Thielemanns Neujahrskonzert Schwer ist leicht was

Alle Jahre wieder kommt das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker, und 2019 dirigierte der penible Christian Thielemann. Der Pianist Seong-Jin Cho widmet sich Mozart, nahezu ebenso akkurat.

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"Schwer ist leicht was" - der Schauspieler und Comedian Ottfried Fischer wortspielte sich mit diesem Satz mühelos in den Kanon der geflügelten Worte. Beim Hören der Strauß-Walzer, speziell anlässlich des ehrwürdigen Neujahrskonzerts im Goldenen Saal des Konzertvereins, drängt sich dieser Gedanke förmlich auf. Klug also von Pultstar Christian Thielemann, seine Vorstellung vom Zusammenspiel des Exakten und Peniblen mit dem Leichten und Federnden in der Musik von Johann Strauß und Zeitgenossen im Pausen-Interview zu thematisieren.

Aber man hört es mühelos: Das "Neujahrskonzert 2019" (Sony Classical) war ein Fest. Thielemanns Philosophie vom luftig schwingenden, dennoch ernst und betont exakt genommenen Strauß, realisierte er inspiriert mit den Walzerexperten des Elite-Ensembles von der schönen, blauen Donau. Ein wenig erinnert die Herangehensweise an Carlos Kleibers legendäres und kaum zu übertreffendes Strauß-Feuerwerk von 1989. Bei seiner Neujahrskonzert-Premiere traf Thielemann auf ein Orchester, mit dem er schon erfolgreich zusammenarbeitete, man kennt und schätzt sich. So ließ sich Thielemann am 1. Januar auch drei Stücke lang Zeit mit der ersten Strauß-Begegnung.

Erst mal der Schönfeld-Marsch von Ziehrer, Hellmesbergers Elfenreigen und Josef Strauß' "Transactionen", dann waren alle bestens im Groove.

War auch nötig für die rasante "Expreß"-Polka von Johann Strauß, erstmals in einem Neujahrskonzert. Deren feingeschliffene Präzision nun den Ton definierte, der Thielemann vorschwebte. Die Streicher legten noch einmal zu, das Tempo empfand man als beglückend, zum ersten Mal stellte sich im traditionellen Wiener "Goldenen Saal" Champagner-Gefühl ein. Danach dann wieder ein wiegender Strauß-Walzer, die "Nordseebilder". Volle Fahrt voraus.

"Zigeunerbaron" und "Sturmschritt"

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Natürlich zelebrieren die Wiener Philharmoniker und Thielemann auch bewährte Johann-Strauß-Hits wie die "Zigeunerbaron"-Ouvertüre, das farbige "Künstlerleben" oder kurz vorm Finale die flinke Polka "Im Sturmschritt". Aber Christian Thielemann hat auch immerhin fünf Erstdarbietungen im Rahmen seines Neujahrskonzert-Debüts im Programm. Kein Dirigent kommt natürlich an den traditionellen Zugaben-Schlachtrössern "An der schönen blauen Donau" und dem "Radetzkymarsch" vorbei. Man hört, dass Thielemann die "Donau" mit ihrem vielgestaltigen Glitzern dem militärisch-maschinellem Drill des Marsches vorzieht. Einerlei: Zu diesem Zeitpunkt haben er und die Wiener Philharmoniker eh längst gewonnen. Prosit Neujahr!

Theatralisch spannend

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Seong-Jin Cho, 1994 in Seoul geboren und 2015 Gewinner des Warschauer Chopin-Wettbewerbes, zelebriert den schwierigen Umgang mit dem scheinbar Leichten mit Werken von Wolfgang Amadeus Mozart (Deutsche Grammophon). Dabei setzt Cho in seiner Version des 20. Klavierkonzertes d-moll ebenso wie Thielemann bei seinem Neujahrs-Debüt auf penibles, glasklar durchlüftetes Spiel. Dazu kommt sein Sinn für Dramatik und die Gestaltung des Konzerts in fast theatralisch spannender Stringenz. Im finalen Allegro assai mit der Beethoven-Kadenz brechen sich Überschwang und Optimismus Bahn - und fangen Schatten und Melancholie der ersten beiden Sätze ein. Falls es sich Mozart nicht genau so vorgestellt hat, so klingt es hier auf jeden Fall bezwingend logisch.

