die vielen anderen, die kürzlich das Zeitige gesegnet hat, waren so wie sie nun mal waren, individuell. Das gilt auch für die heutigen Jazzer, jeder ist anders, während sich der Jazz immer weiterentwickelt. Es werden altersbedingt noch viele weitere Jazz-Größen in den nächsten Jahren die Bühne verlassen, aber es kommen immer wieder großartige nach, nicht mit dem Jazz von damals, sondern mit einer neuen Form. In diesem Jahr war ich beim Elbjazz-Festival in HH und habe dort die Bassisten Avishai Cohen, Jasper Høiby (Phronesis) und Dan Berglund (Tonbruket) erlebt. Ein unglaublich energiegeladener und fantastischer Jazz, contemporary wohlgemerkt! Diese Musiker spielen nicht wie Charlie Haden, aber von den „Nichtssagenden von heute“ zu sprechen, passt einfach überhaupt nicht. Und für alle, die (verständlicherweise) den bewährten alten Jazzgrößen hinterhertrauern, sei gesagt, es verändert sich, aber es geht weiter! Das zeigt die gesamte Jazzgeschichte. Empfehlen möchte ich an dieser Stelle noch, weil sie mir gefallen und spontan in den Sinn kommen: Christian Scott (trumpet), Christian McBride (bass), Terence Blanchard (trumpet), Marius Neset (saxophone), Michael Wollny (piano), Marc Brehnken (piano), … Und es gibt noch so viele weitere Beispiele für junge und mitteljunge Musiker!
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