Festival in Peking: Chinesische Behörden gegen Kraftwerk-Gastspiel

Antichinesische Umtriebe? Das Regime in Peking hat den Angaben der Organisatoren zufolge einen Festival-Auftritt der Elektro-Pioniere Kraftwerk abgelehnt - weil die 1998 an einem "Free Tibet"-Konzert beteiligt waren. Dabei kam der Auftritt seinerzeit gar nicht zustande.

Kraftwerk live: Die Düsseldorfer Formation darf angeblich nicht in China auftreten Zur Großansicht
DPA

Kraftwerk live: Die Düsseldorfer Formation darf angeblich nicht in China auftreten

Hamburg/Peking - Die deutsche Band Kraftwerk darf angeblich wegen Kritik an der chinesischen Tibet-Politik nicht in China auftreten. Am Donnerstag hieß es im Umfeld des Musikunternehmens Modern Sky Records, welches das jährliche Strawberry Music Festival in Peking organisiert, dass das Kulturministerium ein Gastspiel der Düsseldorfer Elektronikpioniere nicht genehmigen wolle. "Kraftwerk darf nicht spielen, weil sie an einem Konzert zur Freiheit Tibets beteiligt waren", hieß es.

Der Auftritt von Kraftwerk war den Angaben zufolge schon komplett organisiert. "Es ist schade, dass sie nicht kommen dürfen, es ist eine große Schande", hieß es aus dem Unternehmen. Kraftwerk hätte 1998 an einem großen "Free Tibet"-Festival in Washington teilnehmen sollen. Die Band war fest angemeldet, musste den Auftritt dann aber wegen schlechten Wetters absagen.

Die Band, aus deren Originalbesetzung nur noch der Musiker Ralf Hütter in der heutigen Formation spielt, hatte im Januar in Düsseldorf eine Konzertreihe präsentiert, die an acht aufeinanderfolgenden Tagen die Haupt-Alben Kraftwerks in Gänze vorstellt. Mit dieser 3-D-Werkschau werden Kraftwerk im Mai in Tokio und Sydney gastieren.

Das chinesische Kulturministerium war für eine Stellungnahme am Donnerstag zunächst nicht zu erreichen. Die Behörden verfolgen nach Angaben aus informierten Kreisen aber konsequent die Politik, Auftritte womöglich kritischer Musiker in China zu untersagen. Dabei geht es nicht nur um die Tibet-Politik Pekings, sondern auch um Bands, die sich besonders für Menschenrechte oder für Widerstand gegen Autoritäten einsetzen.

China hat Tibet im Jahr 1951 besetzt und kontrolliert die autonome Region sowie die anliegenden Provinzen, in denen ebenfalls viele Tibeter leben, mit harter Hand. Das geistliche Oberhaupt der Tibeter, der Dalai Lama, floh 1959 während eines Aufstands nach Indien, wo er seitdem wie zahlreiche andere tibetische Flüchtlinge im Exil lebt.

twi/afp

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