Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Christine and the Queens: Popstar aus der Transenbar

Von

Die Idee zu ihrer Band kam Héloïse Letissier in einer Transvestitenbar: Seitdem tourt die Sängerin als "Christine and the Queens" durch die Welt. Mit ihrem Debütalbum holte sie in Frankreich Doppel-Platin.

Christine and the Queens: Zwischen Beyoncé und Pina Bausch Fotos
DR/ Warner

Vor einem Jahr war Christine and the Queens beim französischen Gegenstück zu den Grammys als bester Newcomer nominiert. Bei der Gala gab es ein Orchester, also schrieb sie Streicher-Arrangements, sang dazu "Nuit 17 à 52", eine Ballade. Ihre Plattenfirma schwärmte: "Das ist gut! Willst du so was nicht auf dein Album nehmen?" Sie: "Toll, ich hätte nicht zu fragen gewagt!"

Ein Jahr später wurden wieder die Victoires de la Musique gefeiert. Diesmal gab es zwei Preise für Christine and the Queens, den als beste weibliche Künstlerin und den fürs beste Video. Ob sie den Trick wiederholt hat, ihre Plattenfirma vor Millionenpublikum auf Ideen zu bringen? "Nein. Klingt schrecklich, das zu sagen, aber: Inzwischen hört das Label sehr darauf, was ich möchte."

So ist das eben im Pop: Wer Platten verkauft, hat recht. Und vom Debütalbum von Christine and the Queens, es heißt "Chaleur Humaine", sind seit dem Sommer mehr als eine Viertelmillion Exemplare in Frankreich verkauft worden. Obwohl sich die Sängerin als Außenseiterin sieht - und all die ermutigen will, die sich auch als Außenseiter empfinden.

Wie Héloïse Letissier zu Christine wurde

Die Geburtsstunde von Christine and the Queens lässt sich ziemlich genau festlegen. 2010 ging eine junge Frau namens Héloïse Letissier, frustriert von ihrem Theaterstudium in Lyon, nach London und geriet in den berühmten Nachtclub Madame JoJo's im Vergnügungsviertel Soho.

Letissier bewunderte die Show dreier Drag Queens, die gleichzeitig rocken und kochen wollten - "musikalisch war es nicht besonders, aber ihre Ausstrahlung - fantastisch!". Nach einigen Abenden gesellten sich die Transvestiten zu ihr, sprachen ihr gut zu: "Ich sah aus wie ein deprimierter Teenager. Aber niemand ließ mich spüren, dass ich nicht dazugehörte. Die Leute in dieser Sorte Klub sind so daran gewöhnt, abgewiesen zu werden, dass sie selbst möglichst niemanden abweisen."

Bald malte sich die Französin gemeinsame Auftritte aus, doch das lehnten die Drag Queens höflich ab. So ging Héloïse Letissier nach Frankreich zurück, verwandelte sich in die Bühnenfigur Christine und trägt ihre Queens weiter im Herzen. Auf der Bühne trägt sie stets Anzug, denn schließlich habe sie von den Queens gelernt: Wenn die Frauen sein können, so wie sie wollen, dann könne sie auch ein Typ sein.

"Saint Claude"

Saint Claude von Christine and the Queens auf tape.tv.

Theoretisch war das Héloïse Letissier schon vorher klar, denn ihr Vater, ein Anglistik-Professor, gab ihr schon mit 15 Judith Butler zu lesen, die Gender-Studies-Philosophin.

Die 26-Jährige flüstert ins Aufnahmegerät: "Das beste Alter, um sich mit solchen Fragen zu beschäftigen. Aber darüber wird in Frankreich gerade sehr gestritten." Kennt man in Deutschland ja auch. Letissier ist sich sicher: "Wenn du heranwächst, stellst du dir ja sowieso ständig Fragen über deinen Körper."