Bei dieser dramaturgisch fein gestalteten Interpretation flankiert das Chamber Orchestra of Europe sehr werkdienlich, dirigiert doch der Chef Yannik Nézet-Séguin mit eng lenkender Hand, aber mit der mozartischen Leichtigkeit als Ziel - Thielemanns Strauß-Ansatz lässt grüßen. Der kanadische Dirigent Nézet-Séguin fungiert derzeit als Musikdirektor des Philadelphia Orchestra, dazu wird er ab 2020 Chefdirigent der New Yorker Met. Und der jugendliche Seong-Jin Cho empfiehlt sich für weitere komplexe Aufgaben. 2019 könnte ein gutes neues Jahr für beide werden.



insgesamt 5 Beiträge
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DerBlicker 13.01.2019
1. Kann ich nicht nachvollziehen
Für mich war das Neujahrskonzert mit Thielemann sehr ermüdend, es fehlte die Spritzigkeit, mit der die Wiener Philharmoniker sonst Strauß spielen. Ich hatte immer das Gefühl, hier dirigiert jemand Strauß wie Wagner, das wirkte alles sehr schwerfällig, Strauß muss aber leichtfüßig klingen, sonst ermüded er.
Avagin Ste des infertiles 13.01.2019
2. Berauschend stumpf
Ich freue mich, dass es gelungen ist, das Bierzelt in goldene Hallen zu verlegen. Alles ist so volksnah - ein neues Jahr ganz wie das alte. Berauschend stumpf.
Olino 13.01.2019
3. Gelungene Premiere
Ich kann #1 nicht wirklich nachvollziehen. Ja, Thielemann wirkt am Pult bisweilen etwas steif, aber zum Sambatänzer ist der Mann eben nicht geboren. Mein Tipp: einfach mal das Bild abschalten (bzw. die CD hören) und sich nur auf die Musik konzentrieren. Zu #2: Es hätte mich sehr überrascht, wenn sich hier nicht irgendein pseudo-intellektueller Bedenkenträger gefunden hätte, der im Neujahrskonzert einen volkstümelnden Wegbereiter des 4. Reichs sieht.
Avagin Ste des infertiles 13.01.2019
4. Humpta-Humpta unterm Hopfenkranz
Zitat von OlinoIch kann #1 nicht wirklich nachvollziehen. Ja, Thielemann wirkt am Pult bisweilen etwas steif, aber zum Sambatänzer ist der Mann eben nicht geboren. Mein Tipp: einfach mal das Bild abschalten (bzw. die CD hören) und sich nur auf die Musik konzentrieren. Zu #2: Es hätte mich sehr überrascht, wenn sich hier nicht irgendein pseudo-intellektueller Bedenkenträger gefunden hätte, der im Neujahrskonzert einen volkstümelnden Wegbereiter des 4. Reichs sieht.
4. Reich? Ich weiß nicht, von was Sie getrunken haben? Pseudo-intellektuell sind allein Sie mit Ihren Interpretationen, die sich ausschließlich gegen Sie selbst richten. Ich gönne Ihnen doch Ihr Humpta-Humpta unterm Hopfenkranz. Vielleicht dürfen Sie ja auch mal dirigieren. Mit DJ Ötzi.
klmo 13.01.2019
5.
Zitat von Avagin Ste des infertiles4. Reich? Ich weiß nicht, von was Sie getrunken haben? Pseudo-intellektuell sind allein Sie mit Ihren Interpretationen, die sich ausschließlich gegen Sie selbst richten. Ich gönne Ihnen doch Ihr Humpta-Humpta unterm Hopfenkranz. Vielleicht dürfen Sie ja auch mal dirigieren. Mit DJ Ötzi.
Um es dezent zu interpretieren: Der Wiener Opernball und das Neujahrskonzert sind Geschwister. Für weitere Auskünfte steht ihnen gern die Wiener Ikone Lugner zur Verfügung.
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