"I'm a man now", singt Christine and the Queens gleich im Auftaktsong des Albums "Chaleur Humaine", das nun auch in Deutschland offiziell veröffentlicht worden ist. Sie habe Briefe von Mädchen bekommen, die sich darin wiedererkennen, sagt die Sängerin: "Sein, wie man will - wenn ich nur ein paar Ideen darüber transportieren könnte, wäre es perfekt."

Wie Beyoncé, bloß für linkische Mädchen

Christine and the Queens singt mal auf Englisch, mal auf Französisch. Ihre Musik hat sie anfangs selber auf dem Laptop produziert. Für das Album wollte sie einen besseren Sound, aber nicht im Studio alles umschmeißen. So sind die Arrangements sehr minimalistisch geblieben, von den gelegentlichen Streichertupfern mal abgesehen.

Sehr modern klingt das alles, die reduzierten R&B-Beats erinnern an die Musik von Drake oder von Kanye West (von dem sich gleich ein Refrain geliehen wird). Darüber singt Letissier Melodien, die vom Pop oder Chanson kommen, aber es bleibt stets sehr rhythmusorientiert.

Kein Wunder, dass Héloïse Letissier sagt, sie könne beim Singen nie stillsitzen: "Ich sehe mich als eine Sängerin, die tanzt."

Michael Jackson und Pina Bausch hätten ihre Art des Tanzens beeinflusst, sagt Letissier. Jacko? Klar - "wer ist kein Fan von Michael Jackson?" Aber auch den zeitgenössischen Tanz hält sie für populär. "Pina Bausch ist kein bisschen versnobt." Schließlich sei das Schöne am Tanz grundsätzlich, dass er so zugänglich sei. Das nutze sie besonders bei Auftritten außerhalb Frankreichs, wo manche die Texte nicht verstehen. So auch im kleinen Saal des Berliner Admiralspalasts, wo sie am Abend nach dem Interview auftritt.

Mit ihren zwei Tänzern muss es Absprachen gegeben haben, aber die Show von Christine and the Queens strahlt trotzdem etwas Lässiges, Spontanes aus. Sie lacht viel, erklärt manches, freut sich aufrichtig über den Jubel, den sie auslöst.

Zuhause in Frankreich hat sie bei der TV-Show zu den Victoires de la Musique ganz auf den Tanz gesetzt - in der Gruppe zu "Christine", allein, wie im preisgekrönten Video zu "Saint Claude". In der Woche darauf klettern beide Songs in die Top Five der französischen Charts.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Diskriminierend
shabby 02.03.2015
Tut mir leid, aber transsexuelle Menschen als "Transe" zu bezeichnen ist abwertend und diskriminierend. Und das beim Spiegel als Titel.... . Herr Bayer, gehts noch ?
2. Habe herzlich gelacht.
Luxinsilvae 02.03.2015
Bekommt vom Vater mit 15 (!) Jahren Literatur einer "führenden" Gender-Ideologin zu lesen ... und hängt mit 21 frustriert in einer Londoner Transen-Bar rum. Heute tritt Sie nur noch im Anzug auf, weil Sie "ja auch ein Kerl sein kann". Hm? SPON, bei solchen Themen toppt Ihr einfach jede Satire. Danke dafür!
3. An Kommentar 1
Saïph 02.03.2015
Wer schreibt hier von Transsexuellen? Wer den Artikel liest, wird feststellen, dass es um eine Transvestitenbar geht; das sollte man nicht durcheinanderwerfen!
4.
io_gbg 02.03.2015
Zitat von shabbyTut mir leid, aber transsexuelle Menschen als "Transe" zu bezeichnen ist abwertend und diskriminierend. Und das beim Spiegel als Titel.... . Herr Bayer, gehts noch ?
Ich gebe Ihnen recht. Außerdem sind hat Drag gar nichts mit Trans zu tun. Es hat also auch mit Transvestismus nichts zu tun, sondern ist eine Showform oder Kunstform. Das miteinander zu vermengen und so Transpersonen in ein falsches Licht zu bringen, sollte einem Journalisten heutzutage nicht passieren.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: